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Corona-Krise
Großwäscherei in Bad Freienwalde hart von Grenzschließung getroffen

Krisenplan: Die Großwäscherei Perfekta in Bad Freienwalde muss ihre Arbeitsläufe umstellen. Grund dafür ist, dass 48 ihrer polnischen Mitarbeiter wegen der Grenzschließung seit heute nicht mehr zur Arbeit kommen können.
Krisenplan: Die Großwäscherei Perfekta in Bad Freienwalde muss ihre Arbeitsläufe umstellen. Grund dafür ist, dass 48 ihrer polnischen Mitarbeiter wegen der Grenzschließung seit heute nicht mehr zur Arbeit kommen können. © Foto: Wolfgang Rakitin
Jörn Kerckhoff / 26.03.2020, 19:53 Uhr
Bad Freienwalde (MOZ) Wir werden den Betrieb aufrechterhalten, aber dafür müssen wir uns jetzt neu organisieren." Peter Wende, technischer Leiter der Großwäscherei Perfekta in Bad Freienwalde, weiß, dass die Arbeit in dem Unternehmen ab heute eine andere sein wird. Die Schließung der Grenzen nach Polen, die seit heute 0 Uhr auch für Berufspendler gilt, macht die Abläufe in der Wäscherei noch komplizierter, als sie es zuletzt ohnehin schon waren. Der technische Leiter macht jedoch deutlich, dass die Kunden der Perfekta – darunter viele Krankenhäuser in Brandenburg und Berlin – auch weiterhin mit Wäsche beliefert werden.

40 Prozent der Belegschaft weg

60 der 120 Mitarbeiter kommen aus Polen, ein Großteil von ihnen fehlt nun erst einmal. "Für neun polnische Mitarbeiter aus der Produktion und drei Fahrer haben wir Unterkünfte in Bad Freienwalde organisiert", berichtet Wende. Die anderen 48, darunter viele junge Mütter, würden aber daheim in Polen gebraucht und fielen daher für unbestimmte Zeit aus, so der technische Leiter. Das sind 40 Prozent der Belegschaft, "eine ganze Schicht fällt weg", macht Peter Wende deutlich. Auf die restlichen Mitarbeiter komme damit eine große Belastung zu. "Wir haben die Arbeitszeit verlängert und unsere Arbeitsabläufe angepasst", erklärt Wende, wie der Betrieb aufrechterhalten werden soll. Schließlich müsse gerade jetzt die Belieferung der Krankenhäuser mit sauberer Bettwäsche und Arbeitskleidung sichergestellt werden, stellt Peter Wende die Bedeutung der Großwäscherei in Zeiten der Pandemie heraus.

Zu den Umstellungen gehöre auch, dass die Verwaltungsarbeit auf ein Minimum reduziert worden sei. Katrin Krähnke und Anke Wagner, beide als Fachberaterinnen in der Verwaltung tätig, helfen nun in der Produktion mit. Ihre Karriere im Unternehmen haben beide dort begonnen, sie kennen die Abläufe im Betrieb, müssen also nicht erst eingearbeitet werden. Damit sind sie eine wichtige Unterstützung.

Außerdem würden verzichtbare Arbeitsschritte aktuell auch ausgelassen, berichtet Peter Wende weiter. Die Reinigung und Desinfektion der Wäsche werde natürlich auf dem üblichen Niveau beibehalten, versichert Wende, die Wäschestücke würden aber nicht mehr ganz akkurat zusammengelegt, sondern einfach in Containern ausgeliefert, um die Produktion mit dezimierter Mannschaft aufrechtzuerhalten.

Weitere Maßnahmen denkbar

Außerdem habe Geschäftsführer Matthias Kühn bereits angekündigt, dass er gegebenenfalls auch Mitarbeiter aus anderen Unternehmen – Kühn ist unter anderem auch noch für eine Gebäudereinigungsfirma verantwortlich – abziehen und nach Bad Freienwalde schicken könnte, falls sich abzeichnen sollte, dass die jetzt getroffenen Maßnahmen nicht ausreichen.

Bereits die Grenzschließung für den normalen Verkehr hatte die Perfekta vor eine große Herausforderung gestellt. Da der Grenzübergang Hohenwutzen von den polnischen Behörden komplett dicht gemacht wurde, mussten die polnischen Mitarbeiter bereits große Umwege auf dem Weg zur Arbeit und nach Hause auf sich nehmen. Auch dies hatte die Arbeit im Betrieb schon erschwert, erzählte Katrin Krähnke gegenüber der MOZ. Die komplette Schließung aller Grenzübergänge verschärfe die Situation aber jetzt nochmal deutlich, so Peter Wende.

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