Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Ausfall wegen Corona
Große Enttäuschung über abgesagte Jugendweihen in MOL

Martin Stralau / 30.06.2020, 17:07 Uhr - Aktualisiert 01.07.2020, 06:55
Strausberg (MOZ) Bis zum vergangenen Wochenende war die Welt für die 14-jährigen Zwillinge von Jacqueline Dimitriou aus Strausberg noch in Ordnung. Voller Vorfreude blickten ihre Tochter und ihr Sohn auf den 19. September, den Tag, an dem sie im Bürgerhaus in Neuenhagen ihre Jugendweihe feiern wollten.

Dann erreichte die Familie ein Brief des ausrichtenden, in ­Strausberg sitzenden Vereins Märkische Jugendweihe, in dem dessen Vorsitzende Doris Domann mitteilte, das diese und alle anderen Feierstunden im Bürgerhaus und im Kulturhaus Rüdersdorf komplett abgesagt wurden. "Das war die schwerste Entscheidung, die unser Vorstand jemals getroffen hat", schrieb Doris Domann über den am 18. Juni gefällten Beschluss. Als Begründung nannte sie die "Verordnung über den Umgang mit dem SARS-CoV-2-Virus und Covid-19 in Brandenburg" vom 12. Juni und entsprechend angepasste Hygienekonzepte der Gemeinden Neuenhagen und Rüdersdorf für ihre Kulturhäuser.

Brief an die Redaktion

In einem emotionalen Brief an die Redaktion der MOZ haben Jacqueline Dimitriou und ihre Tochter versucht, ihre Enttäuschung in Worte zu fassen. Neben allen Kritikpunkten, die sie darin äußern, sei der Schwerwiegendste, dass die Jugendweihe als solche entfalle, da dieser Tag ein besonderer Höhepunkt im Leben der Heranwachsenden sei, betont die Mutter. Vieles sei vor dem Hintergrund der Pandemie nachvollziehbar. Dass dem Vorstand die Entscheidung schwer gefallen sei, nehme sie ihm aber nicht ab. "Es ist der leichteste Weg, den man hier geht", schreibt sie und erinnert an unzählige andere Veranstaltungen, die trotz Corona in einem anderen würdigen Rahmen abgehalten wurden. Als Beispiel nennt sie die feierliche Zeugnisübergabe des Theodor-Fontane-Gymnasiums in ­Strausberg anstelle des abgesagten Abiballs.

Jacqueline Dimitriou ärgert, dass nicht andere Möglichkeiten genutzt werden wie eine Kürzung der Veranstaltung oder eine Feierstunde unter freiem Himmel, um die Abstandsregeln besser einhalten zu können. Kein Verständnis hat sie dafür, dass der Verein sich zwei Monate nicht meldete, nachdem er die Feier im April noch von Mai auf September verschoben hatte. Und schließlich sei vom Verein nicht transparent dargelegt worden, warum von 175 Euro nur die 90 Euro für die Feierstunde zurückerstattet werden. Dabei sei nicht berücksichtigt worden, dass auch ein Teil der vorbereitenden Jugendstunden ausgefallen ist.

Doris Domann erklärt auf Nachfrage, dass sich die Vereinsarbeit aus den Teilnehmergebühren finanziert. Das sei auch in der Satzung so festgelegt. "Das müssen wir in Zukunft vielleicht noch deutlicher machen." Ein Großteil sei für die Feierstunden gedacht. "Weil diese ausfallen, wird er zurückerstattet." Der Rest des für das gesamte Jugendweihe-Jahr berechneten Geldes sei für den Erhalt der Geschäftsstelle vorgesehen, die sich um das ganze Drumherum kümmere. Für Personalkosten, Büromiete, Mieten für Räumlichkeiten der Jugendstunden, Vorbereitung der Feierstunde etc. würden pro Monat 3000 Euro benötigt, sagt sie und betont, dass ein Großteil der Jugendstunden, die jeder Teilnehmer freiwillig nutzen könne, im Preis inbegriffen sei.

Für die geplanten zehn Feierstunden (acht in Neuenhagen, zwei in Rüdersdorf) hatten Doris Domann zufolge 414 Jugendweihe-Teilnehmer zugesagt. "Um Abstands- und Hygieneregeln einhalten zu können, hätten wir 30 Feierstunden durchführen müssen. So viele Termine hätten wir gar nicht bekommen", sagt sie. "Die Kosten wären explodiert." Feiern im Freien wären eventuell und bei einem längeren Vorlauf denkbar gewesen. Dagegen habe nicht nur die Unsicherheit durch das Herbstwetter gesprochen, sondern auch der logistische Aufwand. "Wir haben ja keine eigene Bestuhlung und Technik."

Dass die Eltern zwei Monate nicht informiert wurden, "lag da­ran, dass es nichts Neues zu berichten gab. Die, die zwischendurch angerufen oder uns geschrieben haben, haben den Hinweis erhalten, dass wir Ende Juni eine Entscheidung treffen, wie es weitergeht", sagt Doris Domann. Neben Beschwerden habe es auch viele Eltern gegeben, die die Entscheidung verständnisvoll aufgenommen hätten.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
© 2020 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG