Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

In Prädikow haben die eifrigen Nager das Sophienfließ und den Kirchsee in einer für viele im Ort bedrohlichen Weise aufgestaut.

Biberproblem
Basteln an tragfähiger Lösung für Prädikower

Thomas Berger / 20.09.2019, 06:30 Uhr - Aktualisiert 20.09.2019, 08:55
Prädikow Franz Maly ist 89 – und er ist gehörig aufgebracht. "Seit 70 Jahren wohne ich hier", sagt er beim Ortstermin am späten Donnerstagvormittag am Rande von Prädikow. Doch so etwas wie jetzt habe er noch nicht erlebt. 60 000 Qua­dratmeter Wiesen, zum Teil überflutet. So wie an der Stelle, an der gerade alle stehen. Kommunalpolitiker, Landwirt, verärgerte Einwohner sowie Vertreter der Kreisverwaltung. Eine an diesem Platz ungewohnte Wasserfläche spannt sich vor ihnen. In Sichtweite zu den ersten Häusern des Dorfes stehen Malys Pferde auf einer Koppel, ebenfalls mit der Gefahr, sich nasse Füße zu holen.

Lage immer untragbarer

Prädikow hat ein Biberproblem, das sich seit einigen Monaten zuspitzt. Nachdem die Situation aus Sicht der Einwohner des Prötzeler Ortsteils immer untragbarer wird, hatte Landwirt Konstantin Behnen die Initiative zu diesem Treffen in großer Runde ergriffen. Grundsätzlich dankbar waren alle, dass Vizelandrat Rainer Schinkel, Andreas Fischer und Fachdienstleiter Björn Ellner von der Unteren Naturschutzbehörde sowie Siegfried Richter von der Unteren Wasserbehörde den Weg nach Prädikow gefunden hatten. Geduldig hörten sie sich die Schilderungen der von den Biberbauten Betroffenen an, nahmen einen Teil des Schadensgebietes persönlich in Augenschein.

Mindestens drei Dämme hat der umstrittene Nager zuletzt mit kurzen Zwischendistanzen im Sophienfließ errichtet. Vielleicht am erleichternsten für die Dörfler, darunter auch Behnens Vater Andreas als Ortsvorsteher sowie die ebenfalls in Prädikow wohnende und dem Förderverein Dorfkirche vorstehende Prötzeler Bürgermeisterin Simona Koß, war die klare Aussage von Richter: "Das Sophienfließ muss fließen können." Und auch Fischer stellte klar – all diese Dammbauten dürfen entfernt werden, ohne dass es zu Konflikten mit den Vorgaben des Artenschutzes kommt. Schon in den kommenden Tagen will er mit dem Wasser- und Bodenverband, der primär zuständig ist, sprechen. Denn eine Entfernung der vor allem mit Baumaterial vom benachbarten Maisfeld errichteten Barriere an dieser Stelle ist von Hand nicht möglich: "Da muss ein Bagger kommen."

Eine Lösung des komplexen Gesamtproblems ist das noch nicht. Denn dazu gehört auch der ebenso angestaute Kirchsee, dessen Wasserstand derzeit weit über dem üblichen Maß liegt, private, teils unter Denkmalschutz stehende Wohnhäuser ebenso bedroht wie die sanierungsgeplante Dorfkirche. Und es gibt, wie der schon über dem neuen "See" am Ortsausgang stehende Geruch unterstreicht, eine Zuspitzung durch Schadstoffe im Wasser. "Eine Riesensauerei ist das", wie sich Maly empört und dabei auf den Ursprung verweist: die Altlasten in Sachen Klärwerke. Zu DDR-Zeiten gab es eins bei Prötzel, dann wurde ein anderes bei Prädikow geschaffen und später auch erneuert. Also keine der früher gebräuchlichen Versickerungsanlagen mehr, stellte Siegfried Richter klar, sondern eine moderne Konstruktion mit Vorreinigungsbecken und einem biologischen Reaktor mit verschiedenen Phasen zur Wasseraufbereitung. Ganz regulär fänden auch zweimal im Jahr wasserbehördliche Kontrollen der Anlage statt. Zum Problem wird aber aktuell, dass sich durch das Wirken des Bibers Wasser anders als sonst Wege bahnt, auch durch die nach Stilllegung des alten Klärwerks noch existierenden Becken, wo noch Schadstoffreste im Boden schlummern. Diese Altlasten in Zusammenhang mit der anstehenden Sanierungsmaßnahme für den Kirchsee gleich mit anzupacken, sei ihr auf den Vorstoß seinerzeit von den zuständigen Stellen als nicht möglich mitgeteilt worden, sagte Simona Koß.

Regelmäßige Kontrollgänge

Nicht nur in dieser Hinsicht geht es letztlich auch um Finanzierungsfragen. Beim Biberdamm am See lautet der Ansatz jetzt, eine Drainage einzubringen, um den Wasserabfluss etwas regulieren zu können. Wer die Kosten tragen würde, ist zunächst unklar. Unstrittig ist auch, dass der Biber erst einmal weiter präsent bleibt und nur ständiges Monitoring, am ehesten durch die Dörfler in Absprache mit dem Wasser- und Bodenverband, frühzeitig neue Dammbauten unterbindet.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG