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Hubschrauber abgestürzt

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HSTACHOWIAKN / 13.10.2008, 08:33 Uhr
Sonnenburg Mit zirka 400 Einsätzkräften hat der Landkreis Märkisch-Oderland am Sonnabend den Katastrophenfall geübt. Feuerwehren, Notärzte, Rettungsdienste, Polizei, Bundeswehr und Technisches Hilfswerk waren im Einsatz, um nach einem Hubschrauberabsturz Menschen zu retten und Waldbrände zu bekämpfen.

Ein Szenario, das sich niemand wünscht: Die anhaltende nachsommerliche Hitze verursacht in den Waldgebieten des Landeskreises, vor allem in den Kiefernbeständen und Ödlandgebieten eine Vielzahl von Bränden. Hinzu kommen Feldbrände, die die Feuerwehren fordern. Die Überwachung der Waldgebiete durch Forst und Flugdienste des Landes Brandenburg ist angeordnet. Dann passiert es. Am Morgen des 11. Oktober stößt über dem Sonnenburger Forst ein Aufklärungsflugzeug mit einem vollbesetzten Hubschrauber zusammen. Als die Einsatzkräfte der Feuerwehr Altranft eintreffen, wird das Ausmaß der Katastrophe deutlich. Im Umkreis von 1000 Metern liegen Wrackteile verstreut. Es gibt zwischen 20 bis 30 Verletzte, vielleicht auch Tote. Zudem vier sich schnell ausbreitende Brände. Jetzt ist schnelles Handeln, kluge Koordination und ein abgestimmtes Zusammenarbeiten der Einsatzkräfte entscheidend.

Und genau darum geht es bei der Großübung "Waldhahn 2008" - der gemeinsamen Waldbrandübung des Landkreises Märkisch-Oderland mit den benachbarten polnischen Kreisen Mysliborz, Gorzow und Gryfino am Sonnabend. Einmal im Jahr führt der Landkreis eine solche Übung durch. 2007 fiel sie wegen des defizitären Haushaltes dem Rotstift zum Opfer. In diesem Jahr stehen 13 000 Euro, inklusive einer Förderung des Landes von 5000 Euro, dafür bereit.

Gegen 7.45 Uhr ertönt am Sonnabend die Sirene. Die Regionalleitstelle in Frankfurt (Oder) alarmiert die Feuerwehren der Stadt Bad Freienwalde, informiert das Landeskommando Potsdam der Bundeswehr, Rettungswagen, Sondereinsatzgruppen, das THW, die Brandschutzeinheit des Landkreises, die Feuerwehren aus Polen sowie die Flugsicherung.

Die zentrale Einsatzstelle befindet sich auf dem Hof der Schlossruine in Sonnenburg. Die Eigentümerin hat das Areal dem Kreis bereit gestellt. Von dort aus startet die Übung. Etwa 400 Einsatzkräfte stehen bereit, darunter 54 Männer mit neun Löschfahrzeugen aus Polen. Chef des Krisenstabes ist Landrat Gernot Schmidt. Er begrüßt alle an der Übung Beteiligten und wünscht ihnen ein gutes Gelingen dieser sehr anspruchsvollen Übung. "Die Feuerwehren unseres Kreises haben auch in diesem Jahr bereits mehrfach bewiesen, dass sie den an sie gestellten gesetzlichen Auftrag in hoher Qualität erfüllen", zollt er ihnen Respekt. Und dann geht es los.

Während die Einsatzkräfte ihre Aufträge erhalten, setzt sich ein kleiner Konvoi von Beobachtern in Richtung Baasee in Bewegung. Mit dabei sind u. a. Thomas Heinze vom DRK, Jörg Reß von der Polizeiwache Bad Freienwalde, Revierförster Ulf Nösel, Kurstadt-Bürgermeister Ralf Lehmann sowie von der Bundeswehr Hans-Jürgen Koch, Major der Reserve. Am dendrologischen Lehrpfad, an der Lehrhütte erläutert Wolfgang Schure vom Katastrophenschutz des Landkreises noch einmal die Übung. Die findet auf einem Gelände statt, wo Höhendifferenzen von 60 Metern zu verzeichnen sind. Das Lichtprofil liegt bei vier Meter, das Einsatzgebiet ist vier Quadratkilometer groß - Eichen- und Buchenbestände. Die Bundeswehr ist mit vier Gelände fähigen Transportkraftwagen dabei. Das THW sorgt für den Funkverkehr. Ein Hubschrauber der Bundespolizei, EC 155 mit Bamby Bucket, steht zur Verfügung. Der hat einen Außenlastbehälter mit einem Fassungsvermögen von 1500 Liter. Das Wasser wird dem Harnekoper See entnommen. Die Versorgungseinheiten des DRK Ost Bad Freienwalde und der DLRG Hennikendorf übernehmen die Versorgung für etwa 500 Personen.

Der Hauptbrand entsteht in einem Waldstück an einer Äsungsfläche, unweit des "Tellers". Dichter Bewuchs, abschüssiges Gelände. Hilferufe dringen aus der Tiefe. Fünf Personen liegen dort zwischen hohen Bäumen. Freiwillige simulieren die Verletzten. Bis zu drei Stunden harren sie in der Kälte aus. Plötzlich kommt Bewegung in die Szenerie. Ein Horde Wildschweine rennt im Schweinsgalopp durchs Gelände - zwei Bachen mit Frischlingen und ein Keiler. Schreckensmoment. Alles geht gut.

Plötzlich tauchen sechs Männer der Feuerwehr Bad Freienwalde auf. Sie seien falsch geschickt worden und schon eine Stunde im Wald unterwegs, sagen sie. Nur unter Aufbietung aller Kräfte bringen sie die Verletzten den steilen Hang nach oben. Inzwischen sind weitere Rettungskräfte eingetroffen. Sie bekämpfen das Feuer - mit Feuerwerkskörper angedeutet. Auf dem Sichtungsplatz behält Notärztin Kerstin Boden mit Rettungsassistentin Cindy Bähr den Überblick. Für Kerstin Boden ist es die erste Übung dieser Art. Bis 12 Uhr hat sie acht von 18 Verletzten zum Abtransport angewiesen. Gegen 13 Uhr wird die Übung beendet.

"Wir sind soweit mit dem Verlauf der Übung zufrieden", schätzt Kreisbrandmeister Willi Rossow ein. Es habe allerdings Schwierigkeiten mit der Funkverbindung gegeben, so dass die Zusammenführung der einzelnen Abschnitte schlecht funktionierte. Das könne nur mit der Installation weiterer Relais verbessert werden. In Kürze wird die Übung mit den Zugführern beim Landkreis ausgewertet.

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