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Sandy Decker absolviert in der Straßenmeisterei Bad Freienwalde ihre Ausbildung und fühlt sich rundum akzeptiert.

Männerberuf
Ab und zu mal komische Blicke

Frau im Männerberuf: Sandy Decker ist im zweiten Lehrjahr in der Straßenmeisterei Bad Freienwalde.
Frau im Männerberuf: Sandy Decker ist im zweiten Lehrjahr in der Straßenmeisterei Bad Freienwalde. © Foto: privat
Ylva Heyer / 12.06.2019, 06:00 Uhr - Aktualisiert 13.06.2019, 07:48
Bad Freienwalde ( ) Nach vier Wochen Praktikum in Österreich wieder zurück in Deutschland: Sandy Decker ist Auszubildende zur Straßenmeisterin in Bad Freienwalde. Eine spannende Zeit in Eggenburg liegt hinter ihr, wie die 18-Jährige berichtet. Sie habe sich sehr gefreut, als ihr Chef, Frank Hundrieser, ihr das Praktikum im Ausland anbot. Nach zwei Wochen und viel Schriftkram war es dann offiziell.

Bei ihrem Praktikum in Niederösterreich hat sie neue Einblicke in den Job gewonnen und konnte sich sogar neuen Aufgaben stellen: Dazu gehörten Asphaltieren, Fräsarbeiten, Fahrbahnmarkierung und Streckenwacht. "Dabei haben wir die Straßen auf Schäden, Unfälle und Behinderungen durch Bäume kontrolliert. Außerdem achteten wir auf die Ordnung der Gehwege, dazu gehörte auch das Verlegen von Natursteinpflaster als Randbegrenzung. Und wir haben Lichtwellenkabel verlegt, das sind die Kabel für schnelles Internet. Das hat mir am meisten Spaß gemacht", erzählt die Auszubildende begeistert. Die Gebirge seien das kleinere Problem gewesen, sagt sie. "Das größere Problem war echt der Dialekt! Auch, wenn sich die meisten bemüht haben, langsam und deutlich für mich zu sprechen, hatte ich mich erst nach einer Woche so richtig reingefuchst", gesteht die 18-Jährige lachend.

Mäheinsatz am Straßenrand

In ihrem künftigen Beruf wird sie vielfach mit Mäh­arbeiten beschäftigt sein. Dazu zählen auch Kontrollfahrten. "Wir schauen, dass keine größeren Äste über die Fahrbahnen hängen und wenn es so ist, vermerken wir dies fürs Protokoll und melden den Vorfall direkt, sodass die Äste dann so schnell wie möglich entfernt werden können. Außerdem fällen wir auch Bäume, wenn es nötig ist.", berichtet die angehende Straßenmeisterin. "Im Winter sind wir öfter zu sehen, denn da sind wir für die Räum- und Streuarbeiten unterwegs. Wir müssen dann immer besonders früh aufstehen, damit zum Berufsverkehr alle Straßen gut befahrbar sind." Ebenso dazu gehören das Markieren der Fahrbahnen, das Aufstellen von Verkehrszeichen sowie die Gefahren- und Baustellenabsicherung.

Auf die Frage, wie sie auf diese männerdominierte Branche gekommen sei, sagt Sandy Decker: "Ich habe nach der zehnten Klasse zwei Praktika gemacht. Zuerst, weil es mich sehr interessiert hat und dann, weil es mir viel Spaß gemacht hat."  Auch die Ausbildung gefällt ihr nun sehr. "Die Kollegen sind alle sehr nett und es herrscht ein entspanntes Arbeitsklima." Und sie sagt, es gebe fast keine Vorurteile. Zwar werde ihr Beruf von vielen als "Männerjob" wahrgenommen, und komische Blicke gab es schon. "Im Großen und Ganzen aber nicht. Auch unter uns Kollegen werde ich total gut angenommen. Ich gehöre dazu wie jeder andere."

70 Prozent in Orange

Die Tagesroutine ist gut durchstrukturiert, auch wenn die Aufgaben immer unterschiedlich sind. Morgens treffen sich alle zum täglichen Einteilen der Aufträge, wobei auch auf die Kraft geachtet wird, was bedeutet, dass für Sandy Decker eben nicht die schwierigsten Bereiche aufgegeben werden. "Das ist nur fair, finde ich und es hilft mir auch sehr. Teilweise könnte ich die schwersten Sachen gar nicht schaffen.", so Decker. Laut Sicherheitsvorschrift müssen mindestens 70 Prozent des Körpers mit orangener Warnkleidung bedeckt sein, antwortet sie auf die Frage, wie Schutzkleidung und Hitze miteinander vereinbart werden. Für die Straßenmeister bedeutet das: Keine Shorts, dicke Arbeitsschuhe, höchstens ein T-Shirt und wenn, dann mit orangefarbener Warnweste. Dazu der Tipp von Sandy Decker: "Man muss einfach darauf achten, genug zu trinken. Der Vorteil ist, dass es einem im Winter nicht so schnell kalt wird!". Sie möchte diesen Beruf nach einer Vertiefung durch ein Studium sehr gerne ausüben. Dazu wird sie eventuell den Landkreis verlassen. "Ich sehe, wie viele Kollegen ich hier habe und wie Betriebe teilweise mehr Arbeit mit weniger Personal stemmen müssen. Ich würde dann in ein Gebiet ziehen, wo sehr dringend Arbeitskräfte dieser Branche gebraucht werden", erklärt Sandy Decker.

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