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Corona-Krise
Fahrschule in Bad Freienwalde kämpft ums Überleben

Zum Stillstand gezwungen: Fahrlehrer und Inhaber der Fahrschule König, Patrick Heuser, kann nur hoffen, dass die Corona-Krise ihn und sein Unternehmen mit mehreren Angestellten nicht auf Dauer lahmlegt.
Zum Stillstand gezwungen: Fahrlehrer und Inhaber der Fahrschule König, Patrick Heuser, kann nur hoffen, dass die Corona-Krise ihn und sein Unternehmen mit mehreren Angestellten nicht auf Dauer lahmlegt. © Foto: Jörn Kerckhoff
Jörn Kerckhoff / 25.03.2020, 20:06 Uhr - Aktualisiert 26.03.2020, 08:33
Bad Freienwalde (MOZ) Im Moment optimiere ich im Büro meine Computereinstellungen und erledige andere Arbeiten, zu denen ich sonst nicht komme", erzählt Patrick Heuser nicht ganz ohne Sarkasmus. Heuser ist Inhaber der Fahrschule König in Bad Freienwalde, seit einer Woche stehen seine Fahrzeuge still und auch der Theorieunterricht für seine Fahrschüler ist bis auf Weiteres abgesagt. Es gebe die amtliche Vorschrift, den Betrieb aufgrund der Corona-Pandemie einzustellen, erzählt Heuser. Neben der Beschäftigungstherapie mit seinen Computern muss sich der Fahrschulinhaber auch Gedanken darüber machen, wie er sein Unternehmen über die Zeit der Krise hinaus rettet.

Insgesamt drei Fahrlehrer – einschließlich Heuser selbst – und vier Mitarbeiter auf Basis einer geringfügigen Beschäftigung sind von dem Stillstand betroffen. "Die Mitarbeiter, die als geringfügig Beschäftigte für Arbeiten im Büro angestellt waren, musste ich entlassen", so Heuser. Für die gebe es leider auch kein Kurzarbeitergeld. Da es sich um Schüler handele, die noch im elterlichen Haushalt leben, seien sie aber auch nicht so heftig betroffen. Für sie falle ein Taschengeld weg, um ihre Existenz gehe es aber glücklicherweise nicht, so Heuser.

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Teamgeist wichtig in der Corona-Krise

Anders sehe das bei seinen Fahrlehrern und ihm selbst aus. "Wir müssen jetzt von Monat zu Monat schauen und überlegen, wo wir Kosten einsparen können", berichtet Patrick Heuser. Er habe bereits alle Fahrzeuge abgemeldet, um die Versicherungsgebühren zu sparen, nennt der Unternehmer eine erste Maßnahme. Im Team herrsche ein großer Zusammenhalt, macht Heuser deutlich, dass dieser Aspekt besonders in Krisenzeiten enorm wichtig sei.

Seit Mittwoch können kleine Unternehmen staatliche Hilfe beantragen, diese Möglichkeit will auch Heuser in Anspruch nehmen. Und natürlich müsse er Kurzarbeitergeld für seine Fahrlehrer beantragen. "Es braucht jetzt viel staatliche Hilfe, sonst wird es eine Welle an Insolvenzen geben", befürchtet Heuser. Die Folgen der Corona-Pandemie könnten jetzt noch gar nicht abgesehen werden, lautet seine Einschätzung. Seine Fahrschule sieht er für die nächsten Monate gut aufgestellt, irgendwann gehe es aber auch ums Überleben.

Fahrschüler ebenfalls betroffen

Aber natürlich ist nicht nur die Fahrschule selbst betroffen, sondern auch die Fahrschüler. Viele Jugendliche, die sich bei ihm angemeldet haben, hätten sich darauf gefreut, bald mit dem Moped unterwegs sein zu können. Das falle erst einmal weg und sei vielleicht auch noch zu verkraften. Schlimm sei es aber für jene, die im Herbst eventuell eine Ausbildung beginnen, bei der sie auf einen Führerschein angewiesen seien – sei es, um zur Arbeit zu pendeln oder sogar für den Beruf selbst. Denn natürlich gibt es Berufe, in denen ein Führerschein vom Arbeitgeber verlangt wird. All jene, die dafür jetzt keinen Führerschein machen können, seien hart getroffen, weiß Heuser. Und noch weitreichender auch die Unternehmen, die auf die Mobilität ihrer künftigen Mitarbeiter setzen. Ausnahmeregelungen sehen die staatlichen Verordnungen nicht vor, so Heuser. Das sei im Moment wohl auch richtig so, denkt auch der Unternehmer in Patrick Heuser zunächst mal pragmatisch. Er hofft aber, dass der Spuk nicht ewig dauert und sich die Räder bald wieder drehen können – nicht nur aber auch die an den Fahrzeugen seiner Fahrschule.

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