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Corona-Krise
Bad Freienwalde auf dem Weg zum Selbstversorger

Nachschub für Selbstversorger: Gärtnermeister Jörg Forhoff darf seine Hauptfiliale in Bad Freienwalde nur noch geöffnet haben, weil er dort Sämereien, Beerensträucher und Obstbäume verkauft, was als Vorstufe des Lebensmittelhandels gilt.
Nachschub für Selbstversorger: Gärtnermeister Jörg Forhoff darf seine Hauptfiliale in Bad Freienwalde nur noch geöffnet haben, weil er dort Sämereien, Beerensträucher und Obstbäume verkauft, was als Vorstufe des Lebensmittelhandels gilt. © Foto: Jörn Kerckhoff
Jörn Kerckhoff / 23.03.2020, 19:00 Uhr - Aktualisiert 25.03.2020, 12:26
Bad Freienwalde (MOZ) Ich kann mir schon vorstellen, dass diese Krise zu einem Umdenken bei den Menschen führen wird." Der das sagt, ist Jörg Forhoff, Inhaber der Gärtnerei Kunze in Bad Freienwalde. Aber welche Art von Umdenken meint Forhoff damit?

"Man merkt schon jetzt, dass die Leute Beerensträucher, Gemüsesämereien und Obstgehölze stärker nachfragen", erklärt Jörg Forhoff und spielt darauf an, dass die Menschen, bedingt durch die Corona-Krise, künftig vielleicht wieder mehr auf Selbstversorgung setzen. In Zeiten, in denen jeder Gang in den Supermarkt mit dem Risiko verbunden ist, sich anzustecken, könnte so ein Verhalten dafür sorgen, dass man nicht unbedingt aus dem Haus gehen muss und dennoch auch mal frische Lebensmittel auf den Tisch kommen.

Filialen müssen schließen

Dabei ist Forhoff im Moment selbst von der Anordnung, Geschäfte zu schließen, betroffen. "Meine Geschäftsstellen in der Karl-Marx-Straße und im Kaufland musste ich bis auf Weiteres schließen, weil der Verkauf von Blumen nicht als systemrelevant gilt", so der Gärtnermeister. Seine Hauptstelle in der Gesundbrunnenstraße darf er noch geöffnet halten, weil er dort eben auch die Sämereien, Beerensträucher und Obstgehölze verkauft. Ihr Verkauf gelte nun wiederum als Vorstufe zum Lebensmittelhandel und der ist natürlich systemrelevant. Die Bevölkerung muss ja nun mal mit Lebensmitteln versorgt werden.

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"Die Blumen der anderen Geschäftsstellen habe ich in die Hauptstelle gebracht, wenn die Leute einen Obstbaum kaufen und nebenbei noch ein paar Blumen haben wollen, kann ich ihnen das ja nicht verbieten", erklärt Forhoff dazu. Der Unternehmer versucht so auch zu retten, was zu retten ist. Aber der Blumenverkauf sei derzeit eben nur ein reines Nebengeschäft. Wichtig sei nun, den Geschäftsbereich anzukurbeln, den er ganz offiziell noch weiterführen darf. Deswegen holt Forhoff auch ständig Nachschub, um das Angebot hochzuhalten.

Mehr Zeit für den Garten

Die Schließung der beiden Geschäftsstellen bedeutet für den Gärtnermeister einen tiefen Einschnitt. "Die Filialen musste ich erst einmal schließen, die Pacht muss ich aber weiterbezahlen", berichtet Forhoff. Das bedeute natürlich eine große finanzielle Belastung, wenn den laufenden Ausgaben keine adäquaten Einnahmen gegenüberstehen.

Zumindest in der Hauptstelle haben Jörg Forhoff und seine Angestellten – der Gärtnermeister beschäftigt insgesamt neun Mitarbeiter – gut zu tun, wobei ihnen auch das schöne Wetter zugutekommt. "Es war schon gut was los in den vergangenen Tagen", berichtete Forhoff am Freitag. "Wir haben ja jetzt Zeit und können uns um unseren Garten kümmern", habe er immer wieder von Kunden gehört. Das Herunterfahren des gesellschaftlichen Zusammenlebens führe eben dazu, dass die Menschen mehr in ihren Gärten arbeiteten, weil es ja sonst kaum noch andere Möglichkeiten gebe, die Freizeit zu gestalten. Da nutzten viele den Sonnenschein aus, um Bäume, Sträucher und Beete auf Vordermann zu bringen und eben auch um Gemüse und Obst anzubauen.

"Nach dieser Krise wird sich vieles ändern", ist Forhoff überzeugt. Eine Konsequenz könnte eben sein, dass die Selbstversorgung einen größeren Stellenwert bei den Menschen einnehme. "Durch die Diskussionen um das Klima und den Naturschutz sind die Leute ja ohnehin schon sensibilisiert für dieses Thema. Es werden ja auch immer mehr regionale Produkte nachgefragt, weil durch die kürzeren Lieferwege die Umwelt weniger belastet wird", erklärt der Unternehmer.

Und der kürzeste Lieferweg ist aus dem eigenen Garten auf den Tisch, und durch eine Situation wie der aktuellen Corona-Krise würden die Menschen sicher wieder aufmerksamer dafür, dass Selbstversorgung ein Baustein sein kann, um sich für eine solche Situation zu wappnen.

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