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Pferdesportler im Wartestand

Mit dem nötigen Abstand voneinander unterwegs: Paula Günther (links) auf Cassandra und Paul Schröder auf Lisabell allen Widrigkeiten zum Trotz gut gelaunt beim knapp einstündigen Bewegungsritt mit ihren Vierbeinern.
Mit dem nötigen Abstand voneinander unterwegs: Paula Günther (links) auf Cassandra und Paul Schröder auf Lisabell allen Widrigkeiten zum Trotz gut gelaunt beim knapp einstündigen Bewegungsritt mit ihren Vierbeinern. © Foto: Udo Plate/MOZ
Udo Plate / 31.03.2020, 05:30 Uhr
Altranft (MOZ) Reitsportfreunde in der hiesigen Region müssen sich statt spannender Wettbewerbe in diesem Frühjahr am letzten April-Wochenende nach Alternativen umschauen: Der RFV Altranft hat seinen Jahreshöhepunkt, das Eröffnungsturnier der Freiluftsaison vom 24. bis 26. April abgesagt. Es wird in diesem Jahr kein Reitturnier in Altranft geben.

"Das ist aus unserer Sicht eine traurige Nachricht", bedauerte der Vereinsvorsitzende Hartmut Raeck am Sonnabend nochmals die Entscheidung auf dem Altranfter Oderlandhof Groth. "Schweren Herzens haben wir uns dazu entschieden, die30. Auflage unseres Reitturnieres abzusagen. Aktuell ist die Lage einfach zu ungewiss, und wir wollen unseren Beitrag dazu leisten, das Coronavirus einzudämmen", so der Altranfter Vorstands-Chef.

"Wir waren mit den umfangreichen Vorbereitungen im Soll. Neben den gärtnerischen Tätigkeiten rund um den Parcours, lag das Hauptaugenmerk auf reitsportspezifischen Arbeiten. Die Tradition der Eröffnung der  Grünen Saison, der eigentlich anstehenden Freiluftturniere also, hat sich in Altranft fest etabliert. Dementsprechend hatten bereits Nennungen aus Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Sachsen-Anhalt vorgelegen.  Dennoch halten sich die bisherigen Kosten für unseren kleinen Verein in Grenzen, da wir uns rechtzeitig entschlossen haben in den sauren Apfel der Absage zu beißen", erläuterte  Sabine Groth, die stellvertretende Vereinsvorsitzende, den Zwischenstand der nun abrupt gestoppten Vorbereitungen.

Der wirtschaftliche Schaden für den kleinen Club hält sich also in überschaubaren Grenzen, dafür steht aber die vertraute Regelmäßigkeit im  Pferdesport-Alltag derzeit nachhaltig auf dem Prüfstand. Bei den Aktiven Paula Günther und Paul Schröder bestimmte in den ersten zweieinhalb Monaten des Jahres der Reitsport die komplette Freizeit. Die beiden Klassenkameraden des Wriezener Johanniter-Gymnasiums verbrachten bis vor wenigen Tagen mindestens vier Nachmittage auf dem Oderlandhof Groth um sich mit Cassandra und Lisabell mit Nachdruck auf die am 24. April startende Grüne Saison vorzubereiten. "Das Corana-Virus hat meine sportliche Planung und bisherige Trainingsarbeit nachhaltig über den Haufen geworfen", macht die nun im Wartestand verweilende 14-jährige Reiterin Paula Günther aus ihrem Herzen keine Mördergrube.

Das gilt auch für Paul Schröder, der in den Wintermonaten mit Lisabell bei erhöhtem Training sowie erfolgreichen Starts bei Hallenturnieren in Neustadt/Dosse und Münchehofe dem Freiluftstart entgegenfieberte. "Meinen individuellen Pferdesport-Traum muss ich erst einmal verschieben", so das hoffnungsvolle Altranfter Eigengewächs.

Mutmacher Andreas Groth

Den Umgang mit der Corona-Krise sieht Oderlandhofbetreiber Andreas Groth schon als eine gewaltige Herausforderung. "Es sind derzeit fraglos schwierige Zeiten.  Der Sport, auch der Reitsport, ist ein wichtiger Teil des gesellschaftlichen Miteinanders. Von jetzt auf gleich ist der Betrieb fast ganz eingestellt und natürlich gibt es Ungewissheit sowie Zukunftsängste, die belastend sind. Aber wir müssen dennoch respektvoll und tolerant im Umgang miteinander bleiben. Ich bin der festen Überzeugung, dass trotz aller vorherrschenden Probleme schon zu Pfingsten das Turnier des RFV Wustrow stattfinden wird", präsentiert sich Groth als Mutmacher.

Auch auf dem Reiterhof von Erik Schubert, der Gorgaster Heimstätte des Pferdesportvereins Oderland, ruht die Trainingsarbeit komplett. Für den Tausendsassa in Sachen Pferdesport ist dieser Umstand schon ein Problem. In erster Linie ein wirtschaftliches, da Schubert seine Brötchen gerade in der Grünen Saison als Parcoursbauer verdient. "Im Reitstall geht alles, wenn auch nur auf Sparflamme, mehr oder weniger seinen geregelten Gang. Zwar gibt es keinen Trainingsbetrieb, aber die Sportpferde werden bewegt. Es dürfen, wie auf allen anderen Anlagen, Höfen und Ställen immer nur zwei Pferdebesitzer gleichzeitig sich mit ihren Vierbeinern beschäftigen, aber das geht in diesen schwierigen Zeiten schon. Ich kann mich nun Dingen widmen, die bei laufendem Betrieb schon einmal hinten anstanden. Sei es nun Arbeiten auf den Koppeln oder an Hindernissen. Und dies nicht im stillen Kämmerlein, sondern unter freiem Himmel an der frischen Luft. Zudem habe ich die Ausbildung der Nachwuchs-Sportpferde intensiviert. Aber die Versorgung der Pferde klappt bestens", so der Vorsitzende des Kreisreiterverbandes Märkisch-Oderland.

Geldquellen sprudeln kaum

"Aber es stimmt schon, dass aktuell Geldquellen versiegen, da sich der Reitsport komplett im Stillstand-Modus befindet. Vor allem durch die polnische Grenzschließung habe ich beträchtliche Ausfälle, schließlich bin ich jenseits der Oder bei unzähligen Hallen- sowie Freiluftturnier als Parcoursbauer gebucht, die nun allesamt abgesagt wurden. Ich bin jedoch sicher, das wird schon wieder. Also halten wir uns an die auferlegten Regeln, lassen uns nicht entmutigen und sehen hoffnungsfroh in die Zukunft", so das Schlusswort des Naturoptimisten Schubert.

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