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Das Unterstellen des Bisam unter das Jagdrecht verhindert das Beseitigen dieses Deichgefährders. Dagegen wird ein Verfahren eingeleitet.

Bisamplage
Gemeinde Letschin verklagt das Land Brandenburg

Fruchtbar: Bisam sind von März bis Oktober trächtig. Die Tragzeit beträgt durchschnittlich 28 Tage. Es gibt drei Würfe pro Jahr mit meist sechs Jungen pro Wurf, die nach etwa sechs Monaten wieder geschlechtsreif sind.
Fruchtbar: Bisam sind von März bis Oktober trächtig. Die Tragzeit beträgt durchschnittlich 28 Tage. Es gibt drei Würfe pro Jahr mit meist sechs Jungen pro Wurf, die nach etwa sechs Monaten wieder geschlechtsreif sind. © Foto: Annegret Krüger (MOZ)
Ulf Grieger / 21.09.2019, 07:00 Uhr
Letschin (MOZ) Die Gemeindevertreter von Letschin haben am Donnerstag einen Aufruf zum Schutz des Deiches und der Hochwasserschutzanlage verabschiedet. Die Initiative, die von der Fraktion "Wir im Oderbruch" (WiO) ausgegangen war, hatte im Vorfeld bereits die breite Zustimmung aller Abgeordneten gefunden, informierte Bürgermeister Michael Böttcher. Mario Forner erklärte dazu seitens der WiO-Fraktion, dass nach dem Bekanntwerden der Auswirkungen der Durchführungsverordnung Jagd für den Hochwasserschutz dringender Handlungsbedarf besteht. Er erinnerte an das dramatische Hochwasser 1997 und an das seit dem kleineren Hochwasser 2010 akute Biberproblem. "Rund 57 000 Menschen werden mit dieser Verordnung in Gefahr gebracht", machte er deutlich.

In dem Aufruf bittet die Gemeinde Letschin alle Menschen der Region, sich Protestaktionen sowie einer Normenkontrollklage gegen das Land anzuschließen.

Zur Einleitung eines Normenkontrollverfahrens gegen das Land Brandenburg gibt es bereits ein rechtsanwaltliches Gutachten, das der Gemeinden das Klageerhebungsrecht zuspricht. Mit dem Verfahren soll die Landesregierung gezwungen werden, die im Juli in Kraft gesetzte Durchführungsverordnung Jagd  zurückzunehmen.

Dieses Gesetz stellt Nutria und Bisam unter die Bestimmungen des Jagdgesetzes. Somit muss die Schonzeit der ständig trächtigen Tiere eingehalten werden. Nur noch Jägern ist es gestattet, diese für die Deiche gefährlichen Wühltiere zu bejagen. Die Jagdverbände wollen zwar im Oderbruch die durch die Landesbehörden verursachte Gefährdung abmildern helfen. Die ehrenamtlichen Jäger lehnen es aber ab, plötzlich für den Hochwasserschutz eingesetzt zu werden. Zum einen ist der Bisamfang sehr aufwändig und erfordert Spezialtechnik. Zum anderen gelten Bisamröhren nicht als Wildschaden.

Verordnung scharf kritisiert

Die Gemeindevertreter sehen in dem seit Juli geltenden faktischen Verbot des systematischen  Fangens von Bisam durch Fachleute eine hohe Gefährdung der Hochwasserschutzanlage und damit eine Gefährdung für Leib und Leben der Oderbrücher als gegeben an. Seit Anfang Juni vermehren  sich die Bisam rasant und verstärkt auch Nutria im Oderbruch.

Beim nächsten  Hochwasser wühlen sich die Tiere mit Fluchtröhren in den Damm und sorgen so für Deichbrüche. Fachleute aus den Niederlanden und Niedersachsen haben die DV Jagd scharf kritisiert. Schon jetzt gibt es mehr als 500 Schadstellen durch Bisam im Deich am Oderbruch. Dies ist auch Thema der Fachdeichschau.

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