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Nahverkehr
Landkreis MOL kritisiert Kürzungen auf der Ostbahnlinie RB 26

Halt in Strausberg: Ein Teil der Züge der Oderlandbahn RB 26 wird ab Ende August wieder nur bis Berlin-Lichtenberg fahren und nicht bis Ostkreuz. Das soll die Verspätungen minimieren.
Halt in Strausberg: Ein Teil der Züge der Oderlandbahn RB 26 wird ab Ende August wieder nur bis Berlin-Lichtenberg fahren und nicht bis Ostkreuz. Das soll die Verspätungen minimieren. © Foto: Uwe Spranger
Uwe Spranger / 31.07.2020, 16:56 Uhr
Strausberg (MOZ) In dieser Woche hatte der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) mitgeteilt, dass ab Ende August fast die Hälfte der Züge der Oderlandbahn RB 26 nur noch bis Berlin-Lichtenberg und nicht mehr bis Ostkreuz fahren wird. Vom 31. August bis zum Fahrplanwechsel im Dezember sollen die Züge in der geraden Stunde zwischen 8.30 und 20.30 Uhr in Lichtenberg enden und beginnen, um "die unbefriedigende Pünktlichkeit" der Linie zu verbessern und den Betriebsablauf auf der Strecke zu stabilisieren.

In den vergangenen Tagen waren auf der RB 26 tagsüber wieder mehrfach Verspätungen zu beobachten. Beim VBB wird die Unpünktlichkeit registriert. Deswegen habe man die Änderung veranlasst, sagte Sprecher Joachim Radünz auf MOZ-Nachfrage.  Die Störungsquellen seien vielfältig: unzuverlässige Fahrzeuge, wodurch teilweise nur Einzeltraktionen möglich sind, knappe Wendezeiten, Grenzkontrollen sowie Störungen in der Infrastruktur. Die nun getroffenen Maßnahmen sollten zur Minderung der Störquellen und deren Auswirkungen beitragen, bis eine grundsätzliche, strukturelle Lösung umgesetzt werden könne. Das könnten zusätzliche Fahrzeuge oder stabilerer Lauf der polnischen Link-Triebwagen sein.

Weitere Bauarbeiten nötig

Die Verkürzung der Linienführung bedeute zwar einerseits eine Verschlechterung für die Fahrgäste, aber gleichzeitig einen stabileren und zuverlässigeren Fahrplan in deren Sinne, argumentierte er. So werde das Fahren auf der RB 26 wieder planbarer.

Radünz machte Hoffnung, dass der Fahrplan ab Einführung des 30-Minuten-Taktes bis Müncheberg – das ist im Landesnahverkehrsplan für 2022/23 avisiert und für das Schienennetz Ostbrandenburg 2 mit der RB 26 war im Mai das Vergabeverfahren angelaufen – "insgesamt robuster" werde. Dazu würden unter anderem die Wendezeiten am Ostkreuz von heute fünf Minuten deutlich verlängert und auch höhere Kapazitäten pro Stunde angeboten, kündigte er an.

Die kurze Wendezeit nennt auch der Streckenbetreiber Niederbarnimer Eisenbahn Betriebsgesellschaft (NEB) als einen Haken. Die fünf Minuten seien "das absolut notwendige Minimum", so ein NEB-Sprecher.  Alle Verspätungen, die ein Zug hat, würden direkt auf den Folgezug weitergegeben und aufgrund der weitgehenden Eingleisigkeit der Strecke seien im Verlauf auch Gegenzüge betroffen. "Es ist leicht vorstellbar, dass dann der gesamte Fahrplan der Linie über einen längeren Zeitraum nicht mehr zu halten ist", sagte er.

Zu den Gründen für die aktuellen Verspätungen befragt, verwies er darauf, dass die Ursache von Störungen "nicht immer bei uns bzw. unseren Fahrzeugen" liegt. Oft genug habe es Störungen an der Infrastruktur, zum Beispiel an Weichen oder Signalen gegeben, seien Kabel an der Strecke gestohlen worden ... Für solche Fälle wäre es gut, einen Zeitpuffer beim Wenden zu haben. Aktuell mache es eine Langsamfahrstelle bei Fredersdorf mit Tempo 60 statt 100 noch schwerer, den engen Zeitplan zu halten.

Durch die nun beschlossenen Maßnahmen wird die Wendezeit bei den in Lichtenberg endenden Zügen auf bis zu 14 Minuten erhöht. Verspätungen könnten so ganz oder zum großen Teil abgebaut werden. "Dass einige Züge nicht mehr umsteigefreundlich bis Ostkreuz durchfahren können, ist bedauerlich, die Stabilität des Fahrplans wog aber bei der Entscheidung schwerer", sagte er. Auch in der Vergangenheit hätten Züge schon in Lichtenberg gewendet – dann aber spontan wegen  der aktuellen Betriebslage.

Die teilweise Verkürzung der Linie werde zusammen mit dem VBB beobachtet und ausgewertet. Wie es nach dem Fahrplanwechsel weitergehe, werde anhand der Ergebnisse festgelegt.  Perspektivisch werde sich die Lage entspannen, wenn die speziell auf dem Abschnitt Ostkreuz – Strausberg momentan laufenden Bauarbeiten enden und eingerechnete Bauzuschläge frei würden. Doch das passiere "leider noch nicht im nächsten Fahrplanjahr", hieß es.

Über einen 30-Minuten-Takt nach Müncheberg ab 2022 gebe es gegenüber der NEB noch keine definitive Aussage, hieß es. Für einen stabilen Fahrplan mit beiden Takten  – Müncheberg alle 30 Minuten und Kostrzyn alle 60 Minuten – "dürften aber in jedem Fall noch Bauarbeiten an der Strecke notwendig sein", so die Sicht des Verkehrsunternehmens.

Vom Landkreis Märkisch-Oderland kam Kritik an den angekündigten Einschränkungen. "Die Durchbindung bis Ostkreuz trägt zur Erhöhung der Attraktivität  der RB 26 bei und die Entscheidung, nur jeden zweiten Zug bis Ostkreuz durchfahren zu lassen, mag aus Sicht des VBB in der gegebenen Situation eine Möglichkeit sein, noch größeren Schaden abzuwenden und Fahrplansicherheit herzustellen", sagte Landrats-Beigeordneter Rainer Schinkel. "Für den Landkreis ist das, auch wenn die jetzigen Einschränkungen nur temporär sein sollen, umso schwerer nachvollziehbar, da Zeit gewesen wäre, notwendige Maßnahmen vorzubereiten. Und für die Fahrgäste ist es einfach nur ärgerlich", konstatierte er.

Schinkel verwies indes darauf, dass der schienengebundene Personennahverkehr Länderangelegenheit ist. Das Land nehme die Bestellungen vor, stelle die erforderlichen Mittel bereit und beauftrage den VBB  mit der Umsetzung. Der Landkreis habe schon frühzeitig und mehrfach angemahnt, dass ein im Landesnahverkehrsplan avisierter 30-Minuten-Takt für Müncheberg ab 2022/23 nur dann realistisch sei, wenn umgehend Baumaßnahmen in Auftrag gegeben werden. "Dass dies nicht ganz unberechtigt war, sieht man an den jetzigen Entscheidungen. Es ist für den Landkreis nicht verständlich, dass die Landesregierung nicht handelt."

Die MOZ wird dies bei einem demnächst geplanten Besuch von Ministerpräsident Dietmar Woidke in Strausberg thematisieren.

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Jürgen Rudorf 03.08.2020 - 00:54:35

Reaktivierung Strecke RB 26a Rüdersdorf - Fredersdorf - Berlin Ostkreuz

Führt man die bestechende Logik des VBB weiter, so kommt man zu der nicht überraschenden Erkenntnis, dass sich Verspätungen komplett vermeiden lassen, indem der Betrieb des RB 26 ganz eingestellt wird. Das muss man nicht weiter kommentieren. Ich frage mich aber, wann endlich - angesichts der TESLA-Ansiedlung und der im Januar diesen Jahres vom Bundestag beschlossenen Verfünffachung (!!) der Finanzzuweisungen für die Bahn an die Bundesländer - der hierdurch obsolet gewordene Landesnahverkehrsplan verworfen und durch einen wesentlich erweiterten ersetzt wird? In diesen gehört m.E. im ersten Schritt für MOL hinein, die Gemeinde Rüdersdorf wieder an die "Ostbahn" anzuschließen, also die Strecke zwischen Fredersdorf und Rüdersdorf, die vom Zementwerk CEMEX als Werksbahn genutzt und von der MEG betrieben wird, auch für den Personennahverkehr nach Berlin zu "reaktivieren". Diese Strecke feiert bekanntlich 2022 ihr 150-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass sollte nicht nur ein historischer Personenzug wie zuletzt 2016 von Berlin-Lichtenberg zum Museumspark in Rüdersdorf fahren, sondern im Regelverkehr im 1-Stundentakt über Petershagen, Tasdorf, Herzfelde-Werksgelände und später bis zu einem neu zu errichtenden Bahnhof an der L23 nahe Hennickendorf/Herzfelde verkehren. Nicht nur über 10.000 Ein- und Auspendler der Gemeinde Rüdersdorf hätten dann eine alterative Berlin-Anbindung, auch ab Fredersdorf wäre die Verbindung viel attraktiver als die Benutzung der langsameren S-Bahn. Auf diese Linie RB 26a hätten Grenzkontrollen sowie Störungen in der Infrastruktur zwischen Fredersdorf und Kostrzyn nad Odrą keinen Einfluss. Auf den ausgedehnten Gleisanlagen in Rüdersdorf finden sich sicherlich noch Abstellgleise für zusätzliche Fahrzeuge als Ersatzzüge, um auch diese Verspätungsursache im 1-h-Takt auszuschalten. Die vielbeschworene "Verkehrswende" besteht für mich nicht darin, einige mit Wasserstoff betriebene Triebfahrzeuge auszuschreiben, sondern zehntausenden Menschen überhaupt erst einmal eine schnelle Bahnanbindung anzubieten. Warum steht die Landesregierung einer wirklichen Verkehrswende im Weg, warum hält sie an ihren veralteten Plänen fest? Die Ausrede, für die Bahn sei nicht ausreichend Geld da, gilt seit 01/2020 kaum noch, fehlt es am Planungsvorlauf? In den aktualisierten ca. 3000 Seiten TESLA-Genehmigungsunterlagen lese ich, man plane dort Parkplätze für bis zu ca. 3000 Pendler/Schicht (also 6000 Personen je Schichtwechsel) unter der Annahme, 70 % kommen mit dem PKW und jeweils 3 Pendler würden eine Fahrgemeinschaft bilden. Aha. Und das gilt nur für die 1. Ausbaustufe des Werkes. Wie stellt sich die Landesregierung die Verkehrssituation beim Endausbau für 2 Mio. Tesla/Jahr und entsprechend dann ca. 20.000-25.000 Pendlern je Schichtwechsel vor? Und dazu die 1257 LKW/Tag, multipliziert mit Faktor 2 zur Berücksichtigung der Leerfahrten und nochmals mit Faktor 4 für den Endausbau, also zusätzlich ca. 10.000 LKW/Tag in den kommenden Jahren? Diese zusätzlichen Verkehrsbelastungen würde etwa dem heutigen LKW-Verkehr auf den Autobahnen A10 und A12 entsprechen, möchte die Landesregierung tausende zusätzliche Arbeitsplätze für LKW-Fahrer schaffen indem parallel weitere 2 Autobahnspuren in jeder Richtung neu gebaut werden? Oder wäre es nicht insgesamt viel wirtschaftlicher und sinnvoller, endlich eine Task Force mit der Aufgabe zu beauftragen, sofort eine den absehbaren Transportaufgaben angemessene Eisenbahninfrastruktur zu planen? Übrigens, etwa 50% der Bevölkerung des Landkreises MOL wohnen nördlich von Freienbrink, eine Neubaubahnstrecke von nur gut 20 km Länge ab dem Bahnhof Herrensee könnte auch in Nord-Süd-Richtung eine enorme Entlastung des Straßenverkehrs nach Freienbrink bedeuten. Ist dieses Land wirklich nicht in der Lage, 20 km Eisenbahnlinie über offenes Gelände zeitnah zu verlegen? Falls doch, so möge sich ein hierfür zuständiger Fachbeamter bei mir melden, um die bereits vorliegenden Ideen zum Trassenverlauf zu diskutieren.

Jürgen Rudorf 03.08.2020 - 00:53:44

Reaktivierung Strecke RB 26a Rüdersdorf - Fredersdorf - Berlin Ostkreuz

Führt man die bestechende Logik des VBB weiter, so kommt man zu der nicht überraschenden Erkenntnis, dass sich Verspätungen komplett vermeiden lassen, indem der Betrieb des RB 26 ganz eingestellt wird. Das muss man nicht weiter kommentieren. Ich frage mich aber, wann endlich - angesichts der TESLA-Ansiedlung und der im Januar diesen Jahres vom Bundestag beschlossenen Verfünffachung (!!) der Finanzzuweisungen für die Bahn an die Bundesländer - der hierdurch obsolet gewordene Landesnahverkehrsplan verworfen und durch einen wesentlich erweiterten ersetzt wird? In diesen gehört m.E. im ersten Schritt für MOL hinein, die Gemeinde Rüdersdorf wieder an die "Ostbahn" anzuschließen, also die Strecke zwischen Fredersdorf und Rüdersdorf, die vom Zementwerk CEMEX als Werksbahn genutzt und von der MEG betrieben wird, auch für den Personennahverkehr nach Berlin zu "reaktivieren". Diese Strecke feiert bekanntlich 2022 ihr 150-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass sollte nicht nur ein historischer Personenzug wie zuletzt 2016 von Berlin-Lichtenberg zum Museumspark in Rüdersdorf fahren, sondern im Regelverkehr im 1-Stundentakt über Petershagen, Tasdorf, Herzfelde-Werksgelände und später bis zu einem neu zu errichtenden Bahnhof an der L23 nahe Hennickendorf/Herzfelde verkehren. Nicht nur über 10.000 Ein- und Auspendler der Gemeinde Rüdersdorf hätten dann eine alterative Berlin-Anbindung, auch ab Fredersdorf wäre die Verbindung viel attraktiver als die Benutzung der langsameren S-Bahn. Auf diese Linie RB 26a hätten Grenzkontrollen sowie Störungen in der Infrastruktur zwischen Fredersdorf und Kostrzyn nad Odrą keinen Einfluss. Auf den ausgedehnten Gleisanlagen in Rüdersdorf finden sich sicherlich noch Abstellgleise für zusätzliche Fahrzeuge als Ersatzzüge, um auch diese Verspätungsursache im 1-h-Takt auszuschalten. Die vielbeschworene "Verkehrswende" besteht für mich nicht darin, einige mit Wasserstoff betriebene Triebfahrzeuge auszuschreiben, sondern zehntausenden Menschen überhaupt erst einmal eine schnelle Bahnanbindung anzubieten. Warum steht die Landesregierung einer wirklichen Verkehrswende im Weg, warum hält sie an ihren veralteten Plänen fest? Die Ausrede, für die Bahn sei nicht ausreichend Geld da, gilt seit 01/2020 kaum noch, fehlt es am Planungsvorlauf? In den aktualisierten ca. 3000 Seiten TESLA-Genehmigungsunterlagen lese ich, man plane dort Parkplätze für bis zu ca. 3000 Pendler/Schicht (also 6000 Personen je Schichtwechsel) unter der Annahme, 70 % kommen mit dem PKW und jeweils 3 Pendler würden eine Fahrgemeinschaft bilden. Aha. Und das gilt nur für die 1. Ausbaustufe des Werkes. Wie stellt sich die Landesregierung die Verkehrssituation beim Endausbau für 2 Mio. Tesla/Jahr und entsprechend dann ca. 20.000-25.000 Pendlern je Schichtwechsel vor? Und dazu die 1257 LKW/Tag, multipliziert mit Faktor 2 zur Berücksichtigung der Leerfahrten und nochmals mit Faktor 4 für den Endausbau, also zusätzlich ca. 10.000 LKW/Tag in den kommenden Jahren? Diese zusätzlichen Verkehrsbelastungen würde etwa dem heutigen LKW-Verkehr auf den Autobahnen A10 und A12 entsprechen, möchte die Landesregierung tausende zusätzliche Arbeitsplätze für LKW-Fahrer schaffen indem parallel weitere 2 Autobahnspuren in jeder Richtung neu gebaut werden? Oder wäre es nicht insgesamt viel wirtschaftlicher und sinnvoller, endlich eine Task Force mit der Aufgabe zu beauftragen, sofort eine den absehbaren Transportaufgaben angemessene Eisenbahninfrastruktur zu planen? Übrigens, etwa 50% der Bevölkerung des Landkreises MOL wohnen nördlich von Freienbrink, eine Neubaubahnstrecke von nur gut 20 km Länge ab dem Bahnhof Herrensee könnte auch in Nord-Süd-Richtung eine enorme Entlastung des Straßenverkehrs nach Freienbrink bedeuten. Ist dieses Land wirklich nicht in der Lage, 20 km Eisenbahnlinie über offenes Gelände zeitnah zu verlegen? Falls doch, so möge sich ein hierfür zuständiger Fachbeamter bei mir melden, um die bereits vorliegenden Ideen zum Trassenverlauf zu diskutieren.

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