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Geocaching
Triumphgefühl statt Finderlohn

Recht schmucklos: Versteckt in einem Baumstumpf ist die Geocaching-Box am „Itritz“ zu finden.
Recht schmucklos: Versteckt in einem Baumstumpf ist die Geocaching-Box am „Itritz“ zu finden. © Foto: Conradin Walenciak
Conradin Walenciak / 12.02.2019, 08:00 Uhr
Wriezen (MOZ) Im Mai besichtigen die Mitglieder des GOSULT – dem Ausschuss für Gewerbe, Ordnung, Sicherheit, Umwelt, Landwirtschaft und Tourismus – den Wriezener Stadtwald. Ihr Ziel: die Stelle zwischen Wriezen und Altgaul, wo einst das beliebte Ausflugslokal „Itritz“ stand.

Bevor die Ausschussmitglieder diesen Ort gemeinsam mit dem Förster besuchen, sah sich die Märkische Oderzeitung an dieser Stelle schon einmal etwas genauer um. Denn allen Abenteuerlustigen bietet sich hier noch eine weitere Herausforderung: ein Geocache-Punkt.

Geocaching ist eine Art moderne Schnitzeljagd, die quasi auf der ganzen Welt stattfindet. Mittels im Internet veröffentlichten Koordinaten können die dort zuvor von anderen Mitspielern versteckten Geocache-Boxen gefunden werden. In einer solchen befinden sich in der Regel ein Logbuch, in dem der Finder seinen Fund dokumentieren kann, und andere Gegenstände, die getauscht werden können. Wer also einen Gegenstand aus der Box mitnimmt, muss auch einen zurücklassen. Anschließend wird die Dose wieder an ihren Fundort zurückgestellt – und eben eine solche Geocache-Box liegt beim „Itritz“.

Darauf aufmerksam geworden durch eine Wegbeschreibung im Internet bin ich nun also auch in die Welt der Geocacher eingetaucht. Bewaffnet mit meinem Handy – zwecks GPS-Signal für die Koordinaten – machte ich mich also auf den Weg. Bevor ich aber mit dem Suchen der Box beginnen konnte, musste ich erst einmal ihren Standort erreichen.

Ich bin ein Berliner Großstadt-Kind durch und durch: Meine Nachbarn kenne ich nur vom Klingelschild, ein Wildtier in freier Natur zu sehen ist immer ein Ereignis und eine Fünf-Minuten-Taktung beim ÖPNV halte ich für selbstverständlich. Ein Spaziergang durch den Wriezener Stadtwald war also schon etwas Besonderes für mich.

Mein Weg begann auf dem Parkplatz vor dem Waldbad. Hier startete ich auf dem Tannensteg meinen Weg Richtung „Itritz“. Der Tannensteg ist ein Lehrpfad, auf dem rund 30 Bäume und 20 Sträucher per Hinweisschild namentlich gekennzeichnet sind. Recht unspektakulär, wenn ich ehrlich bin, zumal die nebenan verlaufene Bundesstraße ein wenig die Idylle trübt. Was ich so aus Berlin aber nicht kenne: Ich war vollkommen allein. Während meines gesamten Ausflugs traf ich keine einzige Menschenseele.

Irgendwann erreichte ich dann mein Ziel. Inzwischen erinnert nicht mehr wirklich viel an das ehemalige Ausflugslokal, lediglich ein paar Überreste des Kellers des „Itritz“ können entdeckt werden. Bis 1968 traf man sich hier, ehe die Örtlichkeit nach dem Tod des letzten Wirts verfiel und schließlich abgerissen wurde. Heute steht eine relativ schmucklose aber immerhin überdachte Sitzgruppe an dieser Stelle. Das GPS-Signal auf meinem Handy zeigte mir dann allerdings an, das ich mich für das Auffinden der Geocache-Box ins Unterholz durchschlagen musste – für mich definitiv ein Abenteuer.

Einigermaßen anstrengend wurde es dann aber, als das GPS-Signal immer mal wieder seine Richtung änderte – der Empfang im Wald ist eben nicht der Beste. Aufgeben kam aber nicht in Frage, schließlich wollte ich nicht gleich bei meiner ersten Geocache-Suche scheitern. So kam es, wie es kommen musste: Irgendwann stolperte ich schon fast über einen alten Baumstumpf, aus dem mich eine blaue Plastikbox anfunkelte – sofort machte sich ein gewisses Triumphgefühl breit. Die Geocache-Leidenschaft kann ich deshalb durchaus nachvollziehen.

In der Box fanden sich zwar keine Gegenstände zum Tauschen, lediglich das Logbuch lag darin. In diesem bin ich nun auch verewigt, es wird bestimmt auch nicht das letzte bleiben, in das ich mich eintrage. Insofern: DfdC. Das ist Geocacher-Jargon. Für alle Unwissenden übersetzt: Danke für den Cache.

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