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Fahrplan-Wirrwarr
Es fährt ein Zug von Bad Freienwalde nach Nirgendwo

Pünktlich: Schienenersatzverkehr der Niederbarnimer Eisenbahngesellschaft (NEB) um 14.24 Uhr am Bad Freienwalder Bahnhof. Den von den Bahn ausgewiesenen Bus um 5.24 Uhr gab es jedoch nie.
Pünktlich: Schienenersatzverkehr der Niederbarnimer Eisenbahngesellschaft (NEB) um 14.24 Uhr am Bad Freienwalder Bahnhof. Den von den Bahn ausgewiesenen Bus um 5.24 Uhr gab es jedoch nie. © Foto: Steffen Göttmann
Steffen Göttmann / 29.07.2020, 19:57 Uhr
Bad Freienwalde (MOZ) Thomas Schirmer wollte vergangene Woche  von Bad Freienwalde nach Halle/Saale über Eberswalde und Berlin fahren. Er lebt in  Cottbus und besuchte seine Eltern in Hohenwutzen. Schirmer buchte sich auf bahn.de eine Fahrkarte. Als Abfahrt war 5.24 Uhr ab Bad Freienwalde angegeben, Ankunft in Eberswalde 6 Uhr, dort Abfahrt 6.27 Uhr in Richtung Berlin. Ankunft in Halle 8.50 Uhr.

Auf der Strecke der Regionalbahn  RB 60 zwischen Bad Freienwalde und Eberswalde wird gebaut und die Niederbarnimer Eisenbahngesellschaft  (NEB) hat einen Schienenersatzverkehr eingerichtet. Deren Fahrplan sieht jedoch um 5.24 Uhr keine Abfahrt vor. Tatsächlich fährt zwischen 4.38 und 6.09 Uhr gar kein Bus in Richtung Eberswalde.

Schirmer hatte diese Abfahrtszeit gewählt, weil er schwerbehindert ist und den Mobilitätsservice der Bahn in Anspruch nehmen muss. Dieser sei aber erst ab 6 Uhr in Eberswalde möglich, sagte er. Um sicher zu gehen, dass alles klappt, überprüfte er die Fahrt vorher nochmal. Dabei stellte er fest, dass es die von der Bahn angekündigte Verbindung ab Bad Freienwalde nicht gibt.

Letztlich musste er mit dem Taxi nach Eberswalde fahren, um um  6.27 Uhr den RE3 nach Berlin zu erreichen. Die Fahrt kostete ihn 49 Euro. Die Fahrt hat er nun doppelt bezahlt, an die Bahn und an das Taxiunternehmen.

Weder Bahn noch Niederbarnimer Eisenbahngesellschaft (NEB) wollten auf Anhieb die Verantwortung übernehmen. "Es wurde kein Fehler festgestellt", erklärte ein Bahnsprecher auf MOZ-Anfrage. Als Beispiel nannte er die Verbindung vom 22. Juli, die korrekt den "Bus SEV" (Schienenersatzverkehr) anzeigt. "Zu den Themen SEV-Bus, Taxinutzung und -erstattung können wir als Deutsche Bahn nichts sagen, da dies in den Verantwortungsbereich des Beförderers (=NEB) fällt", erklärte der Bahnsprecher.

"Die NEB plant langfristig bei anstehenden Infrastrukturmaßnahmen die Verkehrsänderungen und übermittelt die geänderten Fahrplandaten an die verschiedenen Auskunftssyteme", erklärte Corinna Schultheiß, Leiterin Marketing und Vertrieb der NEB. "Beim Busersatzverkehr auf der Linie RB 60 handelte es sich um eine langfristig geplante Baumaßnahme. Die Übermittlung der Fahrplandaten an die Auskunftssysteme erfolgte durch die NEB bereits im April 2020", führte sie weiter aus.

Wann genau der Ersatzverkehr mitgeteilt wurde, sei nicht mehr zweifelsfrei zu rekonstruieren. "Wir konnten aber sowohl beim VBB (Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg) als auch unserem internen Auskunftssystem eine korrekte Anzeige der Fahrplanänderung feststellen", so die Leiterin. Übrigens gabb es auch vor der Umstellung auf Schienenersatzverkehr nie einen Zug um 5.24 Uhr.

Schirmer habe vor der Fahrt dem NEB- Kundencenter den Sachverhalt geschildert. Das Unternehmen habe ihm aufgrund seiner Einschränkung den alternativen Mobilitätsservice angeboten, den er allerdings ausgeschlagen habe. Inwieweit Taxikosten erstattet werden, könne im Rahmen der Fahrgastrechte geklärt werden, so die NEB-Sprecherin. Das Angebot bezog sich auf den Bus ab 4.38 Uhr. Schirmer hätte in Eberswalde anderthalb Stunden draußen auf den nächsten Anschluss mit Mobilitätsservice warten müssen. "Da gibt es nicht einmal eine Toilette, das ist unzumutbar", sagte Thomas Schirmer.

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