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Pendler machen beim Antenne-Stammtisch ihrem Unmut Luft / Direkte Anbindung nach Berlin gefordert

Pendler
Plädoyer für die Wriezener Bahn

Anett Zimmermann / 08.02.2019, 07:30 Uhr - Aktualisiert 08.02.2019, 08:21
Wriezen (MOZ) „Abgehängt im Pendlerland?“ So lautete am Mittwochabend das Thema des Antenne-Stammtischs im gut gefüllten Wriezener Humpensaal. Anderthalb Stunden wurde über Verkehrsanbindungen disktutiert. Dabei ging es auch um die Reaktivierung der Wriezener Bahn.

„Wir sind abgehängt“, brachte am Mittwochabend ein Mann aus Bad Freienwalde beim Antenne-Stammtisch im Wriezener Humpensaal das Gefühl der Pendler nach Berlin auf den Punkt. „Ich bin 20 Jahre lang gependelt“, hatte zuvor bereits eine Frau erzählt und ergänzt: „Anderthalb Stunden Fahrzeit waren für die 50 bis 60 Kilometer das Wenigste, egal, auf welcher Strecke ich unterwegs war.“ Pendler hätten keine Zeit, abends noch auf Veranstaltungen zu gehen, sagte die heutige Ruheständlerin und erklärte zur Wriezener Bahn, dass es doch nicht so schwer sein könne, 34 Kilometer Gleis und eine Brücke über die Ortsumgehung (B 167) oder einen Übergang neu herzustellen.

„Mit dem öffentlichen Personennahverkehr brauchen wir drei Stunden für eine Strecke“, sagte Kornelia Nagel aus Neulietzegöricke. Sie hat fünf Enkel in Berlin und verwies darauf, zu Familienanlässen dann meist gleich eine Übernachtung im Hotel zu buchen oder doch mit dem Auto zu fahren. Aus Mädewitz meldete sich eine Frau zu Wort, die bessere Verbindungen auch nach Wriezen und Bad Freienwalde forderte.

„Bahnstrecken sind das Rüchgrat einer eigenen Entwicklung“. erklärte Landrat Gernot Schmidt (SPD) und nannte als Beispiel den inzwischen erreichten 20-Minuten-Takt der Berliner S-Bahn von und nach Strausberg-Nord. Das habe in der Stadt zu einem deutlichen Einwohnerzuwachs geführt, was sich bei der Nachfrage auf dem Wohnungs- und Immoblienmarkt bemerkbar mache.

Eine Reaktivierung der Wriezener Bahn zumindest bis Werneuchen hielt Marco Büchel, Landtagsabgeordneter der Linken aus Bad Freienwalde, unterdessen nicht für ausgeschlossen. „Das Gleis ist da und nicht entwidmet.“

Wriezens Bürgermeister Karsten Ilm (CDU) sprach von einem hehren Ziel, aber von auch der inzwischen gewachsenen Bereitschaft der Bevölkerung, auf moderne Bahnen umzusteigen. Deshalb werde man bei dem Thema dranbleiben. Für Jutta Werbelow, SPD-Fraktionschefin in Wriezen und Kreistagsabgeordnete, ist die Bahnverbindung über Eberswalde keine Option. Sie wünscht sich, dass Wriezen wieder Knotenpunkt wird – nach Frankfurt, Eberswalde und über Werneuchen direkt nach Berlin.

Eingegangen wurde unter anderem auch auf die positive Entwicklung der Ostbahn und die heute dennoch bestehenden meist technischen Probleme. Die Mitstreiter hätten sich stets qualifiziert Gehör verschafft, stellte Egbert Neumann aus dem Infrastrukturministerium Brandenburg heraus. Für eine Idee müsse man brennen und brauche auch Mitstreiter. Zugleich zeigte er sich zuversichtlich, dass es bei der Ostbahn zum Sommer hin deutliche Verbesserungen geben wird. Golzows Bürgermeister ‎Frank Schütz bezeichnete die Ostbahn als Motor für die Orte, die an der Strecke liegen, und verwies auf die „Seelower Erklärung“ vom Dezember, die den weiteren Ausbau fordert.

Christfried Tschepe, Fachbereichsleiter Stadtentwicklung in Fürstenwalde, überraschte die Einheimischen nicht nur mit dem Wissen, dass 20.03 Uhr der letzte Zug von Wriezen nach Frankfurt fährt, sondern auch mit seinem Plädoyer für die direkte Anbindung nach Berlin.

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