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Kerstin Richters Hab und Gut fiel dem Brand im früheren Kulturhaus Neuküstrinchen zum Opfer. Ortsvorsteher Christopher Schulz will helfen.

Brandopfer
Nach dem Feuer vor dem Nichts

Ellen Werner / 29.11.2019, 07:30 Uhr
Neuküstrinchen (MOZ) Überall Schwarz: Wo sich das Feuer hochgeleckt hat, sieht man noch genau. Die Spuren der blakenden Flammen haben sich über Fenstern und Türen des einstigen Kulturhauses in Neuküstrinchen festgesetzt. Zum Schutz vor ungebetenen Besuchern hat Kerstin Richter die Eingänge mit Holzpaletten abgesperrt. Bei dem Anblick bricht sie in Schluchzen aus. "Das sollten eigentlich die Sitzgruppen für meinen Imbiss werden", bringt sie unter Tränen hervor. "Das ganze Leben, das hier drinsteckt, ist weg. Ich wollte doch auch mal hier ankommen."

Für sich und ihren 13 Jahre alten Sohn wollte die 55-Jährige an dem Ort eine neue Zukunft aufbauen. Es waren keine großen, nur kleine Pläne. Vor dem Gebäude in Privatbesitz, aus dem wohl einmal ein Trödelparadies werden sollte, hatte sie eine Gulaschkanone aufstellen wollen. "Und dann mal sehen, wie sich das entwickelt", sagt sie.

Zuvor habe sie in Berlin in einem Hausmeisterjob gearbeitet, erzählt sie. Eine Zeitlang sei sie aber auch in der Trödlerbranche selbstständig gewesen. In dieser Szene traf sie auch auf die Besitzer des früheren Kulturhauses Neuküstrinchen. Gemeinsam schmiedete man Pläne. Sie habe Hausmeisterdienste übernommen, berichtet Kerstin Richter. Für die Enten, Gänse, Hühner und Kaninchen, die sie hier schon hält, wollte sie Stallungen bauen. Und vor allem, wenn das Rechtliche dafür erst geklärt gewesen wäre, in dem Haus auch wohnen. Einstweilen habe sie dort schon mal ihren Hausrat untergestellt. Erst im Oktober sei sie aus Berlin hergezogen und vorläufig in Neurüdnitz untergekommen. Endlich wieder in einer gemeinsamen Wohnung mit ihrem Sohn, der schon zu Schuljahresbeginn bei einer befreundeten Familie in der Gegend untergeschlüpft war.

Doch ihre Hoffnungen auf das neue Leben sind vorerst zerstört. Bevor sie ihr Hab und Gut mit an den Übergangswohnsitz nehmen konnte, fiel es den Flammen zum Opfer. Kerstin Richter saß vor dem Haus, als das Feuer am Abend des 16. November zu wüten begann. "Ich habe zwei Knalle gehört", erzählt sie. Den Großbrand, der sich schließlich entwickelte, bekämpften rund 60 Feuerwehrleute stundenlang. Nichts aus dem Inneren des Hauses blieb übrig. "Ich weiß nicht, ob ich hier noch einmal rein kann. Aber ich will doch bleiben", sagt sie.

Christoph Schulz nimmt sie in den Arm, versucht zu trösten. Der 31-jährige Ortsvorsteher Neuküstrinchens, der als Feuerwehrmann selbst mit gelöscht hat, will weiterhin helfen und setzt auch auf die Unterstützung der MOZ-Leser. "Vor allem jetzt vor Weihnachten und der kalten Jahreszeit wird einiges gebraucht", spricht er für Kerstin Richter.

Einige Nachbarn helfen bereits, berichtet sie, bringen den Sohn zur Schule, weil auch der Autoschlüssel verbrannt ist, oder spenden Alltagsgegenstände. Unter anderem Möbel werden benötigt. "Was mir jetzt fehlt, ist so etwas wie eine Flurgarderobe und ein Kleiderschrank", sagt Kerstin Richter. "Und Wintersachen und -schuhe für meinen Sohn." Der 13-Jährige trage die Schuhgröße 40/41 und Kleidung in Größe M.

Auch wenn Kerstin Richter an die Hilfsbereitschaft der anderen glaubt, weiß sie doch, dass sich manches nie ersetzen lassen wird. Vor sechs Jahren sei ihre Tochter gestorben, sagt die vierfache Mutter, die noch zwei erwachsene Söhne hat. "Die ganzen Bilder waren doch auch da drin."

Demnächst, berichtet sie, sollen Fachleute die Statik des Gebäudes untersuchen. Die Brandursache ist indes weiter unklar. Die Kriminalpolizei habe noch keine Erkenntnisse, sagt Bärbel Cotte-Weiß, Pressesprecherin der Polizeidirektion Ost in Frankfurt (Oder) auf Nachfrage.

Wer Kerstin Richter helfen will, kann sich unter Telefon 0176 75867993 bei ihr melden.

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