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Corona
Paketmengen wie Weihnachten für Zusteller in Seelow

Paket-Mengen wie in der Weihnachtszeit verteilen derzeit die Postzusteller in Seelow. Dabei ist Doreen Hohmann mit ihrem StreetScooter in der Seelower Pfirsichstraße leise und umweltschonend unterwegs. Die Elektro-Fahrzeuge wurden einst von Zustellern mitentwickelt. Etwa 10 000 sind heute überwiegend in Deutschland im Einsatz.
Paket-Mengen wie in der Weihnachtszeit verteilen derzeit die Postzusteller in Seelow. Dabei ist Doreen Hohmann mit ihrem StreetScooter in der Seelower Pfirsichstraße leise und umweltschonend unterwegs. Die Elektro-Fahrzeuge wurden einst von Zustellern mitentwickelt. Etwa 10 000 sind heute überwiegend in Deutschland im Einsatz. © Foto: Anett Zimmermann/MOZ
Anett Zimmermann / 22.05.2020, 17:27 Uhr - Aktualisiert 22.05.2020, 20:56
Seelow (MOZ) Doreen Hohmann hält an diesem Tag kurz nach zwölf Uhr mit ihrem StreetScooter in der Seelower Pfirsichstraße. Aus einer der beiden Kisten auf dem Beifahrersitz nimmt sie ein paar Briefe. Dann steigt sie aus und öffnet die Schiebetür zur Ladefläche, holt ein Päckchen heraus. Die 49-Jährige arbeitet seit 33 Jahren bei der Deutschen Post. Ihr Fahrzeug hat sie im Zustellstützpunkt in Vierlinden beladen. "Ich bin in der zweiten Welle", sagt sie. Dienstbeginn sei damit zehn Uhr.

Da sind die Kollegen der ersten Welle schon raus aus Vierlinden. "Auch wir mussten auf das Virus reagieren", erläutert Jennifer Schrader. Sie ist Betriebsleiterin in Fürstenwalde und damit für 560 Zusteller an acht Standorten in Ostbrandenburg zuständig. Mehr als die Hälfte seien Frauen.

Mehr Pakete als sonst

Vierlinden ist dabei ein besonderer Zustellstützpunkt. Es ist der einzige in Brandenburg, in dem seit zwei Jahren komplett auf Elektromobilität gesetzt wird. "Ich wollte den StreetScooter damals sofort", sagt Doreen Hohmann. Nicht nur, weil sie Teamleiterin sei und damit eine Vorbildfunktion zu erfüllen habe. "Ich möchte das Fahrzeug wirklich nicht missen", erklärt sie und begründet dies vor allem mit praktischen Dingen: "Das Beladen ist viel einfacher, vor allem rückenfreundlicher, und wir haben mehr Platz für Pakete." Das sei gerade in diesen Tagen wichtig. "Mir ist wie Weihnachten", sagt sie mit Blick auf die Menge. Auch Ostern habe sich in diesem Jahr stärker bemerkbar gemacht.

Kunden hätten sie deshalb bereits bedauert. Anderen sei aufgefallen, dass sie jetzt später als sonst komme. Aber das Verständnis sei groß. Wegen des Coronavirus habe man auf kontaktlose Übergabe umgestellt und halte Abstand. Doch das sei mitunter gar nicht so einfach, sagt Doreen Hohmann. "Vor allem von den Älteren, die immer zu Hause sind, bekommt man ja eine Menge mit, ihre Sorgen und Nöte, nimmt sie auch schon mal in den Arm. Aber das geht jetzt leider nicht."

Vor sieben Jahren ist Doreen Hohmann von Fürstenwalde nach Vierlinden gewechselt. Dass der Stützpunkt ein paar Kilometer näher zu ihrem Wohnort Waldsieversdorf liegt, sei nur ein schöner Nebeneffekt. "Es gibt hin und wieder Änderungen, das ist ganz normal", bestätigt Jennifer Schrader und weiß, dass von Vierlinden aus auch die meisten Kilometer mit einem StreetScooter zurückgelegt werden. "Eine Kollegin, die bis ins Oderbruch unterwegs ist, fährt 130 Kilometer am Tag."

Alle Zusteller seien mit Mund-Nasen-Schutz ausgestattet worden, könnten aber auch eine eigene Maske tragen. Sehen würde man das am ehesten im Zustellstützpunkt. "Da haben alle eine Maske um, die sie bei Bedarf schnell hochziehen", berichtet die Betriebsleiterin. Etwa, wenn Hilfe beim Umpacken von Paketen und Beladen der Fahrzeuge benötigt wird, Abstand nur schwer einzuhalten ist.

Bei der Zustellung entscheiden die Mitarbeiter dann selbst. "Sie haben jetzt auch Desinfektionsmittel sowie einen Kanister mit Wasser und Seife dabei", erläutert Jennifer Schrader, während Doreen Hohmann ihre Tour bereits fortsetzt. "Die ersten ein, zwei Wochen ab Mitte März waren für uns alle eine Herausforderung", sagt die Betriebsleiterin und freut sich, dass die Zusteller so gut mitziehen.

Corona-Hotline eingerichtet

Eine Mitarbeiterin habe sich mit dem Verdacht, sich infiziert zu haben, bereits aus dem Winterurlaub gemeldet und sich in Quarantäne begeben. "Auch sonst haben die Kollegen verantwortungsbewusst reagiert und sind zu Hause geblieben, wenn sie sich nicht gefühlt haben." Bei Fragen hätten sie sich alle an eine extra mit der Personalabteilung eingerichtete Corona-Hotline wenden können. Kurz diskutiert worden sei zudem die Sonntagszustellung. Aber dafür seien die Hürden des Gesetzgebers hoch. Vor Weihnachten, so gibt Jennifer Schrader zu bedenken, würden stets noch zusätzliche Kräfte eingestellt.

Alles über das Coronavirus und seine Folgen für Brandenburg und Berlin in unserem Corona-Blog.

Zahlen und Faktenzur Zustellung

In Vierlinden arbeiten 49 Zusteller, darunter 33 Frauen. Sie beliefern etwa 18 000 Haushalte in der Region, die sich bis nach Müncheberg, Neutrebbin und Reitwein erstreckt.

Auf allen Touren sind die Zusteller hier mit Elektrofahrzeugen unterwegs – 28 sogenannten StreetScootern. In Straus­berg sind unter anderem auch E-Bikes und E-Trikes im Einsatz.

Übrigens Päckchen und Pakete lassen sich in Märkisch-Oderland über 13 Packstationen, darunter in Seelow und Müncheberg, kontaktfrei und flexibel verschicken.

Mehr Infos: www.postfinder.de.⇥azi

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