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Bündnis fordert vegane Gesellschaft

Ulf Grieger / 07.02.2017, 18:36 Uhr
Golzow (MOZ) Mit einer Demonstration des Berliner Aktionsbündnisses "Tierfabriken-Widerstand" haben die Aktivisten am Dienstag in Golzow für eine vegane Gesellschaft geworben. Im Anschluss begann ein Erörterungsverfahren, bei dem 84 Einwände von Bürgern zum Hähnchenmastprojekt Sachsendorf verhandelt wurden.

Nur wenige Einwohner aus der Region haben sich zur Demonstration der Tierschutz-Aktivisten eingefunden. Die Tierschützer machen keinen Hehl daraus, dass ihre Ziele viel weiter gehen, als "Nein" zu Hähnchenmastanlagen in Golzow und Sachsendorf zu sagen. "Niemand braucht in Deutschland Milch, Fleisch und Eier", erklärt Sandra Franz vom Bündnis. "Wir sind gegen jede kommerzielle Nutzung von Tieren." Im Bündnis leben alle vegan. Sie selbst verdiene als Sprecherin eines Tierrechteschutzvereins ihr Gemüse. Ihre Kollegin Friederike Schmitz schreibt gerade eine Arbeit zum Thema und Sebastian Schlottstedt studiert Umweltschulz.

Familie Müller aus Golzow ist aus Neugier hinzugekommen: "Massentierhaltung ist auch nicht das Gelbe vom Ei", meint Peter Müller in Bezug auf die geplante Hähnchen-Mast im Ort. Nicht für eine vegane Gesellschaft ist Susanne van Dyck, passionierte Jägerin aus Alt Tucheband. Aber Probleme mit der Massentierhaltung habe auch sie. Ebenso wie Stephan Eckert und Christian Rau. Die beiden sind Baumpfleger und Landwirte und durch die Odega-Pläne für eine Putenmast in ihrem Heimatdorf Reitwein auf den Termin in Golzow aufmerksam geworden.

Die Erörterung der 84 Einwände von Bürgern zum Genehmigungsverfahren für eine Hähnchenmastanlage in den alten Sachsendorfer Kuhställen der Odega-Tochter Landwirtschaft Golzow wird von Kerstin Tschiedel vom Landesumweltamt geleitet. Neben Behördenvertretern ist Odega-Chef Detlef Brauer mit zahlreichen Fachleuten gekommen. Auf den Plätzen der "Einwender" haben Sachsendorfs Ortsvorsteherin Beate Frey und Lindendorfs Bürgermeister Helmut Franz Platz genommen. Sebastian Schottstedt vertritt das Bündnis "Tierfabriken-Widerstand". Obwohl keine Entscheidung fällt, wird es eine interessante Verhandlung. Patrick Gerlach vom Planungsbüro SFI stellt das Projekt noch einmal vor. Demnach werden in den beiden alten Kuhställen jeweils 22 200 Hähnchen gemästet, zudem im ehemaligen Kälberstall 15 590 und in der Bergehalle 13 400. Entsprechend dem Fair-Mast-Verfahren der Plukon-Gruppe werden die Ställe mit Wintergärten ergänzt.

Zum einen betrafen die Einwände den Verkehr. Daraufhin wird zwar zugestanden, dass die L332, an der die Anlage liegt, in einem schlechten Zustand sei. Aber das zu ändern, sei Aufgabe des Straßenbaulastträgers. Zudem wurde auf die landwirtschaftliche Wegeanbindung bis zur B1 verwiesen, die auch die erwarteten 360 Lkw jährlich nutzen können.

Ein weiterer Einwand betrifft den Brandschutz. Dabei verweisen die Fachleute der Odega darauf, dass sie mit ihrem Brandschutzkonzept den gesetzlichen Vorgaben Genüge tun. Neben den Hallentoren werde es pro Stall weitere 20 Zugänge zu den Wintergärten geben. Erhebliche Zweifel daran, dass bei einem Brand eine Tierrettung möglich wäre, äußert Beate Frey. Sie kenne die Stallanlage sehr gut, weil sie jahrelang dort gearbeitet habe. Daraufhin erklären die Fachleute, dass sie zwar die Bedingungen für eine mögliche Tierrettung in ihrem Konzept vorsehen. Tatsächlich wäre aber die Tierrettung im Brandfall eher unwahrscheinlich. "Die Tiere laufen erfahrungsgemäß zum Feuer hin. Menschen würden sich in Gefahr begeben, wenn sie die Hähnchen rausscheuchen wollten", gestehen sie ein.

Beim Thema Tierschutz wiederholt Sebastian Schottstedt vom Bündnis, was bei der Demo zum Ausdruck kam: Keine Mast wäre die beste Lösung. Niemand frage, wie es den Hähnchen gehe. Sie würden ausgebeutet und wegen der raschen Gewichtszunahme verschiedene Beschwerden erleiden. Demgegenüber machen Vertreter der Fair-Mast-Methode deutlich, dass sie mehr für das Tierwohl tun wollen, als gesetzlich vorgeschrieben ist.

Beim Thema "Keime" erinnert Ortsvorsteherin Beate Frey an die durch die Geflügelpest nötigen Tötungen in Neuhardenberg und Alt Tucheband. "Ich begreife nicht, wie man angesichts dessen weitere Anlage planen kann."

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