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Kathy Kelly, Teil der legendären Kelly Family, spricht im Interview über Gastspiele, Familie und ihre Stimme.

Interview
"Ich kriege eine Wahnsinnsfreude dabei"

Überwältigende Stimmkraft: Kathy Kelly, früher Frontsängerin und Produzentin der legendären Kelly Family, ist in Neuküstrinchen mit dem Fahlberg-Chor aus Bad Freienwalde zu erleben.
Überwältigende Stimmkraft: Kathy Kelly, früher Frontsängerin und Produzentin der legendären Kelly Family, ist in Neuküstrinchen mit dem Fahlberg-Chor aus Bad Freienwalde zu erleben. © Foto: promo
Ellen Werner / 07.09.2019, 07:00 Uhr
Bad Freienwalde (MOZ) Frau Kelly, mit der Kelly Family standen und stehen Sie auf den größten Bühnen. Was zieht Sie in so  kleine Orte wie jetzt Neuküstrinchen, wo gerade mal etwas mehr als 200 Menschen leben?

Dann hätten wir mit 500 verkauften Karten immerhin schon mehr als doppelt so viele Zuschauer wie Einwohner! Ich hoffe, wir schaffen es, alle 900 Tickets zu verkaufen. Es macht einfach Spaß in den kleinen Orten. Die Leute sind sehr dankbar, wenn man zu ihnen rauskommt und ein dankbares Publikum ist immer gut. Ich finde diese Ecke von Deutschland auch unglaublich schön, ich habe hier immer sehr volle Konzerte.

Sie sind in Amerika geboren, in Spanien aufgewachsen, haben in Irland gelebt und waren viel in der Welt unterwegs. Wo leben Sie heute – und fühlen Sie sich irgendwo zuhause?

Ich fühle mich zuhause, wenn ich nach Irland komme. In Deutschland, wo ich nun auch schon mehr als 30 Jahre verbracht habe und wo ich jetzt im Westerwald lebe, fühle ich mich auch sehr wohl.

Parallel zu Ihrer Solokarriere läuft ja seit zwei Jahren eine Comeback-Tour Ihrer legendären Musikfamilie. Sie waren früher die Produzentin und Frontfrau zugleich. Sind Sie da immer noch die Kelly-Mama?

Nee. Inzwischen sind alle groß genug. Sie sind flügge geworden. Wenn Sie mich fragen, ob ich wieder meine gewohnte Rolle übernehme – wenn überhaupt, dann ist es doch eine Rolle, ein Schauspiel. Ich lebe nicht mit dieser Rolle. Man ändert sich doch ein Leben lang und bestimmte Rollen sollte man über Bord werfen oder zur Seite legen, damit jeder wachsen kann.

Als Familienband haben die Kellys viele Jahre pausiert. Mussten Ihre Geschwister Sie überreden oder waren Sie selbst diejenige, die alle auf der Bühne wieder zusammenbringen musste? Stimmt es, dass Sie eine Zeitlang gar keinen persönlichen Kontakt hatten?

Wir haben sehr viele Projekte zusammen gemacht, in verschiedenen Konstellationen vor allem mit meinen Schwestern. Das hat sich aufgebaut. Ich hasse dieses Ding: Einer hat das auf die Beine gestellt. Das würde doch gar nicht klappen! Es gab Bewegungen in tausend Richtungen für alle von uns. Da muss jeder für sich selbst das wollen und sagen: Ich nehme mir zwei Jahre Zeit dafür. Und es gehören dazu auch sehr viele andere Leute.

Als Sie 19 waren, starb Ihre Stiefmutter. Ihr Vater wurde in dieser Zeit alkoholkrank. Ein Baby, Ihr Bruder Angelo, und noch sieben weitere kleine Geschwister waren da, Sie übernahmen die Mutterrolle. Das muss eine unglaubliche Leistung und auch ein Opfer sein für ein junges Mädchen, dessen Jugend schlagartig vorbei ist. Haben Sie damals auch überlegt, sich davonzustehlen?

Das habe ich sehr oft überlegt. Aber, was keiner realisiert so einem Moment: Du hast eine Situation vor dir, die existentiell bedrohlich ist. Das ist vielleicht ein bisschen vergleichbar mit dem, wie es heute Flüchtlingskindern geht, die ihre Eltern im Krieg verloren haben und auf der Flucht noch kleinere Geschwisterkinder durchbringen müssen. Du überlegst nicht: Bin ich überfordert? Du machst einfach jeden Tag – oder du rennst weg. Ich bin auch jemand, der glaubt, dass Gott nichts gibt, was du nicht tragen kannst.  Das schafft man nicht mit eigenen Kräften. Ich habe auch Wahnsinnshilfe bekommen in dieser Zeit.

Dennoch haben Sie sicherlich auf vieles verzichten müssen. Damals hätte Ihnen auch eine Laufbahn als Primaballerina oder als Violinistin offen gestanden. Haben Sie etwas davon später nachgeholt?

Ich habe eben einen anderen Weg eingeschlagen, habe damals angefangen zu produzieren. Es hat nicht alles aufgehört, ich habe immer Wege gefunden, meine Kreativität auszuleben. Meine ganz große Liebe war die Klassik. Vor 18 Jahren habe ich wieder angefangen, Operngesang zu studieren und das verfolge ich weiter.

Diese Einschnitte waren also auch eine Inspirationsquelle?

Ja, natürlich. Ich werde oft gefragt: Woher hast du so eine Stimme? Du hast eben eine Riesenerfahrung, die du mitträgst, du bringst alles in dieser Stimme heraus. Leute, die selbst Wahnsinnsschicksale haben, hören das. Alles hat seinen Sinn.

Hat die Erfahrung als Ersatzmutter für eine so große Kinderschar Sie eigentlich davon abgehalten, selbst eine Großfamilie zu gründen?

Die Antwort kenne ich selber nicht, aber es ist eine sehr gute Frage. Ich bin jedenfalls dankbar, dass ich meinen Sohn habe. Er ist inzwischen auch längst erwachsen.

Zurück zur Musik: Sie beherrschen das internationale Pop-Business und sicherlich ganz verschiedene Genres. Warum jetzt der Wechsel zum deutschen Schlager?

Sie meinen mein neues Album "Wer lacht überlebt". Darauf sind Titel von Folk über Pop bis Rock. Es ist eine autobiographische deutschsprachige CD. Schlager – das macht doch das Marketing daraus. Ich lasse mich eigentlich nie in eine bestimmte Richtung drängen. Fünf, sechs von den neuen Titeln singe ich übrigens auch in Neuküstrinchen.

Wie dort singen Sie immer wieder in Kirchen und auch mit Chören. Was ist so reizvoll daran?

Ich komme sehr nah an das Volk, sogar näher als beim Musikmachen auf der Straße. Auf der Kirchentour kriege ich Ecken zu sehen in Deutschland, die sonst kaum einer in der Branche sieht. Was ich dort mache, ist sehr solide, nicht von einer Mode abhängig. Und ich bin so immer mit Leuten zusammen, die Musik lieben. Ich kriege eine Wahnsinnsfreude dabei – das führt mich zurück zu meinem Ursprung, deshalb bin ich Musikerin.

Das Konzert mit Kathy Kelly am 15. September in Seelow ist ausverkauft. Karten gibt es noch für das Konzert mit dem Fahlberg-Chor im Dom des Oderbruchs in Oderaue-Neuküstrinchen am Freitag, 19.30 Uhr. Der Vorverkauf (26 Euro zuzüglich Vorverkaufsgebühr) läuft u.a. in der Touristinformation in Bad Freienwalde, Uchtenhagenstraße 3, und in der Touristinfo Eberswalde, Steinstraße 3. An der Abendkasse kosten Tickets 32 Euro.

Zur Person

Mit der Kelly Family wurde sie weltberühmt. Aber auch als Solokünstlerin hat Kathy Kelly seit Langem ein großes Publikum. Zur Welt gekommen ist sie 1963 als drittes von insgesamt zwölf Geschwistern. Kathy Kelly lernte als Kind Ballett, Geige und Klavier, studierte später Violine. Schon als Elfjährige machte sie mit der Familie Straßenmusik in Europa. Die Familienband verkaufte Millionen Tonträger, war Mitte der 90er-Jahre auf der Spitze des Erfolgs und tritt nach langer Pause seit 2017 wieder auf. Als Solo-Stars sind v. a. ihre Geschwister Maite und Michael Patrick bekannt. Kathy Kelly, die ihr erstes eigenes Album vor 20 Jahren herausbrachte, ist zur Zeit auf Kirchentour.⇥wer

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