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Nachruf
Dr. Else Ackermann: geradlinig und geschätzt

Dr. Else Ackermann (1933–2019)
Dr. Else Ackermann (1933–2019) © Foto: Gerd Markert
Jutta Skotnicki / 21.09.2019, 07:30 Uhr
Neuenhagen (MOZ) Im Alter von 85 Jahren ist am 14. September Dr. Else Ackermann verstorben. Die  einstige Vorsitzende des Ortsverbandes der CDU war in Neuenhagen eine sehr geschätzte Persönlichkeit, die sich vielfältig ins kommunale Leben einbrachte.

Else Ackermann wurde am 6. November 1933 in Berlin geboren, wuchs in Neuenhagen auf und legte 1952 an der Oberrealschule (heute Einstein-Gymnasium) ihr Abitur ab. Danach studierte sie an der Humboldt-Universität zu Berlin Medizin, das sie 1957 mit dem Staatsexamen und 1958 mit der Promotion beendete.

Nach der klinischen Ausbildung in einem Kreiskrankenhaus war sie als wissenschaftliche Assistentin am Institut für Pharmakologie und Toxikologie an der Berliner Charité tätig, anschließend als wissenschaftliche Oberassistentin am Institut für Klinische Pharmakologie an der Medizinischen Akademie "Carl Gustav Carus" in Dresden. Sie habilitierte 1969 und forschte 1971 für sechs Monate am Karolinska-Institut der Universität in Stockholm. Von 1975 bis 1989 war sie wissenschaftliche Oberassistentin am Zentralinstitut für Krebsforschung (ZIK) der Akademie der Wissenschaften in Berlin-Buch.

"Der Erwerb von Wissen in der Medizin und in den Naturwissenschaften war ein wesentlicher Teil meines Berufslebens", schrieb sie einmal über sich selbst. Daneben interessierte sie sich für Literatur, Religion und Philosophie und war zeitlebens ein kritischer Geist, was sie sowohl in der DDR als auch in der Bundesrepublik immer wieder anecken ließ.

Einsatz für Stolpersteine

1985 trat Dr. Else Ackermann in die CDU ein und war von 1986 bis 1999 Vorsitzende der Ortsgruppe Neuenhagen. Trotz diverser Querelen innerhalb der CDU und einem gegen sie angestrengten Ausschlussverfahren blieb sie bis zu ihrem Tod Mitglied der Partei. Sie war Abgeordnete der ersten frei gewählten Volkskammer der DDR, der sie ab März 1990 angehörte, anschließend bis 1994 Abgeordnete im Deutschen Bundestag. Seit 1989 saß sie im Rat der Gemeinde Neuenhagen und wirkte in der Wendezeit am Runden Tisch mit.

Später war sie bis 2008 Gemeindevertreterin und Fraktionsvorsitzende der CDU, wobei sie 2007 ihren Vorsitz niederlegte und aus der Fraktion austrat. In ihren letzten Lebensjahren widmete sie sich insbesondere der Aufarbeitung der Geschehnisse in den letzten Monaten des zweiten Weltkrieges in ihrem Heimatort. Vehement setzte sie sich für die Neugestaltung der Kriegsgräberstätte auf dem Kirchhof der evangelischen Dorfkirche ein, die ihr als bekennende Christin und Humanistin besonders wichtig war.

Sie initiierte maßgeblich den Arbeitskreis Stolpersteine in Neuenhagen mit und befasste sich intensiv mit der Verfolgung jüdischer Mitbürger in der Zeit des Holocaust. Immer wieder versuchte sie, junge Menschen in die Thematik einzubeziehen, denn umfassende politische und humanitäre Bildung war ihr ein wichtiges Anliegen.

Neuenhagens Bürgermeister Ansgar Scharnke (Die Parteilosen)  reagierte betroffen auf die Nachricht von ihrem Tod: "Frau Dr. Ackermann war eine große Frau. Für ihren Mut und ihre Standhaftigkeit im Einsatz für unsere demokratische Freiheit wurde sie weit über die Grenzen unserer Gemeinde und Brandenburgs hinaus geachtet und verehrt. Ihren Rat und das offene Gespräch mit ihr werde ich wie viele Neuenhagener sehr vermissen."

Dr. Ilka Goetz (Linke), die Vorsitzende der Gemeindevertretung, schließt sich dieser Einschätzung an und drückt ihre Hochachtung aus: "Frau Dr. Ackermann war in der Gemeindevertretung eine überaus geschätzte Person. Sie vertrat stets offen und klar ihre Position und vermittelte die ihr wichtigen Werte wie Geradlinigkeit, Demokratie und Humanismus an ihre Mitmenschen." Die Gemeinde Neuenhagen wird ihr ein ehrendes Gedenken bewahren.

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