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Fahrzeugdiebstahl
Bewährungsstrafe in Bad Freienwalde für Autoschieber

Bewährungsstrafe am Amtsgericht Bad Freienwalde für einen Kurier, der ein gestohlenes Auto nach Osteuropa bringen sollte. (Symbolfoto)
Bewährungsstrafe am Amtsgericht Bad Freienwalde für einen Kurier, der ein gestohlenes Auto nach Osteuropa bringen sollte. (Symbolfoto) © Foto: Nadja Voigt/MOZ
Nadja Voigt / 20.05.2020, 18:03 Uhr - Aktualisiert 20.05.2020, 20:49
Bad Freienwalde (MOZ) Das ist kein Freispruch", mahnte der Richter am Mittwoch bei der Verhandlung am Bad Freienwalder Amtsgericht während der Urteilsbegründung.

Eindringlich wandte er sich an den jungen Mann, der nun wegen versuchter bandenmäßiger Hehlerei und Urkundenfälschung verurteilt ist, nach dem das Gericht die zweijährige Haftstrafe zur Bewährung ausgesetzt hatte. Damit folgte es dem Antrag der Staatsanwaltschaft, während die Verteidigung auf ein Jahr und sechs Monate plädiert hatte.

Über Bewährung einig

Über die Bewährungsstrafe – wie auch das Aufheben des Haftbefehls – waren sich alle Parteien einig: Dafür sprachen, dass der Mittdreißiger eingeräumt und gestanden hatte, ein gestohlenes Auto aus Belgien als Fahrer im Raum Duisburg übernommen zu haben, um es über die polnische Grenze nach Osteuropa zu schaffen. Davon hielten ihn im Dezember Beamte an der Grenze in Hohenwutzen ab. Da er das rund 30 000 Euro teure Fahrzeug mit gefälschten Kennzeichen ausgestattet hatte, kam der Tatvorwurf der Urkundenfälschung dazu. Beides räumte der Angeklagte ein. Die Untersuchungshaft, in der er seit Dezember vergangenen Jahres sitzt, hätte ihn beeindruckt und belastet, schilderte sein Anwalt. Zusätzlich hätte er, bedingt durch die Corona-Krise, nicht einmal Besuch empfangen können. Auch das wertete das Gericht als strafmildernd. Ebenso wie die Tatsache, dass der Angeklagte einen Job in Aussicht hat und zu seiner Familie zurückkehren wird. Strafverschärfend fielen der hohe Wert des Autos, die Einordnung der Tat als Bandenkriminalität sowie die einschlägigen Haftstrafen aus dem Heimatland ins Gewicht. Dafür trat er in Deutschland strafrechtlich noch nicht in Erscheinung. Und, gab sein Anwalt zu bedenken, mit den Auszügen aus dem Heimatland des Angeklagten müsse man vorsichtig umgehen, da dort schneller und auch für Bagatellen bereits hohe Haftstrafen verhängt würden.

Mit vier Jahren fällt die Bewährungszeit im Verhältnis sehr lang aus: "Das ist der größte Knoten in diesem Prozess", fand der Richter ein Bild. Nur ausnahmsweise und unter Zurückstellung erheblicher Bedenken, auch weil die U-Haft einen Umdenkprozess beim Angeklagten bewirkt habe, hätte das Gericht überhaupt eine Bewährungsstrafe in Betracht gezogen. "Ich werde ohne zu zucken die Bewährung widerrufen", wandte er sich direkt an den Täter. "Wenn Sie in meinem Gerichtsbezirk noch einmal eine Straftat begehen, dann werden Sie drei, vier oder fünf Jahre Haft verbüßen." Der Prozesstag hinterlasse vielleicht ein befreiendes Gefühl, dass es noch mal gut gegangen sei. "Aber das Spiel ist erst in vier Jahren aus", sagte der Richter. "Der heutige Tag muss ein endgültiger Schlussstrich sein, wenn Sie Ihr künftiges Leben nicht in Justizvollzugsanstalten verbringen wollen."

Der Prozess fand am Mittwoch im Amtsgericht Bad Freienwalde unter besonderen Schutzmaßnahmen in Zusammenhang mit der Corona-Krise statt: Sowohl der Richter als auch die Schöffen, der Staatsanwalt, der Verteidiger und sein Mandant, die Übersetzerin als auch die Justizbeamten trugen während der gesamten Verhandlung einen Mund-Nasen-Schutz, die Protokollantin einen Gesichtsschutz. Die angedachten Trennwände für den Richtertisch werden erst in den kommenden Tagen angebracht.

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