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Vortrag zu Schlössern und Herrenhäusern in der Neumark beleuchtete Anlagen in Polen und Brandenburg

Herrenhäuser
Glanzbauten einstiger Architektur

Schloss Trebnitz: Die Bildungs- und Begegnungsstätte erhält derzeit einen neuen Anstrich. Das Land stellte 200 000 Euro für dringend notwendige Arbeiten in mehreren Bildungsstätten Brandenburgs zur Verfügung. Der Verein Schloss Trebnitz bringt 50 000 Euro
Schloss Trebnitz: Die Bildungs- und Begegnungsstätte erhält derzeit einen neuen Anstrich. Das Land stellte 200 000 Euro für dringend notwendige Arbeiten in mehreren Bildungsstätten Brandenburgs zur Verfügung. Der Verein Schloss Trebnitz bringt 50 000 Euro © Foto: MOZ/Doris Steinkraus
Doris Steinkraus / 18.10.2017, 06:32 Uhr
Trebnitz (MOZ) Die einstigen Schlösser und Herrenhäuser der Neumark haben viel gemeinsam: Sie stehen stellvertretend für Glanzbauten bedeutender Architekten auf beiden Seiten der Oder und es fehlt Geld, um alle zu erhalten. Das erfuhren die Besucher des jüngsten Schlossgespräches.

Sie ist die Grande Dame, wenn es um Schlösser und Herrenhäuser geht - Sybille Badstübner-Gröger. Ob Ruine, gesicherter Bau oder saniertes Ensemble - die 82-Jährige kennt sie alle. Kein Wunder, dass die Remise in Trebnitz aus allen Nähten zu platzen drohte, weil so viele Besucher kamen. Der Abend bildete den Abschluss einer Ausstellung des Freundeskreises Schlösser und Gärten der Mark - dem Sybille Badstübner-Gröger seit Gründung 1992 vorsteht - im Trebnitzer Dorfcafé. Dabei beschränkten sich die Ausstellung und der Vortrag der renommierten Kulturhistorikerin ausschließlich auf die Neumark.

Sowohl auf polnischer als auch auf deutscher Seite hatten die Herrenhäuser nach dem Zweiten Weltkrieg ein ähnliches Schicksal. Sie waren Lazarett, Unterkunft für Flüchtlinge, Getreidelager, Heime oder kommunale Einrichtungen. Noch stärker als in Ostdeutschland seien die Schlösser in Polen dann vernachlässigt worden, so die Vortragende. "Die streng gläubigen Polen, die in die Gebiete der Neumark umgesiedelt wurden, haben die protestantischen Kirchen zu katholischen Gotteshäusern umgestaltet und sie erhalten. Für die Herrenhäuser indes fanden sie wenig Sympathie, zumal sie mit den Namen großer deutscher Familien verbunden waren."

Sie sei sehr froh, dass sich diese Sicht auch beim polnischen Nachbarn nach der Wende verändert habe. Man arbeite seit Jahren eng zusammen. Der Freundeskreis unterstütze mit Benefizveranstaltungen auch in Polen die Sicherung alter Schlösser und Anlagen.

Sybille Badstübner-Gröger zeigte viele Bildpaare von einstigen und heutigen Ansichten, informierte über Architekten, Baugeschichte und Werdegang der Schlösser. Auch von solchen, die froh stimmen wie aus Dolsk (Dölzig, einst Sitz der Familie von Treskow), Sulechow (Züllichau), Wartin oder Trzechiechow (Trebschen, heute Altersheim).

Im deutschen Teil der einstigen Neumark hat die Schlösser und Gärten GmbH, die derzeit allerdings in Auflösung begriffen ist, schon vor Jahren 16 Anlagen vor dem Zerfall bewahrt, wie Steinhöfel, Diedersdorf oder Groß Rietz. Mancherorts finden sich trotz saniertem Gebäude keine Nutzer. Positiv sieht der Freundeskreis, dass auf beiden Seiten der Oder vereinzelt Privatleute investiert haben. Anderswo zerfallen auch auf deutscher Seite die Zeugnisse einstiger Baukunst, die mit Namen großer Architekten verbunden sind, wie Schinkel über Gille oder Stüler. Als Musterbeispiel einer sinnvollen, tragfähigen Nutzung würdigte Sybille Badstübner-Gröger Schloss Trebnitz, wo mittlerweile fast das komplette Ensemble saniert und für die öffentliche Nutzung hergerichtet wurde. Die Ausstellung mit Bildern von Volkmar Billeb ist bis Ende Oktober im Dorfcafé zu sehen, anschließend in Zielona Gora (Grünberg).

Infos zum Freundeskreis unter www.deutsche-gesellschaft-ev.de

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