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Notfalls mit der Macht des Gesetzes will die Gemeinde Oderaue seine Deiche vor den Nagern retten.

Große Verunsicherung
Angst vor Bisamplage in Oderaue wächst

Untersteht inzwischen dem Jagdrecht in Brandenburg: die Bisamratte
Untersteht inzwischen dem Jagdrecht in Brandenburg: die Bisamratte © Foto: Thomas Warnack
Nadja Voigt / 14.11.2019, 06:45 Uhr
Alreetz (MOZ) Neben dem Dauerthema Biber müssen sich die Lokalpolitiker nun auch noch mit den Bisamratten beschäftigen. Seit Juli dieses Jahres wurden die Tiere dem Jagdrecht unterstellt. Die Tiere dürfen also nur noch durch Berechtigte gejagt werden. Bisher war die gängige Praxis, dass sich der Gewässer- und Deichverband Oderbruch (GEDO) um die Bekämpfung der Nager kümmerte.

Die Amtsverwaltung des Amtes Barnim-Oderbruch befürchtet, dass die nun zuständigen Jäger der Bisamjagd nicht in dem erforderlichen Umfang nachkommen können. "Die Folge wäre eine starke Vermehrung der Art. Ein bevorzugter Lebensraum sind die Hochwasserschutzanlagen an der Oder, Deiche und Nebenanlagen. Eine verstärkte Besiedelung dieser Flächen und die damit verbundene Anlage von Wohnhöhlen führen zur erheblichen Beeinträchtigung des Hochwasserschutzes", heißt es dazu aus Wriezen.

Neulewin und Oderaue betroffen

Die Gemeinde Oderaue – wie auch die Gemeinde Neulewin, die den Tagesordnungspunkt jedoch auf der jüngsten Sitzung vertagte – habe ein berechtigtes Interesse an der einwandfreien Funktion dieser Hochwasserschutzanlagen, da sie unmittelbare Anrainerin ist. Gegen dieses berechtigte Interesse verstoße die am 5. Juli dieses Jahres in Kraft getretene Fassung der sogenannten Durchführungsverordnung zum Jagdgesetz Brandenburg.

"Ziel muss es sein, die Bisamratte wieder aus dem Jagdrecht herauszulösen und die Bekämpfung in der angestammten Form durch spezialisierte Kräfte durchführen zu lassen", so die Forderung aus dem Ordnungsamt. Dazu müsse die Verordnung geändert werden. Um die Rechtmäßigkeit gerichtlich prüfen zu lassen, ist ein sogenanntes Normenkontrollverfahren notwendig, führt Helge Suhr, Chef des Bau- und Ordnungsamtes, in der Sitzungsvorlage aus.

Die Gemeinde Letschin sei bereits dabei, das Verfahren durchführen zu lassen. Dazu benötige sie finanzielle Unterstützung. Mit seinem einhelligen Votum stimmte der Gemeinderat nun zu, sich an den Prozesskosten mit bis zu 5500 Euro zu beteiligen.

Einig waren sich die Abgeordneten darin, dass die Jäger jetzt die Tiere zwar schießen dürften, dies aber nicht unbedingt müssten. "Ich sehe das als sehr problematisch an", sagte Gemeindevertreter Bodo Schröder und erinnerte daran, dass es zu DDR-Zeiten einen Beauftragten bei der Melioration für die Bisamratten gegeben habe.

"Ja, damals gab es hier auch noch die Nutria-Zucht. Und im Herbst sind sie dann zur Fellmesse nach Leipzig gefahren", ergänzte Oderaues Bürgermeister Michael Rubin. "Ich staune, dass sich die Jagdpächter nicht gegen die Neuerung gewehrt haben", sagte der Altreetzer Ortsvorsteher Ulrich Leupelt. Denn nach dem Jagdrecht müssten sie so auch für die von den Nagern verursachten Schäden aufkommen.

Hoffnung liegt auf Rechtsstreit

"Wie sieht denn überhaupt die Rechenschaftspflicht aus?", wollte Peter Rossa aus Mädewitz in der Bürgerfragestunde zu dem Thema wissen. "Und wie wird sichergestellt, dass Schaden vermieden wird?" Fragen, die an dieser Stelle unbeantwortet bleiben mussten. Alle Hoffnung liegt nun in dem von der Gemeinde Letschin angestrebten Verfahren.

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