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Wissenschaftliches Werk beleuchtet Internierungen durch sowjetischen Geheimdienst nach 1945

Geschichte
Buch über Verhaftungen in Freienwalde nach 1945

Neues Buch: Der Autor Andreas Weigelt schreibt über das Wirken des sowjetischen Geheimdienstes zwischen 1945 und 1955 in Bad Freienwalde.
Neues Buch: Der Autor Andreas Weigelt schreibt über das Wirken des sowjetischen Geheimdienstes zwischen 1945 und 1955 in Bad Freienwalde. © Foto: Repro: Reinhard Schmook
Reinhard Schmook / 03.01.2019, 20:18 Uhr
Bad Frienwalde Unter dem Titel „Vorwurf: Aktiver Nazi, Werwolf oder Agent“ ist kürzlich in der Schriftenreihe der Beauftragten des Landes Brandenburg zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur ein interessantes Buch erschienen.

Nach mehrjährigen Recherchen sowjetischer und deutscher Quellen in zahlreichen Archiven, auch im Archiv des Oderlandmuseums, hat der Historiker Andreas Weigelt viele Daten von mehr als 300 Bürgerinnen und Bürgern zusammengetragen, die in Bad Freienwalde und Umgebung zwischen 1945 und 1955 von sowjetischen Geheimdiensten verhaftet, interniert und zum Teil verurteilt wurden. Die Studie geht der Frage nach, wer diese Menschen waren, was ihnen vorgeworfen wurde und ob diese Vorwürfe zutreffend waren.

Die frühere Kreisstadt Bad Freienwalde wurde zufällig ausgewählt. Da es bisher keine überprüfbaren Angaben über die von den sowjetischen Geheimdiensten nach dem Zweiten Weltkrieg festgenommenen Bürgerinnen und Bürger gibt, kann die Studie Aufschlüsse über die Verhaftungspraxis geben und Anregungen für weitere Forschungen liefern. Die Anregung für dieses Projekt ging von dem Neuenhagener Hans-Joachim Strache aus, dessen Großvater 1947 im sowjetischen Speziallager Jamlitz starb. Viele der Verhafteten sind aufgrund haltloser Denunziationen eingesperrt und inhaftiert worden, zuerst in der Gesundbrunnenstraße 9, wo sich der Sitz des sowjetischen Geheimdienstes in Bad Freienwalde befand. Dort begann für so manchen, ob schuldig oder nicht, ein Martyrium, das etliche nicht überlebten. Anhand der Namensnennungen können sich vielleicht ältere Freienwalder Mitbürger noch an diesen oder jenen erinnern, weswegen das Buch sicher auch auf entsprechendes Interesse stoßen wird. Die Walther-Rathenau-Stift gGmbH wird das Buch im Februar im Teehäuschen im Beisein des Autors vorstellen. Auch in Ketschendorf, heute Fürstenwalde-Süd hatte es nach 1945 ein solches Internierungslager gegeben; 4600 der bis zu 18 000 Internierten verloren dort ihr Leben.

Im Zusammenhang mit der Buchveröffentlichung wird in Freienwalde auch die Frage nach einer Gedenktafel am Haus  Gesundbrunnenstraße 9 wieder aktuell, die schon vor Jahren von Zeitzeugen aufgeworfen wurde.

Andreas Weigelt: Vorwurf: Aktiver Nazi, Werwolf oder Agent. Die Verhaftungspraxis sowjetischer Geheimdienste in und um Bad Freienwalde 1945-1955 (Schriftenreihe der Beauftragten des Landes Brandenburg zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur, Band 11). 326 Seiten, Metropol Verlag Berlin 2018, ISBN 978-3-86331-441-5.

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