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Menschen zu helfen, den Weg zurück in die Realität zu finden, ist das Anliegen von Cordula Lillge und ihrem Team.

Tagesstätte
Hilfe beim Weg zurück ins Leben

Am Tag danach: Mitarbeiter und Besucher der Tagesstätte für psychisch erkrankte Menschen in Alttornow blicken gemeinsam auf die Jubiläumsfeier anlässlich des zehnjährigen Bestehens zurück. Dabei ist auch noch einmal die Foto-Schau zu sehen.
Am Tag danach: Mitarbeiter und Besucher der Tagesstätte für psychisch erkrankte Menschen in Alttornow blicken gemeinsam auf die Jubiläumsfeier anlässlich des zehnjährigen Bestehens zurück. Dabei ist auch noch einmal die Foto-Schau zu sehen. © Foto: Cordula Lillge
Anett Zimmermann / 08.11.2019, 07:30 Uhr
Bad Freienwalde In Alttornow herrschte am Mittwoch deutlich mehr Trubel als sonst. Schließlich gab es dort auch einen Grund zum Feiern: das zehnjährige Bestehen der Tagesstätte für chronisch erkrankte Menschen, die von Cordula Lillge gegründet und bis heute geleitet wird. In ihrem Rückblick vor Mitarbeitern und Besuchern der Tagesstätte sowie Gästen, darunter Wegbegleiter und Vertretern aus Gesundheitswesen, Politik, Verwaltung und Wirtschaft, verwies sie auf selbst gemachtes Rharbarberkompott mit Vanillesauce als Grundstein. Denn das habe ihr Detlef Malchow beim ersten Treffen serviert, als sie auf der Suche nach geeigneten Räumen für die Tagesstätte war.

Erlebnisreiche Arbeitsjahre bei einem großen Träger und Erfahrungen in der ambulanten Betreuung mit psychisch erkrankten Menschen hatten da, so berichtete Cordula Lillge, bei ihr die Erkenntnis reifen lassen, dass hier in der Region ein Arbeits- und Beschäftigungsbereich für diese Klientel fehlt.

Zentral gelegene Insel

Also habe sie sich bereits bestehende Tagesstätten angeschaut, viele Gespräche geführt und letztlich eine Konzeption geschrieben, bei der die Seite zu geeigneten Räumen allerdings erst einmal leer geblieben sei. Doch dann sei sie mit Detlef Malchow bekanntgemacht worden, der auf seinem Hof damals noch etliche freie Räume hatte. "Die Absprachen waren schnell getroffen", blickte Cordula Lillge zurück. Die Tagesstätte liege zentral und sei gut mit dem öffentlichen Personennahverkehr erreichbar, aber dennoch wie eine Insel. Und konnte in den Folgejahren noch um weitere Räume wachsen, hob sie dankend hervor.

Nach der Zustimmung des Landkreises Märkisch-Oderland hätten Mitarbeiter und sogar deren Familienangehörige angepackt, um die neue Tagesstätte am 2. November 2009 mit sechs Besuchern zu eröffnen. "Noch immer sind einige bei uns", sagte Cordula Lillge und verwies auf insgesamt 15 Plätze, wobei nicht alle Besucher jeden Tag in Alttornow seien. Dank der guten Zusammenarbeit mit dem Landkreis habe sich inzwischen auch die Zeit von der Antragstellung bis zur Bewilligung eines Platzes deutlich verkürzt.

Und natürlich habe es in den zehn Jahre Veränderungen in der Tagesstätte selbst gegeben. "Wir hatten zum Beispiel nicht mit den charakterstarken Besuchern gerechnet", gab Cordula Lillge offen zu. Bilder sollten im Anschluss zeigen, wie bunt das Leben ist, dass es viel Schönes bereit hält, auch wenn die Biografien der meisten Besucher eher einem Drama gleichen.

Die Tagesstätte habe ihnen aus der Isolation geholfen und neue Freundschaften wachsen lassen, so dass sich einige sogar außerhalb der Zeiten in Alttornow verabreden. Ein erfolgreiches Beispiel der täglichen Arbeit ist auch die Zaubergruppe "WeThieWa", die für die Anwesenden eine kleine Show vorbereitet hatte. "Sie tritt öffentlich auf, unter anderem vor Kindergruppen", sagte Cordula Lillge. Das sei zu Beginn undenkbar gewesen. "Die Ängste unserer Besucher sind oft groß." Eine der Frauen habe zum Beispiel Mühe gehabt, über den Hof zu laufen. "Sie hat sich mit uns Meter für Meter herangetastet."

Mitmachen ist kein Muss

Wichtig sei, dass es keinen Druck gibt. "Unsere Besucher können alles mitmachen, aber das ist kein Muss." Inzwischen sei auf Wunsch der Männer unter anderem aber eine Holzwerkstatt entstanden, in der sie auch alltägliche Dinge wie Regale und Garderoben herstellen. Sport und Spiel sei ebenfalls wichtig, im PC-Raum auch schon mal eine Zeitung entstanden, einige hätten sogar ihre traumatischen Erlebnisse niedergeschrieben.

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