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Peter Schwieger (79) hat am Stallgebäude auf seinem Grundstück etwas Besonderes entdeckt. Dachbalken waren Ruder von Flößen.

Verrückt
Ruder von Flößen dienen als Deckenbalken

Löcher für die Führungszapfen: Als Deckenbalken in einem Stallgebäude in Altglietzen dienen Ruder von Flößen.
Löcher für die Führungszapfen: Als Deckenbalken in einem Stallgebäude in Altglietzen dienen Ruder von Flößen. © Foto: Reinhard Schmook
Reinhard Schmook / 21.09.2019, 06:45 Uhr
Altglietzen Unsere Heimatgeschichte ist reich an wundersamen Dingen, die in ihrer Bescheidenheit meist wenig beachtet werden oder längst ganz vergessen sind. Von einer dieser Kuriositäten haben wir vorige Woche durch den Altglietzener Peter Schwieger (79) erfahren. Er bewohnt ein an der Chausseestraße gelegenes einstiges Gewerbegrundstück, das um 1880 erbaut wurde und einen liebevoll gepflegten Eindruck macht. Als er am Telefon sagte, dass die Dachbalken seines Stallgebäudes etwas ganz Besonderes seien und er mir die Sparren unbedingt zeigen müsse, habe ich nicht lange gezögert und bin umgehend zu ihm gefahren.

Das Hofgebäude diente früher als Stall mit einem Heuboden oben drüber, abgeschlossen durch ein flaches, mit Pappe gedecktes Pultdach. Dort hinauf kommt man mittels einer Leiter über eine Luke in den Heuboden. Dort staunte ich nicht schlecht, denn alle Sparren des Pappdaches waren einst Steuerruder von Flößen, die hier eine zweite Verwendung fanden. In langen Schleppzügen, gezogen von qualmenden Dampfschleppern, kamen die Holzflöße aus Schlesien die Oder hinab.

Damit sie nicht in die Uferzonen oder an die Buhnen gerieten, musste mit einem langen Ruder gegengesteuert werden. Es hatte an einem Ende einen Griffzapfen, war dann viereckig bebeilt und lief in einen langen dreieckigen Teil aus, der das eigentliche Ruderblatt darstellte.

Ruder als Bauholz verkauft

Wo die Flöße zusammengestellt wurden, hat man auch die Ruder zugerichtet, mit einem Loch versehen, das für den eisernen Führungszapfen gebohrt wurde und auf dem Floß befestigt. Bei den Sägewerken in Hohenwutzen oder Bralitz (damals die größten Europas) kam das Floßholz in die Sägegatter. Die Ruder hat man aus ökonomischen Gründen nicht wieder stromaufwärts geschafft. Neue herzustellen war wahrscheinlich billiger. So wurden sie zu erschwinglichen Preisen verkauft und dienten als Bauholz, wie hier bei Peter Schwieger als sehr haltbare, 100 Jahre alte Unterzüge für ein Stalldach.

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