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Der Grund für das Feuer im Rotorhaus eines Windrades bei Heckelberg ist weiter unklar. Eigentümerin RheinEnergie AG arbeitet den Vorfall auf.

Windradbrand
Spurensuche in luftiger Höhe

Steffen Göttmann / 24.04.2019, 07:00 Uhr - Aktualisiert 24.04.2019, 11:22
Heckelberg (MOZ) Warum in der Nacht zum Karfreitag ein Windrad nahe der B168 zwischen Heckelberg und Trampe in Brand geraten ist, konnte bisher nicht geklärt werden. "Das würde ich auch gerne erfahren, wir sind aber dabei, es aufzuarbeiten", sagte Jan Stertkamp, der bei der Kölner RheinEnergie AG für den Betrieb von Windkraftanlagen innerhalb der Abteilung Erneuerbare Energien verantwortlich ist. Insgesamt 18 Anlagen betreibt das Unternehmen auf den Gemarkungen von Heckelberg und Trampe. Das Unglück passierte auf einem der zehn Windräder bei Trampe.

Löschen konnten die Feuerwehren des Amtes Falkenberg-Höhe und der Gemeinde Breydin die weithin sichtbaren Flammen nicht. Die Ausrüstung reicht nicht aus, um Brände in dieser Höhe bekämpfen zu können. Das Maschinenhaus befindet sich in luftigen 100 Meter Höhe. "Wir haben einen Sperrkreis von weit mehr als 500 Meter gezogen", sagte Robert Müller, Einsatzleiter und stellvertretender Amtswehrführer. Damit sollte sicher gestellt werden, dass niemand durch herabfallende Teile verletzt wird. Die Feuerwehr kann Windräder nur kontrolliert abbrennen lassen.

Für Jan Stertkamp ist es der erste Brand eines Windrades. Zwar habe er davon gelesen, aber war bisher nie direkt damit konfrontiert. Eine Erklärung habe er nicht, denn sämtliche Windräder des Energie-Unternehmens würden zweimal pro Jahr gewartet. Hinzu komme, dass die Rotoren alle zwei Jahre überprüft werden. Auch alle Anlagen wie Fundament, Turm, Aufzüge, falls vorhanden, Feuerlöscher und andere Anlagen werden von internen und unabhängigen Gutachtern überprüft und gewartet. Der unabhängige Prüfer habe eine Checkliste, die abgearbeitet werden müsse, erklärte Stertkamp. Es gebe keinen TÜV, aber vergleichbare Überprüfungen. Der TÜV bemüht sich derzeit, dass seine Prüfungen bei Windrädern Pflicht werden. Die Branche reagiere ungehalten, weil sie nicht der  Arbeitsbeschaffung des TÜVs dienen wolle, so Stertkamp, der sich gegen das Vorurteil wehrt, wonach Windräder kaum gewartet werden. Die betreffende Anlage stammt von 2005. Die RheinEnergie AG, die zu 80 Prozent der Stadt Köln gehörte, kaufte den gesamten Windpark 2009/10. Ziel des Unternehmens sei es, einen  Energiemix zu halten.

Das abgebrannte Windrad stammte aus der Produktion der Firma REpower, die bis vor zwei Jahren in Trampe arbeitete.  Neben den regelmäßigen Prüfungen gebe es ferner einen Vertrag mit einem Betriebsführer, der eine  "24/7 Bereitschaft" vorhalten müsse, also 24 Stunden an sieben Tagen in der Woche. "Mit ihm werden wir uns unterhalten müssen", sagte Jan Stertkamp. Denn Einsatzleiter Robert Müller hatte am Karfreitag kritisiert, dass von der Betreiberfirma niemand zu erreichen gewesen wäre. Erst um 5 Uhr in der Frühe  habe er jemanden ans Telefon bekommen. Der Servicedienstleister Deutsche Windtechnik habe sicher gestellt, dass die Anlage nicht mehr am Netz war, fügte Stertkamp hinzu. Seine Vermutung, die Ursache könnte auch Vandalismus sein, bestätigte sich nach Angaben von Bärbel Cotte-Weiß nicht. Die Tür sei verschlossen gewesen und musste erst durch einen Techniker geöffnet werden, erklärte die Sprecherin der Polizeidirektion Ost in Frankfurt (Oder) auf Anfrage.

Peter Schmidt, Bürgermeister der Gemeinde Breydin, ist auf die Betreiber der Windkraftanlagen nicht gut zu sprechen. Als die Windräder gebaut wurden, mussten die Investoren einen bedeutenden Betrag für die Renaturierung von Flächen entrichten. Vertraglich sei festgelegt worden, dass die Gemeinde die Flächen pflegt und  dafür Geld bekommt. "Irgendwann ist das Geld nicht mehr geflossen", so Schmidt. Deshalb konnte die Gemeinde die Flächen nicht mehr pflegen, sodass sie zugewachsen sind. Die Zahl der Windräder wächst. Von Trampe in Richtung Tuchen-Klobbicke kommen drei bis vier Anlagen hinzu, so Schmidt.

Hans-Jürgen Klemm von der Wandlitzer Bürgerinitiative "Hände weg vom Liepnitzwald" bekräftigte nach dem Brand der Windkraftanlage seine Forderungen nach einem Moratorium im Land Brandenburg, einem sofortigen Ausbaustopp. "Nicht auszudenken, was passieren kann, wenn Windräder im Wald stehen", so Jessica Möwisch von der Bürgerinitiative gegen sieben geplante Windräder im Wald bei Brunow.

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