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Denkmal
Arbeiten am Stall des Lehmhauses dauern an

Steffen Göttmann / 11.09.2019, 06:30 Uhr - Aktualisiert 11.09.2019, 09:46
Beerbaum (MOZ) Der Stall neben dem Lehmhaus Beerbaum unterliegt dem Ensembleschutz. Der Kurmarkverein Heckelberg hat Probleme mit der Sanierung.

Wir haben zuerst das Gebäude freigelegt und die eingewachsenen Bäume gefällt", berichtete Ortwin Jäger, Vorsitzender des Kurmarkvereins Heckelberg, Besuchern beim Tag des offenen Denkmals. Diese ließen sich gerne darauf ein, dass etwas von der Straße abgelegene Kleinod zu besuchten.

Das Stallgebäude ist an sich nicht denkmalgeschützt. Denn von diesem um 1900 entstandenen Bautyp aus roten Ziegeln gebe es weitere Exemplare in Beerbaum. Es unterliege aber dem Ensembleschutz, weil es sich in unmittelbarer Nachbarschaft zu dem 1817 errichteten Lehmhaus befindet.

"Wir haben das Dach mit Blech gedeckt, damit es nicht mehr hineinregnet", sagte Jäger. Er und seine Mitstreiter hatten die Biberschwanz-Ziegel zuvor abgenommen und für später weitere gesammelt. Dennoch rechne er mit 100 000 Euro, um das Haus zu sanieren. Ein Fünftel der Summe habe man bereits. Der Kurmarkverein will im Stallgebäude ein Sommercafé und Toiletten einbauen.

Ortwin Jäger und die anderen Mitglieder waren am Sonntag gern bereit, etwas über die Baugeschichte des Lehmhauses zu berichten. Im Inneren des Gebäudes ist zwischen dem Lehmputz eine Bahn freigelassen worden, die den Stampf-Lehmbau deutlich macht.

"Mit Schilf und Tierhaaren vermischte Lehmklumpen wurden aufeinander geknallt", beschreibt Jäger die Bauweise. Nach dem Trocknen sei die 40 Zentimeter dicke Mauer mit einem Spaten geformt worden.

Das Gebäude ist das letzte von mehreren Lehmhäusern, die die Gutsherrin Sophie Juliane Friederike Gräfin Dönhoff (1768–1834) für ihre Landarbeiter gebaut hatte. Die wohnten vorher mit ihren Familien in Scheunen und Ställen. Die Reformerin Dönhoff baute eine Schule und Lehmhäuser für jeweils zwei Familien.

Juliane Friederike Gräfin Dönhoff kam 1789 als Hofdame zu Friederike Luise, der Erbauerin von Schloss Freienwalde. Dönhoff heiratete 1790 den preußischen König Friedrich Wilhelm II. zur linken Hand. 1792 wurde die Ehe geschieden. Sie musste den Hof verlassen, floh zuerst nach Angermünde und kaufte 1805 Gut Beerbaum.

Nur durch Zufall konnte das Lehmhaus gerettet werden. Ein  weiteres sei kurz vor der Wende zusammengeschoben worden, sagte Ortwin Jäger. Eigentlich blühte dieses Schicksal auch dem letzten Exemplar. "Die Ernte kam dazwischen, so dass man keine Zeit mehr hatte", berichtete der Vereinsvorsitzende.

Jetzt hat der Kurmarkverein erneut Bauchschmerzen, denn das Grundstück neben dem Lehmhaus werde von der Gemeinde als Baugrundstück verkauft, berichteten Mitglieder des Vereins und Nachbarn. Auf dem Bauplatz seien bereits Bäume gefällt worden. Ortwin Jäger fürchtet zudem um Maulbeerbäume hinter dem Lehmhaus. Der Verein hofft, mit dem neuen Eigentümer klarzukommen. Denn an der Grenze plant er einen Campo Santo. Dafür hat er Grabsteine von aufgelassenen Gräbern auf dem Friedhof Beerbaum gesammelt. "Die sind alle von alten Beerbaumern", sagte Jäger. Bevor er diese aufstellt, will er jedoch mit dem neuen Eigentümer sprechen.

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