Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Oderbruch-Museum Altranft präsentiert drittes Buch zum Jahresthema / Lob von Landrat Gernot Schmidt

Buchveröffentlichung
20 Landwirte berichten aus Praxis

Schloss Altranft: Das Autorenteam – darunter Lars Fischer (r.) vom Programmbüro – stellte sein Buch zum Jahresthema „Landwírtschaft“ des Oderbruch Museums in Altranft vor. Im Hintergrund sind Fotos zu sehen, die auch im Buch zu finden sind.
Schloss Altranft: Das Autorenteam – darunter Lars Fischer (r.) vom Programmbüro – stellte sein Buch zum Jahresthema „Landwírtschaft“ des Oderbruch Museums in Altranft vor. Im Hintergrund sind Fotos zu sehen, die auch im Buch zu finden sind. © Foto: Michael Anker
Michael Anker / 20.01.2019, 21:00 Uhr - Aktualisiert 21.01.2019, 09:04
Altranft ( ) Zum Jahresthema „Landwirtschaft“ hat das Oderbruch-Museum Altanft ein Buch produziert. Die Autoren stellten es am Freitagabend im Schloss Altranft vor.

Insektensterben, Massentierhaltung, Glyphosat: Kein Thema wird derzeit so heftig diskutiert wie die industrielle Landwirtschaft. Das Oderbruch-Museum Altranft stellte sich im vergangenen Jahr diesem Diskurs und widmete ihm ein Jahresthema. Es war das dritte Jahresthema, nachdem die Themen Handwerk 2016 und Wasser 2017 im Fokus der Untersuchungen standen. Ausstellungen, Filmabende, ein Theaterstück und verschiedene Bildungsprojekte wurden dem, das Oderbruch prägende Thema gewidmet. Als eine Art Chronik der Untersuchungen, könnte das jeweilige Jahresbuch bezeichnet werden. In ihm sind Interviews, erklärende Texte und Fotografien zum entsprechenden Thema enthalten. Jetzt präsentierte das Oderbruch-Museum den dritten Band.

„Ohne die Zeit und die Zuneigung der Landwirte wäre die Arbeit nicht möglich gewesen. Wir haben mit 20 Landwirten über ihre Praxis gesprochen. Daraus ist ein buntes Spektrum entstanden: von der solidarischen Landwirtschaft bis zu landwirtschaftlichen Großbetrieben, vom Ackerbauern bis zum Tierhalter. Auch wenn es uns bei der Menge der Betriebe nicht umfassend gelingen konnte, so haben wir doch einen guten Querschnitt zusammengetragen“, begrüßte Lars Fischer, vom Programmbüro des Museums, die etwa 50 Besucher.

„Sie haben die Bandbreite der Landwirtschaft dargestellt, ohne Ideologisierung, ohne Wertung und ohne bestimmte Betriebsformen zu dämonisieren“, lobte Gernot Schmidt (SPD) die Arbeit des Museumsteams. Einem wichtigen Berufszweig werde Wertschätzung entgegengebracht. „Es ist wichtig herauszustellen, was sie für uns darstellen. Sie erzeugen unsere Lebensgrundlage, mit der wir uns aber auch differenziert auseinandersetzen,“ kommentierte der Landrat von Märkisch-Oderland das Buch.

Kenneth Anders, Lars Fischer, Tina Veihlmann, Almut Undisz und Georg Weichhard, die Autoren des Jahrbuches, lasen aus ihren Interviews mit den Landwirten. So wurden nicht nur die verschiedenen Produktionsformen der Landwirte sichtbar, sondern auch Lebensge­schichten erlebbar. Kurt Mauder aus Herrenwiese erzählte aus seinem Leben und dem schweren Start nach Kriegsende. Von seinem Eintritt in die LPG und wie dort alles heruntergewirtschaftet war. Er baute auf und kam nach und nach in Tritt.

Die Zuhörer erfuhren auch von den Konflikten, die Landwirte heute aushalten müssen, wenn sie sich zwischen Herbiziden wie Glyphosat oder als Alternative traditioneller Unkrautvernichtung entscheiden müssen. Letzteres erfordere viel mechanische Arbeit und einen hohen Personalaufwand. Dargestellt wurde das Nebeneinander von industrieller Landwirtschaft, mit Kredit finanzierten Hightech-Maschinen auf großen Schlägen, und Bauern wie Günter Luckow, der mit einem Pferdegespann seine Flächen beackert.

Der Betreiber eines großen Milchhofes, Antonius van Leeuwen, ließ sich zum Thema Massentierhaltung interviewen, ebenso wie Hans Joachim Schulz, der eine Hühnermast in Neumädewitz betreibt. Beide geben den Verbrauchern eine Mitschuld an den heutigen Haltungsformen der Tiere. Das letzte Interview im Buch führte Lars Fischer mit dem Landesbauernpräsidenten Henrik Wendorff: „Er muss als Bio-Landwirt die Interessen der konventionellen und der Bio-Landwirtschaft vertreten und sprach unter anderem über regionale Wertschöpfung“.

Landwirt Andreas Schmidt-Frielinghaus bedankte sich bei dem Autorenteam, dass die Landwirte gehört wurden: „Heute reden viele über alles, ohne zu wissen, worüber sie reden. Für die Gesellschaft ist es sehr gefährlich. Das Buch ist eine Möglichkeit für Nichtlandwirte, mehr über das Thema zu erfahren.“

Den Texten schließen sich Fotostrecken der Fotografen Stefan Schick und Ulrich Seifert-Stühr an. Erstmalig sind sie in der Art von Bildgeschichten gehalten.

Das Buch hat 324 Seiten und ist in einer Auflage von 750 Stück erschienen. Es ist ab sofort im Buchhandel zu kaufen.

Kommentar: Angekommen im Oderbruch

Dem Oderbruch-Museum Altranft ist mit den Buch ein großer Wurf gelungen. 20 Landwirte kommen zu Wort, deren Biografien so unterschiedlich sind, wie ihre Methoden das Land zu bearbeiten und Nutztiere zu halten.

Damit hat sich das Museum einer Wirtschaftsform angenommen, die das Oderbruch seit der Trockenlegung geprägt hat. Weil Autoren die Bauern sprechen ließen, ohne eine Wertung vorzunehmen, haben sie Vertrauen gewonnen.Das Oderbruch-Museum ist ein Stück weit mehr im Oderbruch angekommen. Denn viele Menschen haben anfangs den Wandel vom Freilicht- zum Oderbruch-Museum nicht verstanden. Wichtig ist, dass dieses gewonnene Vertrauen die Menschen als Gäöste ins Museum lockt. ⇥Steffen Göttmann

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG