Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Gas-Trasse
Die EUGAL-Pipeline bei Bad Freienwalde ist jetzt unter der Erde

Nadja Voigt / 31.07.2020, 05:00 Uhr - Aktualisiert 31.07.2020, 13:51
Wriezen (MOZ) Kaum eine andere Baustelle hat die Region in den vergangenen Monaten und Jahren so geprägt wie die EUGAL-Trasse. Nadja Voigt sprach mit George Wüstner, Pressesprecher der Firma Gascade Gastransport GmbH aus Kassel über das Milliardenprojekt, die Arbeiten vor Ort und das, was nun noch ansteht.

Herr Wüstner, wie weit sind die Arbeiten in der Region gediehen?

Die technischen Verlegearbeiten wie das Pipeline-Absenken in die Erde und das Verschweißen für den zweiten Strang der EUGAL sind im Bereich Bad Freienwalde abgeschlossen. Derzeit arbeiten wir in diesem Gebiet – an sichtbaren Arbeiten – an der Wiederherstellung der Oberfläche.

Welche Tätigkeiten und Maßnahmen stehen noch aus?

Derzeit finden in dem Gebiet Arbeiten zur Rekultivierung und Wiederherstellung statt. Der Boden wird wiederhergestellt. Drainagen werden in landwirtschaftlichen Flächen verlegt. Bei Absperrstationen in diesem Bereich werden Oberflächenarbeiten durchgeführt. Das heißt zum Beispiel, Zäune werden gebaut und Schotter wird ausgelegt. Der zweite Strang der EUGAL durchläuft in den nächsten Monaten noch verschiedenste Tests und Überprüfungen. Unter anderem werden noch sogenannte "Molche" (Prüfmaschinen) durch die Leitung geschickt, die diese prüfen. Der zweite Strang soll Ende des Jahres 2020 dann erstmalig mit Gas befüllt werden, im kommenden Jahr wird dann Gas durch ihn fließen. Ein weiterer großer laufender Baustein ist der Bau der Verdichterstation in Baruth/Mark – etwa in der Mitte der rund 480 Kilometer langen Pipeline. Diese dient dazu, den Druck für den weiteren Transport wieder zu erhöhen.

Wie steht es um Ihre Zeitvorgaben?

Wir sind gut im Zeitplan, die Bauarbeiten schreiten planmäßig voran. Der zweite Strang der EUGAL sowie die Verdichterstation Radeland 2 in Baruth/Mark sollen Ende des Jahres fertiggestellt werden, in 2021 soll dann Gas durch den zweiten Strang der EUGAL fließen. Der erste Strang der EUGAL ist seit Anfang 2020 in Betrieb und transportiert Gas. Wir sind optimistisch, alle Arbeiten nach Plan abzuschließen.

Hat Corona an Ihrem Zeitplan gerüttelt?

Aktuell gab und gibt es durch Corona glücklicherweise keine Auswirkungen auf den Bau der EUGAL. Wir führen den Bau unter Berücksichtigung der aktuellen Beschlüsse der Bundes- und der zuständigen Landesregierungen durch. Alle Mitarbeiter der GASCADE und der beteiligten Baufirmen sind aufgefordert, die geeigneten Maßnahmen – wie sie vom Robert-Koch-Institut empfohlen werden – einzuhalten, um die Gesundheit aller zu schützen. Unsere Bauarbeiten finden im freien Feld statt – dieser Umstand bedingt prinzipiell eine Arbeitssituation mit größerem räumlichem Abstand.

Fassen Sie das Projekt für unsere Leser noch mal in Daten und Fakten zusammen?

Gerne. Die Pipeline ist eine rund 480 Kilometer lange Leitung mit zwei parallelen Strängen. Der erste Strang ist rund 480 Kilometer lang (von der Ostsee bis zur deutsch-tschechischen Grenze), der zweite Strang rund 329 Kilometer. Über eine Distanz von 329 Kilometer wird das Projekt als Doppelleitung ausgeführt. Insgesamt werden also rund 809 Kilometer Gasleitung gebaut. Dafür wurden rund 47 000 Rohre verbaut. Sie hatten jeweils einen Durchmesser von 1,40 Meter, sind rund 18 Meter lang und 15 Tonnen schwer. In Spitzenzeiten arbeiteten über 2500 Personen auf der Trasse. Der erste Strang wurde Ende 2019 fertiggestellt, seit Anfang 2020 fließt dort schon Gas.

Und wie lange liefen die Arbeiten bereits?

Die ersten Bauarbeiten begannen im August 2018. Dort wurden dann Rohre hintereinander auf der Trasse abgelegt. Diese wurden zusammengeschweißt und in den sogenannten Rohrgraben gelegt. Und dieser nun wiederum verfüllt. Der Bau der EUGAL ist insgesamt auf 14 Baulose aufgeteilt. Sie wurden an verschiedene Arbeitsgemeinschaften vergeben, die wiederum mit unterschiedlichen internationalen Spezialfirmen zusammenarbeiten. Die Pipeline besitzt vier Netzverknüpfungen: Gas kann so flexibel innerhalb Deutschlands sowie nach West- und Osteuropa transportiert werden.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
© 2020 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG