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An der Altlandsberger Stadtschule wird fachkundige Begleitung der Lehramts-Anwärter groß geschrieben.

Lehrer-Ausbildung
Unterricht mit Knalleffekt

Spektakulär: Anregungen für Quer- und Seiteneinsteiger zu praxisnah-fesselndem Unterricht gab Hans-Werner Michalski (3. v. r.)  dieser Tage an der Altlandsberger Stadtschule. Er will das Feuer der Begeisterung für Chemie auch in anderen entfachen.
Spektakulär: Anregungen für Quer- und Seiteneinsteiger zu praxisnah-fesselndem Unterricht gab Hans-Werner Michalski (3. v. r.)  dieser Tage an der Altlandsberger Stadtschule. Er will das Feuer der Begeisterung für Chemie auch in anderen entfachen. © Foto: Thomas Berger
Thomas Berger / 13.06.2019, 10:00 Uhr
Altlandsberg (Freier Autor) Heidelind Uhlig, Rektorin der Stadtschule Altlandsberg, gerät immer wieder ins Schwärmen, wenn sie über die besonderen Talente ihres lang gedien­ten Kollegiumsmitglieds erzählt: "Wenn Herr Michalski zugange ist, dann stinkt es, knallt es, schweben Feuerblasen durch den Raum. Die Schüler sind fasziniert, und auch zu Projektwochen oder anderen Gelegenheiten ist der Raum bei ihm immer wieder voll." Es ist ein Schatz an persönlicher Lehrbegeisterung und jahrzehntelanger Unterrichtserfahrung, den sie da im Hause hat und noch maximal nutzen will. Hans-Werner Michalski steht kurz vor der verdienten Rente, ist seit 1983 im Beruf und seit 1991 an der Stadtschule Altlandsberg, wo er Chemie und Mathe unterrichtet. Mit einer Hingabe wie am ersten Tag.

Am Fachseminar nur Theorie

Kurz vor dem Start in die Sommerferien hatte er an einem Vormittag nun besonderes Publikum. Nicht die Schüler saßen da in den ersten Bankreihen, sondern Neu-Kollegin Susann Oworek sowie fünf weitere Seiten- und Quereinsteiger, die an anderen Schulen der Region im Einsatz sind. Alle erhalten normalerweise ihr Rüstzeug am Fachseminar in Bernau. Dort können allerdings nur die theoretischen Inhalte vermittelt werden, fehlt die entsprechende Ausrüstung für Experimente. Dabei ist es gerade der Moment, wenn es brodelt, zischt oder knallt, der Schüler für die Geheimnisse der Chemie zu entflammen vermag und dazu ermuntert, sich auch noch mal mit den grundlegenden Formeln und näheren Erklärungen zu Umwandlungsprozessen auseinander zu setzen.

"Unsere Zehntklässler haben gerade Prüfung, die Neuntklässler sind im Betriebspraktikum, die 7. Klassen auf Klassenfahrt", erklärt Heidelind Uhlig die günstigen Umstände, die es ihr ermöglichen, für Hans-Werner Michalski und Kollegin Gunda Zabel im Einsatzplan diesen Vormittag freizuschaufeln. Der gehört nun ganz den versammelten Seiten- und Quereinsteigern, die einen praktischen Einblick erhalten, wie sich Unterricht tatsächlich mit Experimenten fesselnd gestalten lässt.

"Die Knallgasprobe mit Wasserstoff in der fliegenden Dose" hat Mark Odischläger am meisten imponiert, der von Haus aus Biologe ist und seit einiger Zeit an einer Schule in Oranienburg unterrichtet. Die schwebenden Seifenblasen mit Kohlendioxid hatten es Anja Löffler besonders angetan. Die neben ihm sitzende junge Frau, Biochemikerin, ist an der Oberbarnimschule Eberswalde im Einsatz. "Ich fand auch das Anzünden der Seifenblasen cool", sagt nicht minder begeistert Anne Karradt, ebenfalls Biologin und nun an der Erna-und-Kurt-Kretschmann-Oberschule Bad Freienwalde tätig.

Sie alle sowie Benjamin Lachmann, Doktorand in Physikalischer Chemie und an der Mores-Oberschule Erkner, sowie die an der Strausberger Anne-Frank-Oberschule unterrichtende Molekularbiologin Katharina Miscke sind dabei, begleitend zum Alltagsgeschehen, in dem sie bereits Stunden vorbereiten und durchführen müssen, noch ihre amtliche Lehrbefähigung zu erwerben. Den Lehramts-Anwärtern wird dabei so einiges abverlangt. Allein die schriftlichen Ausarbeitungen zur Planung einer einzelnen Unterrichtsstunde können gut und gern ihre 15 bis 20 Seiten umfassen, müssen doch Lerninhalte, angewandte Methoden und vieles mehr an Aspekten für die Fachaufsicht dokumentiert werden.

"Zeitmanagement" ist denn auch das, was von den in Altlandsberg an diesem Vormittag versammelten Berufswechslern auf die Frage nach den größten Herausforderungen in den vergangenen Monaten am meisten genannt wird. Einen Unterschied gibt es dabei noch zwischen Seiten- und Quereinsteigern. Die einen haben mit zwölf Wochenstunden immerhin noch ein überschaubares Unterrichtspensum, die anderen, zu denen aus dieser Runde allein Anne Karradt gehört, sogar eine Vollzeitstelle mit bis zu 25 Stunden wöchentlich. Katharina Miscke ergänzt aus persönlicher Sicht noch, dass sie aber auch die Hospitationen als sehr fordernd empfindet.

Heidelind Uhlig hat großen Respekt vor allen, die sich auf diese Weise in anderthalb bis zwei Jahren sozusagen nebenher zur normalen Arbeitsbelastung noch das fachlich-pädagogische Rüstzeug erarbeiten, das sonst Inhalt von sechs Jahren Studium ist. Gerade deshalb liegt ihr am Herzen, die Seiten- und Quereinsteiger mit diesen Anforderungen nicht allein zu lassen, sondern sie möglichst gut zu begleiten.

Erfahrene Kollegen als Hilfe

Gerade hat sie die Anmeldung einer künftigen Kollegin für die Fächerkombination Musik und Englisch vorliegen. "Die bekommt natürlich bei uns eine Lehrkraft in jedem der Fächer zur Seite gestellt", erklärt sie. Eine Art Mentoringsystem, um doch noch mal einen prüfenden Blick auf Unterrichtsvorbereitungen werfen zu können. Manchmal genügten ja wenige helfende Hinweise zu Umstellungen im Detail, um den drohenden Misserfolg einer Stunde abwenden zu können.

Denn noch eines steht für die Altlandsberger Schulleiterin fest: Die zusätzlichen Kräfte, gerade in den sogenannten MINT-Fächern, werden bei ihr und anderswo dringend gebraucht. Um zu verhindern, dass der eine oder die andere vorfristig das Handtuch wirft, wie teilweise verstärkt in Berlin zu beobachten ist, sei kollegiale Unterstützung vonnöten. Gerade damit nachher Susann Oworek, wenn Hans-Werner Michalski in den Ruhestand geht, fortan genauso Schüler mit Knalleffekt für das Fach Chemie zu begeistern vermag.

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