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Senioren
Tagespflege nimmt nur Freiwillige auf

In der „Seniorenoase“: Ilka Busch (l.) mit Mitarbeiterinnen und Gästen der DRK-Tagespflege in der Bahnhofstraße in Bad Freienwalde. Dort werden von Montag bis Freitag zurzeit insgesamt 24 Frauen und Männer aus der Region im Alter bis zu 93 Jahren betreut.
In der „Seniorenoase“: Ilka Busch (l.) mit Mitarbeiterinnen und Gästen der DRK-Tagespflege in der Bahnhofstraße in Bad Freienwalde. Dort werden von Montag bis Freitag zurzeit insgesamt 24 Frauen und Männer aus der Region im Alter bis zu 93 Jahren betreut. © Foto: Anett Zimmermann
Anett Zimmermann / 12.02.2019, 09:00 Uhr
Bad Freienwalde (MOZ) Die DRK-Tagespflege „Seniorenoase“ in Bad Freienwalde gibt es seit fünf Jahren. Obwohl es weitere solcher Angebote in der Kurstadt gibt, kann die Nachfrage nicht gedeckt werden.

Auf dem großen Tisch im Gemeinschaftsraum der DRK-Tagespflege „Seniorenoase“ stehen an diesem Vormittag neben Trinkbechern auch wieder solche mit Stiften und Pinseln. Aus Papierrollen werden an diesem Tag Schneemänner aus Papierrollen gebastelt, nach dem Mittagessen vielleicht auch noch Eisprinzessinnen. „Hier muss niemand Mittagsschlaf halten“, sagt Leiterin Ilka Busch und weiß doch, dass die meisten Gäste später die Verschnaufpause in den bequemen Sesseln dankbar annehmen werden.

„Unsere zwölf Plätze sind voll ausgelastet“, berichtet die Pflegedienstleiterin. Insgesamt 24 Menschen könnten zurzeit betreut werden. „Es kommt ja nicht jeder jeden Tag“, erläutert sie und weiß, dass der Bedarf viel größer ist. Das Einzugsgebiet der DRK-Tagespflege reicht bis nach Oderberg, Hohensaaten, Hohenwutzen, Altreetz, Falkenberg und Kruge.

Grundprinzip für die Aufnahme sei die Freiwilligkeit. „Bei Demenzkranken ist das mitunter aber schwierig“, weiß Ilka Busch. Erst recht, wenn dazu noch eine „Weglauftendenz“ kommt. Aber bisher habe das rote Stopp-Schild am Ausgang immer gut funktioniert. „Die Tagespflege bedeutet eine enorme Entlastung für unsere Gäste, aber auch deren Angehörige“, sagt die 48-Jährige. Deshalb sei der Kontakt wichtig, gegebenenfalls auch nur telefonisch. „Das ist keine Einbahnstraße. Es hilft uns zum Beispiel, wenn die Tochter Bescheid gibt, dass die Mutter am Morgen schlecht aus dem Bett gekommen ist. Dann schauen wir genauer hin.“ Stimmungsschwankungen seien auch keine Seltenheit. „Aber ich lache gern und viel“, verrät Ilka Busch und freut sich, damit schon so manche „Miesmuschel“ wieder aufgemuntert zu haben.

Beate Dewitz, eine der Mitarbeiterinnen, unterbricht das Gespräch. Eine Frau wird künftig nicht mehr kommen, sondern in einem Heim betreut, informiert sie. Beide halten kurz inne. Häufig wurden sie auch schon mit einer Todesnachricht konfrontiert. „Das gehört in unserem Beruf“, sagt Ilka Busch. „Aber wir arbeiten mit Herz. Hier wird nicht nur gebastelt. Einige unserer Gäste haben keine Familie mehr. Wir essen gemeinsam und wir weinen gemeinsam.“ Betreut werden in der „Seniorenoase“ deutlich mehr Frauen als Männer. Der Grund liege auf der Hand: „Das ist die Kriegsgeneration. Viele Männer kehrten nicht mehr heim.“ Allerdings, so Ilka Bach, würden die wenigsten über ihre Erfahrungen nicht oder nur in abgeschwächter Form reden. Körperliche Berührungen seien da mitunter ebenfalls ein Problem.

Traurig stimmt Ilka Busch zudem der Umgang mit dem Thema Demenz. „Bei Großeltern wird die Krankheit eher akzeptiert, aber seltener, wenn es die eigenen Eltern trifft.“ Dabei könnten die Betroffenen oft noch viel zurückgeben, auch emotional. „Das prägt selbst uns“, so die Leiterin der „Seniorenoase.“

Neben den vier festen Stellen gibt es eine für einen Bundesfreiwilligen, die gerade frei sei. Unterstützt werde das Team zudem durch zwei Oberschülerinnen. „Sie machen alles mit. Eine orientiert sich sogar beruflich in diese Richtung“, so Ilka Busch.

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