Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Ärztemangel und Mobilität waren die Schwerpunktthemen

Zukunftspolitik
Seniorenbus für Arztbesuche

Weihnachtsgedicht: Mit Versen zum Advent eröffnete Evelin  Miethke (r.) das seniorenpolitiische Forum im Haus Hanna.
Weihnachtsgedicht: Mit Versen zum Advent eröffnete Evelin  Miethke (r.) das seniorenpolitiische Forum im Haus Hanna. © Foto: Ulf Grieger/MOZ
Ulf Grieger / 07.12.2018, 07:00 Uhr
Letschin (MOZ) Im Rahmen des Letschiner Lebendigen  Adventskalenders hatte der Seniorenbeirat Gäste aus anderen Gemeinden ins Seniorenheim Haus Hanna geladen. Angesichts der Bedarfsanalyse Älterer in Letschin gab es Hinweise für eine altersgerechtere Kommunalpolitik.

Zunächst wurden die vielen Angebote für Senioren in Letschin gelobt. Jens A. Forkel, Wissenschaftler der Hochschule Neubrandenburg, ermittelt Bedürfnisse und den Bedarf der älteren Einwohner nach Gesundheitsvorsorge in Letschin. Er hatte die Ergebnisse der ersten Gemeindewerkstatt dazu auch in Mecklenburg vorgestellt. „Dort staunte man, was Sie hier noch alles haben“, erklärte er und nannte das Beispiel der Bibliothek. Viele Ideen und Vorschläge habe er aus der Werkstatt mitgenommen. Vor allem, was das Bemühen um den Zusammenhalt in den Dörfern angeht.

Auch Amtsarzt Steffen Hampel erhofft sich von der Bedarfsanalyse viele neue Ideen für die Verbesserung der ärztlichen Versorgung. Die Sturzprävention sei – wie jetzt diese Analyse – bereits ein sehr erfolgreiches Projekt der von seiner Behörde geleiteten Gesundheitskonferenz Märkisch-Oderland. „Wir hatten zunächst das Augenmerk vor allem auf die jüngste Generation gelegt. Aber auch die Älteren gehören ins Blickfeld“, sagte Hampel. Eine Strategie bestehe aktuell darin, die Allgemeinmediziner dafür zu gewinnen, Weiterbildungsassistenten einzustellen. Dabei geht es darum, dass Absolventen des Medizinstudiums, die sich für eine Facharztausbildung der Allgemeinmedizin entscheiden, in den Landarztpraxen Erfahrungen sammeln und dabei auch ihre Liebe zum Beruf im ländlichen Raum entdecken. Große Hoffnungen liegen dabei auf der Ausbildung von Medizinern durch die Hochschule Neuruppin und Brandenburg.

Unmittelbar mit der ärztlichen Vorsorge hängt das Problem der Mobilität zusammen. Facharztpraxen sind meist weit vom Wohnort der Bürger  entfernt. Steffen Hampel erinnerte an das Pilotprojekt Arztbus im Bereich Müncheberg-Buckow, das mangels Auslastung nach zwei Jahren wieder eingestellt wurde. „Unterschiedliche Partner wie Krankenkassen, Unternehmer,  Ärzte und Kommunen haben hierbei gut zusammengearbeitet. Das hätte einen längeren Atem gebraucht, um zu greifen“, ist sich Hampel sicher. Eine weitere Möglichkeit sei es, ähnlich wie in skandinavischen Ländern, dem mittleren medizinischen Personal mehr ärztliche Kompetenzen zu geben. Noch wehren sich die Verbände der Ärzteschaft dagegen. Ingrid Blankenfeld von der Lebuser Volksolidarität informierte über gute Erfahrungen mit einem Kleinbus, an dessen Kosten sich auch das Amt beteiligt. Mit ihm werden auch Arztbesuche organisiert. Steintochs Ortsvorsteher Hans-Jörg Vollberg machte deutlich, was es bedeutet, zur fachärztlichen Behandlung nach Frankfurt-Markendorf zu müssen. Menschen, von denen nicht wenige unter Inkontinenz leiden, müssen mehr als  vier Stunden im Bus zubringen. Dringend erforderlich sei die Wiedereinführung des Rufbusses nach dem ersten Muster, forderte Letschins Beiratsvorsitzende Evelin Miethke. Die knapp 100 000 Kilometer Rufbus-Linienverkehr, die der Kreistag am 12. Dezember beschließen will, reichten  nicht aus.

Letschins Bürgermeister Michael Böttcher machte deutlich, dass neben den Dorfzentren, deren Erhalt der Fusionsvertrag der zehn Ortsteile seit 15 Jahren festschreibt, auch die 44 Vereine eine wichtige Rolle spielen. Angesichts der wichtigen Aufgaben dieser Dorfzentren sei es nicht verständlich, dass ihr Erhalt im Gemeindefinanzierungsgesetz noch immer als freiwillige Aufgabe eingestuft wird. Dass das Ehrenamt einen Großteil der Arbeiten darin übernimmt, sei sehr lobenswert. Aber die Gemeinde müsse finanziell so ausgestattet sein, dass sie von ihnen nicht noch Nutzungsgebühren verlangen muss. Das Prinzip der Haushaltssicherung bezeichnete der der Bürgermeister als „shizophren“.

Dr. Werner Stephan aus Altlandsberg, Vorsitzender des Kreisseniorenbeirates, erklärte, dass alle Lebensbereiche der Älteren für das Wohlbefinden wichtig sind. Das Wohnen, die kulturellen Angebote und die Einbeziehung in Vereinen als Mittel gegen Vereinsamung gehörten dazu. Er kritisierte, dass Altlandsberg keine Sozialberatung anbieten kann.

Die CDU-Landtagsabgeordnete Kristy Augustin und ihr Büroleiter nahmen die Hinweise für die weitere Arbeit auf.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2018 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG