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Bauausschuss lehnt Beschluss der Stadtverwaltung ab / Drei statt vier Stadtvillen an Wasserstraße vorgeschlagen

Einigung
Garagenabriss vorerst ausgesetzt

Kämpfen um Garagen: Rita Otto, Brigitte Gunja, Brigitte Freund, Elke Niekammer (v. r.) und Christa Mader im April.
Kämpfen um Garagen: Rita Otto, Brigitte Gunja, Brigitte Freund, Elke Niekammer (v. r.) und Christa Mader im April. © Foto: Heike Jänicke
Steffen Göttmann / 16.01.2019, 07:30 Uhr - Aktualisiert 16.01.2019, 11:06
Bad Freienwalde (MOZ) Garagenbesitzer in Bad Freienwalde können vorerst aufatmen. Der Bauausschuss hat am Montagabend die von der Stadtverwaltung vorgelegten Beschlüsse zu den Garagenabrissen abgelehnt. Bis 2028 bleiben die bisherigen Verträge bestehen.

Einstimmig hat der Ausschuss für Bau- und Ordnungsangelegenheiten den Beschluss zur Vorbereitung und zum Abbruch des Garagenkomplexes hinter der alten Post abgelehnt. Die Verwaltung werde beauftragt, den Beschluss zu überarbeiten, erklärte Udo Schonert (SPD), Vorsitzender des Ausschusses. Bis 2028 solle der Beschluss ausgesetzt werden. Im Fall des Garagenkomplexes an der Mühlenfließaue sollen die Abrisspläne bis 2022 ausgesetzt werden. Statt vier Stadtvillen an der Wasserstraße sollten nach Auffassung der Ausschussmitglieder zunächst nur drei gebaut werden, erklärte Schonert. Dann könnten die Garagen vorerst stehen bleiben.

Lediglich mit dem Eigentümer müsste eine Dienstbarkeit vereinbart werden. Denn für vier Garagen sei die Zufahrt nur über das Grundstück möglich, informierte Christian Nörtemann, Fachbereichsleiter Hochbau und Gebäudemanagement bei der Stadtverwaltung.

„Ab 2022 fällt unsere Garage automatisch an die Kommune, die sie dann abreißen und uns dafür die Kosten aufbürden kann“, ärgert sich Brigitte Gunia, die eine Garage an der Mühlenfließaue besitzt. Die rüstige Seniorin braucht ihr Auto vor allem im Sommer, um zu ihrem Garten zu fahren. Im Winter fahre sie nicht Auto, da stehe es in der Garage. Sie findet den Umgang mit den Garagenbesitzern eines Rechtsstaates nicht würdig. „Das ist Enteignung schimpft sie.“

Die Nachricht vergangenen Sommer, dass die Stadt 93 Garagen abreißen will, schlug bei den Besitzern ein wie eine Bombe. Für die meisten älteren Garagennutzer bieten die Gebäude die Sicherheit, dass ihre Autos verschlossen stehen und nicht Wind und Wetter ausgesetzt sind. „Wenn ich meine Garage abgeben muss, dann werde ich auch mein Auto verkaufen“, erklärte Brigitte Gunia nach der Ausschusssitzung, die nach einer halben Stunde vorbei war. Dann könnte sie auch gleich ihren Garten kündigen. Für sie sei das Auto wichtig, um mobil zu bleiben.

Stadtverordnete, darunter Uwe Bahr (Wählergruppe NCC) aus Neuenhagen und Stadtverordnetenvorsteher Jörg Grundmann (Linke), hatten sich mit Garagenbesitzer getroffen, um zwischen ihnen und der Verwaltung zu vermitteln.

Werner Niekammer, der mit seiner Frau ebenfalls zur Sitzung gekommen war, besitzt gleich zwei Garagen im Komplex an der Mühlenfließaue. Diese hat er sich in den neunziger Jahren für 8000 D-Mark gekauft. In einem steht sein Quad, in der anderen sein Opel Omega. Er ist sich sicher, dass sein Wagen bald weg wäre, wenn er länger draußen steht. „Zweimal ist mein Auto aufgebrochen worden“, berichtete Werner Niekammer seine Erfahrungen als Gelegenheits-Laternenparker. Den Dieben gelang es nicht, das Auto zu stehlen, sie hatten aber das Lenkrad gebrochen und daher hohen Sachschaden verursacht. „Ich konnte zeitweise nicht mehr schlafen. Mein Albtraum war, dass eine Planierraupe meine Garage einfach platt macht“, so der Bad Freienwalder.

Mit ihrer Entscheidung wollten die Stadtverordneten den Garagenbesitzern Zeit einräumen, um sich auf den möglichen Abriss vorbereiten zu können. Es gebe auch freie Garagen. An der Sechserbrücke gab es schon Einbrüche, hat Brigitte Gunia gehört.

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