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Auf dem Ulmenhof in Diedersdorf steht eine Ulme. Doch ist es auch eine Flatterulme? Dann wäre es ein Baum des Jahres 2019.

Ulme
Wenn der Baum erzählen könnte

Mächtiges Exemplar: Sabine Wache, Wirtin des Ulmenhofes in Diedersdorf, vor ihrer Ulme. Das Laub des Baumes macht im Herbst viel Arbeit. Anhand der Blätter könnte man auch erkennen, um welche Ulmenart es sich handelt. Doch die waren jetzt bereits entsorgt. Revierförster Philipp Kunze wusste aber noch um eine andere Möglichkeit zur Bestimmung.
Mächtiges Exemplar: Sabine Wache, Wirtin des Ulmenhofes in Diedersdorf, vor ihrer Ulme. Das Laub des Baumes macht im Herbst viel Arbeit. Anhand der Blätter könnte man auch erkennen, um welche Ulmenart es sich handelt. Doch die waren jetzt bereits entsorgt. Revierförster Philipp Kunze wusste aber noch um eine andere Möglichkeit zur Bestimmung. © Foto: Anett Zimmermann
Anett Zimmermann / 16.12.2018, 10:30 Uhr - Aktualisiert 17.12.2018, 12:19
Diedersdorf (MOZ) „Starke Brandenburgerin im Stieleichenwald“ war kürzlich ein Beitrag in dieser Zeitung überschrieben. Der Diedersdorfer Revierförster Philipp Kunze hatte zuvor schöne Exemplare von Fatterulmen gezeigt. Offen geblieben war jedoch: Was für eine Ulme steht im Ulmenhof?

Mit dem Baum des Jahres kann Sabine Wache, Wirtin des Ulmenhofs in Diedersdorf, durchaus etwas anfangen. Danach werde schon mal beim Quizduell gefragt, das sie per Handy mit ihrer Freundin oder auch ihrer Schwester spielt. Aber dass die Flatterulme zum Baum des Jahres 2019 ernannt worden ist, erfährt sie erst durch die MOZ-Reporterin, die wissen möchte, was für ein Exemplar bei ihr im Hof steht.

Sabine Wache zuckt mit den Schultern. Sie ist erst seit 2005 in Diedersdorf. Auch auf den historischen Aufnahmen im Eingangsbereich ist kein Hinweis zu entdecken. Unter einem steht: Gasthof zur Ulmenlaube, Bes. W. Voigt, Familienbesitz seit 1750, Diedersdorf, Telefon 87. Die Ulmenlaube auf dem Foto scheint nur aus Baum zu bestehen. Die Bilder hätten Diedersdorfer mitgebracht, erzählt Sabine Wache und hat so auch erfahren, dass früher mehrere Ulmen auf dem Hof standen. Inzwischen sei es nur noch eine, wenn man von einem ebenfalls noch vorhandenen Stumpf einmal absieht. „Der eignet sich im Sommer schön als Blumenständer.“

Die noch stehende wuchtige Ulme habe sie im Vorjahr kürzen lassen, berichtet Sabine Wache und fügt hinzu: „Alle dicken Äste über den Dächern und das zum Glück vor den Stürmen im Oktober.“ Vom Baumkletterer weiß sie, dass Ulmen mit der Zeit innen hohl werden. So ist das Alter auch über Jahresringe nicht zu bestimmen. „Vielleicht stand die Ulme ja bereits 1750 hier“, meint die Wirtin. Das wären 268 Jahre oder mehr.

Aber die Jahreszahl vom Foto reicht als Beleg natürlich nicht. Der Gasthof ist zudem von der Straßenseite aus fotografiert. Die Ulme ist also nicht zu sehen. Und das Bild sagt auch nichts darüber aus, ob es an selber Stelle schon vorher einen Gasthof gegeben hat. Diedersdorf selbst wurde 1253 erstmals urkundlich erwähnt.

Als Rekordbaum ist im Internet übrigens eine auf etwa 400 bis 500 Jahre alt geschätzte Flatterulme zu finden. Diese steht hinter der Kirche auf dem ehemaligen Friedhof in Gülitz, einem kleinen Ort im Nordwesten Brandenburgs. Noch beeindruckender ist ihr Stammumfang von fast zehn Metern, genauer 9,87 Metern. Sie gilt damit als Deutschlands dickste Ulme, ist auf den Seiten zum Baum des Jahres nachzulesen. Demnach sind zudem ein paar dicke Feldsteine – Reste der Friedhofsmauer – am Fuß des mächtigen, stark knolligen Stamms eingewachsen.

Als „fett“ bezeichnet auch Sabine Wache die Ulme, die bei ihr im Schutz des Hauses steht. „Der Baum könnte bestimmt viel erzählen, wenn er sprechen könnte.“ Die Laube vom Foto gibt es allerdings nicht mehr. Und der überdachte Biergarten sei erst nach 2005 entstanden. Um das Grün drumherum kümmert sich die Wirtin bis heute selbst. „Das ist mein Ding.“

Vorher stand das Haus samt Saal jahrelang leer. Zu DDR-Zeiten sei es aber noch als Gaststätte genutzt worden. Sabine Wache, die in Manschnow und durch ihre Eltern auch mit der Gastronomie aufgewachsen ist, ist sich ziemlich sicher, dass es sich um eine Konsum-Gaststätte handelte. Einen Hinweis auf die imposante Ulme im Hof gibt seit einigen Jahren auch das Bild auf der Fassade.

Und dann meldet sich Revierförster Philipp Kunze noch einmal. „Es ist doch eine Flatterulme!“, erklärt er und hätte eher auf eine Bergulme getippt, die häufig als Allee- und Parkbaum zu finden ist. Zu erkennen sei der Unterschied anhand der Knospen, die sich auch von denen einer Feldulme unterscheiden. „Die schwarzrandigen Knospenschuppen sprechen eindeutig für eine Flatterulme.“

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