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Die Nachfrage muss stimmen: Für landwirtschaftliche Betriebe ökologisch zu wirtschaften, muss sich rechnen, sagt der Agroverbund Schulzendorf

Landwirtschaft
Agroverbund will weg von Glyphosat

Nadja Voigt / 05.09.2018, 21:15 Uhr - Aktualisiert 06.09.2018, 09:48
Schulzendorf (MOZ) Der Agroverbund in Schulzendorf hatte am Mittwoch Besuch von französischen, deutschen und palästinensischen Studenten. Die durften auch  heikle Fragen stellen – zum Beispiel nach dem Einsatz von Totalherbiziden.

Ob sein Betrieb denn auch Glyphosat einsetzt, wollte eine der jungen Französinnen gleich zu Beginn der Diskussionsrunde in den Räumlichkeiten der Verwaltung im Mögliner Weg in Schulzendorf wissen.

Ausdrücklich hatte Chef Dirk Reinkens die jungen Leute animiert, auch kritische Fragen zu stellen. Sei es vor ein paar Jahren auf 35 bis 40 Prozent der bewirtschafteten Fläche, immerhin knapp 8000 Hektar, ausgebracht worden, so seien es nun schon weniger als zehn Prozent, bezog er auf die Frage hin Stellung. „Unser Ziel ist es, ab dem nächsten Jahr Glyphosat gar nicht mehr zu verwenden“, unterstrich der 50-Jährige Geschäftsführer.

Bereits in den vergangenen fünf bis acht Jahren habe der Verbund, bestehend aus zehn Gesellschaften zwischen Schwedt und Strausberg, den Verbrauch an Insektiziden, Herbiziden und Fungiziden deutlich reduziert. „Wir würden vielleicht sogar auf null gehen“, sagte Reinkens den rund 25 Studenten, die einer Einladung des Centre Francais de Berlin nach Schulzendorf gefolgt waren. Gerne würde der Verbund ökologisch wirtschaften. Das sei jedoch gar nicht so einfach, führte der studierte Landwirt aus. Denn zum einen brauche man den Markt, zum anderen die Menschen. Das sei bei den Farmmanagern noch nicht einmal das Problem, wohl aber beim Personal vor Ort. Wie überall greift auch dort der Fachkräftemangel um sich.

Um den aktuellen politischen aber auch wetterphänomenologischen Aspekten Tribut zu zollen, werde sich der Agroverbund weiter diversifizieren. „Es wird ein bunter Blumenstrauß werden“, präzisierte Dirk Reinkens. „Wir werden künftig auch Kartoffeln, Erdbeeren, Spargel anbauen und Himbeersträucher pflanzen.“ Derzeit sind es vor allem Mais, Weizen, Gerste und Raps. Letztgenannter liegt Dezitonnenweise in der riesigen Lagerhalle in Schulzendorf und wird dort nach Qualitäten sortiert und heruntergekühlt, wie der gebürtige Schleswig-Holsteiner den Studenten während der Betriebsführung zeigte: Vorbei an der Waage, auf der die Lkw auch gleich beprobt werden können, den Silos und dem Maschinenpark mit eigener Tankstelle und der Werkstatt. Viel könne bei den hochtechnisierten Fahrzeugen allerdings nicht mehr gemacht werden, so Reinkens. Lediglich Verschleißteile könnten dort ausgebaut und ersetzt werden. Der Rest laufe über die Hersteller.

Im Verwaltungssitz nahm der seit fünf Jahren in Schulzendorf Tätige die Gelegenheit wahr, den Besuchern die Unternehmensstruktur der Lindhorst-Gruppe näher zu bringen. 39 Mitarbeiter beschäftigt der zur Holding gehörende Agroverbund Schulzendorf. Die Mehrzahl davon in der Verwaltung. „Daran können Sie erkennen, wie weit der Bürokratismus fortgeschritten ist“, so Dirk Reinkens. Zahlen beschäftigen jedoch auch das Unternehmen: So zum Beispiel mache sich das Wetter der vergangenen Jahre – erst zu kalt, dann zu nass, jetzt zu heiß und zu trocken – aber auch der niedrigere Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in fallenden Erträgen bemerkbar, führte er aus. Von rund 32 Tonnen pro Hektar auf rund 26 Tonnen pro Hektar, so die Statistik.

Und was den Regen angeht, zog der Geschäftsführer eine düstere Bilanz: In den vergangenen sechs Wochen sei nicht ein Tropfen Regen gefallen, in den letzten drei Monaten statt der durchschnittlichen 200 Liter nur rund die Hälfte. Und auch die Jahresbilanz 2018 bleibt bei unter 50 Prozent der sonst üblichen Regenmengen, rechnete Dirk Reinkens vor.

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