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Generationswechsel
Wriezener Unternehmer hat Altersstruktur im Blick

Vor dem Empfang: Geselle Fabian Sievers und Azubi Linda Krüger mit Reiko Heinschke (Mitte), der einen Reifenservice in Wriezen betreibt.
Vor dem Empfang: Geselle Fabian Sievers und Azubi Linda Krüger mit Reiko Heinschke (Mitte), der einen Reifenservice in Wriezen betreibt. © Foto: Anett Zimmermann
Anett Zimmermann / 19.09.2019, 06:45 Uhr - Aktualisiert 20.09.2019, 08:09
Wriezen (MOZ) Verjüngung ist wichtig. Um seinen Betrieb erhalten zu können, setzt ein Wriezener Unternehmen auf junge Leute.

Fabian Sievers hat im Juni seine Gesellenprüfung als Mechaniker für Reifen- und Vulkanisationstechnik absolviert und ist von Reiko Heinschke übernommen worden. Und mit Linda Krüger gibt es bereits den nächsten Lehrling im Betrieb. 2016 sei absehbar gewesen, dass der Altgeselle gehen und sich im Jahr darauf sein Vater aus dem Geschäft zurückziehen werde, berichtet der Unternehmer, der sich als Kommunalpolitiker und auch für den Motocross engagiert.

Er selbst sei der erste Azubi im einst elterlichen Betrieb gewesen. "Wir hatten recht feste Strukturen von 1992 an und eine geringe Fluktuation", blickt Heinschke zurück. Der 42-Jährige hat Kaufmann im Groß- und Außenhandel gelernt, die Ausbildungsberechtigungen später bei der Handwerkskammer beziehungsweise Industrie- und Handelskammer über den "Sonderweg" Berufserfahrung nachgeholt.

Tipp über die Schule bekommen

So gesehen stünden Fabian Sievers nun alle Möglichkeiten offen. "Wenn er Meister werden will...", deutet Reiko Heinschke an. Doch der 19-Jährige verweist darauf, dass er dafür ja er erst einmal Berufserfahrung sammeln müsse. "Irgendetwas am Auto" habe er lernen wollen, erzählt der Bliesdorfer, der in Neutrebbin zur Schule gegangen ist. Doch viele der Ausbildungen seien hier in der Gegend nicht möglich gewesen. Und dann habe er den Tipp bekommen, mal beim Reifenservice nachzufragen. "Ich war hier zum Probearbeiten in den Ferien, später auch in der Schulzeit." Wichtig sei ihm, dass die Familie in der Nähe ist. "Und in der Firma weiß ich, was ich habe."

Über das Praxislernen an der Wriezener Allende-Schule sei 2017 auch ein weiterer Azubi ins Unternehmen gekommen, sagt Reiko Heinschke und bedauert, dass dieser nicht durchgehalten hat. "An uns dürfte das nach zwei Jahren nicht gelegen haben", ist sich der Firmenchef sicher und verweist darauf, dass eine Ausbildung in Heimatnähe heute nicht selbstverständlich ist. Zumindest für den theoretischen Teil müsse ein großer Teil weitere Wege bis in andere Bundesländer zurücklegen. Für Fabian Sievers waren es lediglich an die 50 Kilometer bis nach Fürstenwalde-Palmicken. Dort gebe es sogar ein Internat, so Heinschke. 14 Tage Blockunterricht hätten sich mit vier Wochen im Unternehmen abgewechselt.

Dass er mit Linda Krüger, die Kauffrau im Groß- und Außenhandel werden möchte, die nächste Auszubildende eingestellt hat, hänge mit der Arbeitsmarktsituation zusammen: "Fachleute sind inzwischen rar." Die Altersstruktur der insgesamt sieben Mitarbeiter bezeichnet er als gut. Und da sei die junge Golzowerin schon eingerechnet. Auch sie, die das Fachabitur am Oberstufenzentrum in Strausberg gemacht hat, weiß von ihr Chance auf Übernahme.

Die 30 Minuten mit dem Auto nach Wriezen und zurück seien kein Problem. Im Oderbruch sei das Pendeln für viele Menschen Alltag und ihre Strecke relativ kurz. Ursprünglich habe sie sich für Zahnmedizin interessiert, sagt sie. Aber da habe ihr Notenschnitt nicht gepasst und sie dann dem Kaufmännischen mehr Beachtung geschenkt. "Allerdings war da ein Studium  nicht so mein Ding."

Nicht unerwähnt lässt Reiko Heinschke, dass ihm auf der Suche nach einem Azubi diesmal eine Mitarbeiterin der Industrie- und Handelskammer viel Arbeit abgenommen habe. "Sie stand eines Tages in der Tür und hat gefragt, ob wir Bedarf haben, ein Profil erarbeitet und auf das Angebot über Internet, Jobcenter und Messen aufmerksam gemacht." Zehn Bewerber hätten sich bei ihm vorgestellt, darunter mit Praktikum als Beikoch oder bereits abgebrochener Lehre.

Um künftige Mitarbeiter zu finden, seien Kontakte wichtig und die müssten die Unternehmen selbst zu den jungen Leuten suchen, sagt Heiko Reinschke. "Allein kommen sie nicht. Wir müssen sie in der Schule abholen." Eine Kleinstadt wie Wriezen biete da natürlich einen Vorteil. Er selbst habe auch bei der Ausbildungsvergütung etwas draufgelegt. "Die ist im Handwerk einfach zu niedrig."

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