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Corona-Krise
Busfahrer sauer über Märkisch-Oderland

Leer, aber planmäßig: Ein Mobus-Gelenkbus fährt vom S-Bahnhof Fredersdorf nach Rüdersdorf. Die Busfahrer sind darüber besorgt, dass das Verkehrsangebot trotz hohem Infektionsrisiko unverändert aufrecht erhalten wird.
Leer, aber planmäßig: Ein Mobus-Gelenkbus fährt vom S-Bahnhof Fredersdorf nach Rüdersdorf. Die Busfahrer sind darüber besorgt, dass das Verkehrsangebot trotz hohem Infektionsrisiko unverändert aufrecht erhalten wird. © Foto: Gerd Markert
Steffen Göttmann / 24.03.2020, 04:00 Uhr - Aktualisiert 25.03.2020, 12:27
Bad Freienwalde (MOZ) Der Landkreis Märkisch-Oderland lässt flächendeckend trotz der aufgrund der Corona-Krise geschlossenen Schulen alle Busse weiterfahren. "Das versteht keiner von uns", sagt ein Busfahrer der Mobus Märkisch-Oderland Bus GmbH in Sorge um seine Gesundheit und die seiner Kollegen.

Das Unternehmen bedient den öffentlichen Personen-Nahverkehr und den Schülerverkehr im südlichen Teil des Landkreises. Im nördlichen Teil ist mit der Barnimer Busgesellschaft (BBG) ein kommunales Unternehmen unterwegs, an dem auch der Landkreis Märkisch-Oderland beteiligt ist.

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Bei den Kollegen rege sich zunehmend Widerstand, sagt der Fahrer, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen wollte. Für sie sei nicht nachvollziehbar, warum die komplette Mannschaft im Einsatz bleibt. Werde einer der Fahrer infiziert, dann müsste nahezu das ganze Personal in Quarantäne. Würde der Landkreis auf Ferienfahrplan umsteigen, seien weniger Busse und damit auch weniger Fahrer gleichzeitig unterwegs. Im Falle einer Infektion könne die Belegschaft die Ausfälle besser abfedern. Sie fürchten um ihre Arbeit, wenn das Unternehmen deshalb seine Aufgabe nicht mehr erfüllen kann. Die Verbindungen innerhalb des Landkreises funktionierten gut. Aber alle anderen Schnittstellen an der Kreisgrenze klappen nicht mehr, da alle angrenzenden Landkreise auf Ferienfahrplan umgestiegen sind und ihre Linien entsprechend verringert haben. Die Geschäftsführung des Unternehmens wollte sich dazu nicht äußern und verwies auf den Landkreis als Auftraggeber.

"Wir wollen so lange es geht, die Horte anfahren, in denen Kinder betreut werden, deren Eltern in systemrelevanten Berufen arbeiten", sagt Jörg Schleinitz vom Wirtschaftsamt des Landkreises und unter anderem verantwortlich für den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). Zudem sollen Menschen, die in systemrelevanten Berufen arbeiten und kein Auto haben, auch weiterhin reibungslos zur Arbeit kommen können.

Täglicher Kontakt

Systemrelevante Berufe sind Tätigkeiten, die trotz Corona-Krise unverzichtbar sind, um das System aufrechtzuerhalten. Diese Menschen arbeiten beispielsweise im Gesundheitswesen, in Apotheken, Teilen der öffentlichen Verwaltung, der Landwirtschaft, in Lebensmittelmärkten oder bei der Polizei. Jörg Schleinitz ist sich bewusst, dass der Landkreis damit an die Schmerzgrenze der Unternehmen geht. Denn mit leeren Bussen zu fahren, bedeutet, dass überhaupt kein Fahrgeld hereinkommt.

Der Landkreis finanziert den Busunternehmen den sogenannten Defizitausgleich, das heißt er übernimmt 50 Prozent der Kosten. Diesen Wert müsse jedes Unternehmen für sich kalkulieren und damit beteilige es sich an der Ausschreibung, so Schleinitz. Bei der derzeitigen schlechten Auslastung der Busse kommen die Busunternehmen womöglich nicht mehr mit dem Defizitausgleich hin, das Minus sei höher als der vom Landkreis bezahlte Betrag.

"Wir stehen täglich mit den Unternehmen in Verbindung", so Jörg Schleinitz. Bei der BBG habe der Landkreis Einblicke, beim Mitbewerber nicht. Er wolle den Busverkehr möglichst bis Karfreitag beibehalten. Dann wären eigentlich Osterferien, so dass anderthalb Wochen Ferienfahrplan gelten. Sollte eines der Busunternehmen signalisieren, dass es bis dahin nicht durchhalte, würde der Landkreis früher auf Ferienfahrplan umstellen. "Aber diese Entscheidung trifft allein der Landrat", sagt Schleinitz.

Sein Unternehmen habe bereits einen Notfahrplan vorgeschlagen, wobei nur die Linien aufrecht erhalten werden, die frequentiert werden. Auf diesen Vorschlag sei aber der Landkreis nicht eingegangen, führte der Fahrer weiter aus.

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Ichfrag Janur 24.03.2020 - 21:56:36

"Das versteht keiner von uns"

Ich kann ja verstehen, dass Sie als Medienunternehmen über das Virus und dessen Auswirkungen auf das öffentliche Leben berichten wollen. Was ich nicht verstehe ist, dass Sie die Aussage eines einzelnen Busfahrers als die der gesamten Belegschaft des benannten Unternehmens ausgeben. Kann es sein, dass Sie wieder nur aufgrund der "Schlagzeile" versäumt haben, den Wahrheitsgehalt der Aussage zu hinterfragen? Ich bin z.B. Fahrgast und wenn ich hier meine Meinung zu dem aktuellen Angebot im ÖPNV mitteile, dann ist das nach Ihrem Verständnis automatisch und stellvertretend die Meinung aller Fahrgäste? Ich habe z.B. noch keine Meinung gehört, die sich dafür einsetzt, dass das aktuelle ÖPNV-Angebot eingeschränkt wird. Es gibt viele Bürger, die nach wie vor normal ihren beruflichen Tätigkeiten nachgehen und dabei eventuell auch in systemrelevanten Berufen tätig sind. Diesen hilft der Ferienfahrplan unter Umständen nicht. Ok, ich bin auch Leser Ihrer Medieninhalte und dass Sie wieder nur Stimmung machen, ohne die tatsächlichen Fakten zu kennen (anonyme Aussage von wem?), "Das versteht von UNS keiner". Man sollte allen Menschen, welche das System gerade am Laufen halten, die größtmögliche Unterstützung bieten, damit diese die Leistung auch erbringen können. Wenn man das Fahrpersonal im ÖPNV schützen möchte, dann sollte man auf einen ausreichenden Abstand achten. Mit einer Reduzierung des Angebotes kann es durchaus dazu kommen, dass Fahrgäste sowohl untereinander oder zum Fahrpersonal nicht mehr den erforderlichen Abstand wahren können. "Das versteht doch wohl jeder von uns!" Sollten Sie mit Ihrem Beitrag, über dessen Wahrheitsgehalt sehr wohl spekuliert werden darf, nun mit dazu beigetragen haben, dass die Verkehrsleistungen noch vor den eigentlichen Ferien reduziert werden, dann bedanke ich mich schon im Voraus bei Ihnen. NICHT.

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