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Umweltschutz
Hilfe für Bad Freienwalder Stadtbienen

Jacqueline Westermann / 23.05.2020, 05:00 Uhr - Aktualisiert 23.05.2020, 14:10
Bad Freienwalde/Berlin (MOZ) In ihrem Buch "Die Geschichte der Bienen" zeichnet Maja Lunde ein düsteres Bild: Aus drei Perspektiven beleuchtet sie die Entwicklung der Biene als Nutztier über knapp drei Jahrhunderte, kulminierend in der fiktiven Dystopie des Jahres 2098, wo es von Bienen keine Spur mehr gibt und der Mensch die Bestäubungsarbeiten vornehmen muss.

Probleme sind vom Menschen gemacht

"Das ist schon etwas überspitzt dargestellt, aber auch nicht völlig absurd", sagt Johannes Weber über Lundes Roman. Der 35-Jährige ist Gründer des gemeinnützigen Berliner Vereins "Stadtbienen", der sich der ökologischen Haltung von Bienen verschrieben hat. "Die Bienen können ohne die Betreuung des Menschen nicht mehr überleben", argumentiert Weber. Faktoren, die zum zunehmenden Sterben der Honigbienen beitragen, sind auf den Menschen zurückzuführen: die Pestizidbelastung und Monokultur in der Landwirtschaft sowie die Entwicklung der Imkerkultur.

Der Mensch sehe die Biene nur noch als Nutztier, das möglichst viel Honig liefert. "Das primäre Ziel hinter der Bienenhaltung ist der maximale Honigertrag", sagt Weber. "Man hat immer mehr aus dem Blick verloren, was braucht eigentlich die Biene?" Im Laufe der Jahrhunderte wurde im Interesse der Bienenhalter optimiert, Behausungen angepasst und die Bienenvölker selektiert, die den Erwartungen entsprachen. So variiert zum Beispiel die Zeit, die ein Bienenvolk zum gegenseitigen Putzen aufwendet. Das brauche viel Zeit; Zeitverlust bedeutet aber auch weniger Honig. "Also wird ein Imker eher das Volk auswählen, das sich nicht so stark putzt und dafür mehr Honig holt. Damit hat er eine Entscheidung getroffen, dass er das Volk fördert, das viel Honig produziert", erklärt Johannes Weber. "Dieses Putzen hat aber ganz große Vorteile für die Bienen, dass sie zum Beispiel viel resistenter sind gegen solche natürlichen Feinde wie die Varroamilbe." Der Parasit wurde in den 1970er Jahren aus Asien eingeschleppt. Durch das Einsetzen von Pestiziden haben Honigbienen keine Möglichkeiten, Resistenzen zu entwickeln; der Mensch übernimmt das Abtöten der "Feinde".

"Wenn morgen alle Imker ihr Handwerk niederlegen und sagen, ‚Ok, ich betreue jetzt keine Bienenvölker mehr‘, dann kann es gut sein, dass in einem Jahr 80 Prozent der Bienenvölker tot sind", sagt der Stadtbienen-Gründer. Die kleine überlebende Population würde sich allerdings erholen und Resistenzen entwickeln. Es gäbe dann wieder Honigbienenvölker, die wild überlebensfähig wären. "Für die Bienen wäre das das Beste", merkt Weber an.

Seminare in der Malche

Weber lebt seit zwei Jahren in Bad Freienwalde und will hier vor Ort aktiv werden – in der Malche. "Beziehungsweise in den darumliegenden Wäldern", ergänzt Weber. Mit Förster Christoph Nass habe man "fünf Bäume ausgewählt, in denen eine Baumhöhle geschaffen wird", erklärt er. In diese werden Bienenvölker eingesetzt, um genau eine Sache zu verwirklichen: Dass es wieder Honigbienen gibt, die unabhängig vom Menschen leben können. "Man möchte einen Kosmos schaffen, in dem die Bienen wieder für sich selber sorgen können", heißt es bei Johannes Weber. "Dafür bringen wir Bienenvölker in ihr natürliches Habitat zurück, in den Wald", so Weber. Nicht nur in den Wald, sondern in den Baum, "die ursprünglichste Behausung der Bienen".

Zusätzlich sollen in der Malche Seminare veranstaltet werden. An denen können alle teilnehmen, die sich für die Rückführung von Bienen in den Wald interessieren oder Näheres zur Zeidlerei erfahren wollen. Letzteres ist eine Form der Honigsammlung aus dem Mittelalter, bei der Bienen in Bäumen statt in Bienenstöcken gehalten werden.

Weltbienentagam 20. Mai

Seit 2018 wird am 20. Mai der Weltbienentag gefeiert. Dieser geht auf eine Initiative der slowenischen Regierung zurück, die vor zwei Jahren in einer Resolution der Generalvollversammlung der Vereinten Nationen mündete. Der 20. Mai wurde gewählt, da es der Geburtstag von Anton Janša, dem slowenischen Pionier moderner Bienenhaltung, ist. Der "World Bees Day" (Weltbienentag) soll die Bedeutung der Insekten für die Bestäubung und folglich das Überleben unseres Ökosystems unterstreichen. Darüber hinaus soll der Tag auf die Bedrohung der Arten durch den Menschen aufmerksam machen. ⇥jw

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