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Über Theodor Fontane sowie seine Beziehung zur evangelischen Kirche und zur Religion hat Grete Röder ihre Dissertation verfasst. Ihre Arbeit stellte sie am Sonnabend in der Nikolaikirche vor.

Fontane
Dichter zitiert Bibel an 500 Textstellen

Kraxelt nach oben: Der Schauspieler Hank Teufer in der Rolle des Theodor Fontane auf dem Weg von Falkenberg nach Bad Freienwalde. Es ist das aktuelle Foto des Fontane-Kalenders der Bad Freienwalde Tourismus GmbH.
Kraxelt nach oben: Der Schauspieler Hank Teufer in der Rolle des Theodor Fontane auf dem Weg von Falkenberg nach Bad Freienwalde. Es ist das aktuelle Foto des Fontane-Kalenders der Bad Freienwalde Tourismus GmbH. © Foto: MIchael Anker
Steffen Göttmann / 10.06.2019, 22:04 Uhr
Bad Freienwalde (MOZ) Hübsches Wort für einen hübschen Ort" ­– Bad Freienwalde kannte Grete Röder bisher nur aus der Literatur. Der Dichterfürst fuhr  mindestens einmal im Jahr in die Kleinstadt an der Oder, wenn er in Schiffmühle seinen Vater besuchte. Als Wanderer durch die Mark Brandenburg hat er Freienwalde und die Umgebung gut beschrieben. Weniger bekannt ist seine Beziehung zur Religion.

Darüber hat Grete Röder aus Bielefeld vor drei Jahren ihre Dissertation verfasst. Auf Einladung des Freundeskreises Schloss Freienwalde kam die Literaturwissenschaftlerin am Sonnabend erstmals in die Kurstadt. Passend zum Thema suchte sich Marie-Theres Suermann in der Evangelischen Kirchengemeinde Oberbarnim-Nikolai einen Partner. Diese stellte für den Vortrag die Nikolaikirche zur Verfügung, weshalb Gastgeber Pfarrer Björn Ferch die wenigen Gäste begrüßte.

Fontanes Bezug zur Religion spiele bei den vielen Veranstaltungen in Bad Freienwalde und auch anderswo im Land nicht so eine große Rolle. "Da geht es eher um Biografisches", sagte der Pfarrer. Deshalb sei er gespannt auf den Vortrag.

Protestantismus als Leitkultur

Der Protestantismus prägte als Leitkultur das Preußen des 19. Jahrhunderts, leitete Margret Kampmeyer vom Freundeskreis die Veranstaltung ein, die mit einem kleinen Empfang im Foyer des Teehäuschens im Schlosspark endete. Dennis Ferch hatte dafür extra drei Kuchen gebacken. Fontane habe nicht nur die Stadt und die Umgebung, sondern auch die Nikolaikirche beschrieben. Daher lag es nahe, den Vortrag dorthin zu verlegen. Fontane sei bibelfest gewesen, erklärte Grete Röder. Er verarbeitete biblisches Material in seinen Romanen. Darin kommen Figuren wie Pastoren, evangelische Klostervorsteher und Mitglieder der Herrnhuter Gemeinde vor "An 500 Stellen finden wir in seinen Werken Zitate aus der Bibel", so Grete Röder. Er habe außerdem Gebete und Kirchenlieder verarbeitet. Dennoch lasse sich nicht belegen, dass er ein gläubiger Mensch gewesen sei. Dies ließen die Texte nicht zu. Denn das "biblische Material"  sei in die Romane eingeflossen, aber stets "sprachlich überbaut" oder "poetisch verklärt" worden. Schuld sei in seinen Romanen eine Reflexion der Schuld vor Gott. Von der Konfession her sei Theodor Fontane der reformierten evangelischen Kirche zuzurechnen. "Denn die Familien beider Elternteile waren Ende des 17. Jahrhunderts als Glaubensflüchtlinge aus Frankreich eingewandert", so die Referentin. Die Familie Fontane habe die christlichen Feste wie Weihnachten und Taufe begangen, aber ein sonntäglicher Kirchgänger sei der Dichterfürst nie gewesen. Als er kurz nach dem deutsch-französischen Krieg 1870/71 nach Frankreich gereist sei, um einen Kriegsroman zu schreiben, sei er als Spion von Freischärlern gefangen genommen worden. Er sollte vor ein Tribunal gestellt und hingerichtet werden. In der Nacht vor dem drohenden Tod habe er diesen als gottgegeben angesehen und sei eingeschlafen. Als er aufwachte, schrieb er mit wachem Verstand einen Verteidigungstext geschrieben, der ihn gerettet habe.

In der letzten Lebensphase habe er sich von der Kirche distanziert, zudem sei er durch "antisemitische Ausfälle" aufgefallen. Er hatte neben seinem Manuskript stets ein Glas Wein stehen und sich in Rage geschrieben, so die Referentin, die zwei Romane für ihre Analyse ausgewertet hat.

Studium im Ruhestand

Grete Röder war Gymnasiallehrerin für evangelische Religion und Deutsch, hatte Theologie und Germanistik studiert. Nach ihrer Pensionierung studierte sie Literaturwissenschaft und Linguistik an der Universität Bielefeld. 2016 erfolgten Promotion und mündliche Prüfung. Ihre Dissertation veröffentlichte sie 2017 unter dem Titel "Protestantismus und Realismus bei Theodor Fontane". Einen kleinen Eindruck von Bad Freienwalde verschaffte sich Grete Röder beim Spaziergang von der Kirche zum Teehäuschen.

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