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Ein gutes Jahr für die Störche in der Region: 51 Jungtiere wurden gezählt.

Storchenjahr
Fremder Nachwuchs im Nest

Drei statt zwei: die Jungstörche in Beauregard. Einer hat sich Anfang August dazu gesellt.
Drei statt zwei: die Jungstörche in Beauregard. Einer hat sich Anfang August dazu gesellt. © Foto: Anett Zimmermann
Anett Zimmermann / 14.08.2019, 06:45 Uhr
Bad Freienwalde/Beauregard (MOZ) Plötzlich hatten wir drei Jungstörche auf dem Nest", erzählt Jürgen Köhler aus dem Wriezener Ortsteil Beauregard. Am Sonnabend vor zehn Tagen habe er den Neuling entdeckt. "Wahrscheinlich ist er etwas älter als unsere beiden", schätzt er, denn der Vogel sei kräftiger als seine Artgenossen. Die Alttiere hätten das Ganze offenbar erst gar nicht mitgekommen. "Einer wollte ins Nest und flog gleich wieder auf", berichtet Köhler und und fügt hinzu: "Wahrscheinlich war es ihm zu eng." Der eine Elternteil ziehe es ohnehin vor, auf dem T-Mast in Sichtweite zu ruhen.

Fütterung übernommen

Am Mittwoch vor einer Woche hat Jürgen Köhler dann beobachtet, dass das dritte Jungtier von den Alten angenommen worden ist. "Gegen 21.40 Uhr wurden alle drei gefüttert", hat sich der Beauregarder notiert. Und in diesen Tagen auch bei Rainer Friedrich angerufen, der ehrenamtlicher Storchenbeauftragter ist und als Regionalkoordinator den ehemaligen Bezirk Frankfurt (Oder) und die Uckermark betreut.

Dass Störche fremden Nachwuchs annehmen, sei ungewöhnlich, so der Experte, aber nicht ausgeschlossen. Er vermutet, dass das flügge Jungtier in Feld und Wiesen unterwegs war und sich anderen angeschlossen hat. "Einfach aufs falsche Nest geflogen", meint Rainer Friedrich und verweist darauf, dass Störche keinen ausgeprägten Geruchssinn haben.

"Wahrscheinlich werden sie sich wundern, wenn einer mehr gefüttert werden will, aber sie tun es dann einfach." Alltäglich sei dies zwar nicht, aber das würden sich auch Naturschützer zunutze machen, wenn Elterntiere zum Beispiel verunglückt sind und Jungtiere aus Nestern geborgen werden. "Sie in andere zu setzen, funktioniert ganz gut." Mit Familienanschluss sei letztlich auch die Überlebensrate höher, da die Jungvögel von einander lernen. Zurzeit seien Junggesellentrupps bereits auf Wiesen und Äckern zu beobachten: "Zum Wochenende hin werden sie wohl Richtung Süden aufbrechen." Sie würden die zurzeit schöne Wetterlage für ihre Flugversuche nutzen. "Man sieht sie ja kreisen, manchmal auch schraubenartig fliegen. Bis zu ihrem endgültigen Abflug kehren sie abends meist zu ihrem Heimatnest zurück."

Die Köhlers in Beauregard sind unterdessen froh, dass es – abgesehen vom neuen Gast – diesmal zwei Jungtiere auf ihrem Nest gab. Im Vorjahr war der Nachwuchs ausgeblieben. "Das sind bestimmt ein Junge und ein Mädchen", meint er und begründet dies damit, dass einer der Jungvögel etwas schlanker ist. Und er stellt sich schon die Frage: "Wo fehlt unser dritter Zögling jetzt?"

Fachmann bittet um Hinweis

Auch Rainer Friedrich würde gern etwas wissen: Ob einer der Altvögel in der Freienwalder Ringstraße wie in den beiden Vorjahren beringt war. "Normalerweise sind sie standorttreu." Für das Storchenjahr 2019 hat er nur eine Viererbrut im Altkreis Bad Freienwalde notiert. Sonst seien es wesentlich mehr. Mit insgesamt 51 Jungstörche weist die Statistik elf mehr als im Vorjahr aus. Um den Bestand zu erhalten, seien zwei überlebende Jungvögel pro Brutpaar nötig, hatte er im Juli bei einem Vortrag im Storchenmuseum in Altgaul erklärt.

Das Storchenmuseum in Altgaul hat bis 31. August jeweils Donnerstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr geöffnet.

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