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Wegen der Überschwemmung von Buhnen und Deichvorland stehen die Angler in dieser Saison dichter beieinander

Anglerglück
Kleines Hochwasser bringt viele Quappen

Ulf Grieger / 29.12.2017, 07:30 Uhr
Küstrin-Kuhbrücke (MOZ) Für die Quappenangler läuft es gerade gut. Der hohe Wasserstand der Oder sorgt dafür, dass etliche der "Oderleoparden" auch noch oberhalb der Warthemündung aus der Oder gefischt werden. Rekord bislang: 81 Zentimeter.

Mit einem Oderpegel von 4,15 Metern bei Kienitz sind die Buhnen nicht mehr betretbar und die besten Angelstellen an der Ruschebuhne oder an den Fährstraßen in Kienitz und Nieschen haben sich in riesige Seen verwandelt. Wer also auf das Quappenangeln zwischen den Feiertagen nicht verzichten möchte, der muss schon dahin gehen, wo das fischreiche Wasser trotzdem gut erreichbar ist. Wie in Kuhbrücke. Dort, unweit der Fischerei Schneider, treffen sie sich allnächtlich. Oder bleiben wie sonst in Nieschen oder Kienitz gleich ein paar Nächte mit den Zelten vor Ort.

Wie zum Beispiel Harry Quast und Hermann Rackel aus Baden-Württemberg. Alljährlich fahren die beiden die rund 600 Kilometer vom Main an die Oder, um der Quappe nachzustellen. Mal abgesehen von der Flutung ihres Lieblingsplatzes bei Nieschen, haben sie in diesem Jahr doch mehr Anglerglück, als in den Vorjahren. Denn die Quappen beißen gut. Dieses Jahr. Darüber freut sich auch Harry Quasts Verwandtschaft auf den Seelower Höhen. Vater und Bruder wohnen noch in Diedersdorf und Friedersdorf. "Sie kommen heute noch her und holen den Fang ab", erzählt er.

Nachts sitzen die Quappenangler am Kuhbrücker Deich etwas dichter. Denn nachts beißen die Fische besser. Vor allem die großen, auf die es alle abgesehen haben. Am erfolgreichsten dabei war Mike Nickel aus der Nähe von Steinhöfel. Er angelte mit Tauwurm. Und Heringsfetzen, die es in der Kaufhalle gibt. Die Quappen sind ganz verrückt danach. Und so zog er denn auch seine bislang stattlichste, 81 Zentimeter lange Quappe aus dem Wasser. 3,5 Kilogramm bringt sie auf die Waage. Zu Hause hat er sie dann erst einmal den Kindern gezeigt. Die waren fasziniert von dem majestätischen Fisch, der im Oderbruch wegen seiner gemusterten Haut auch "Oderleopard" genannt wird.

Die Fischer Detlef und André Schneider freuen sich natürlich über das Getümmel vor ihrer Haustür. Ihre Fischerei ist in dieser Zeit die wichtigste Basisstation für Quappenangler südlich der Warthemündung. Wie Knut Wickidal in Hohenwutzen und die anderen Herbergseltern in Odernähe haben sie Gäste von weither, die einzig der Quappen wegen an die Oder kommen.

Allerdings ist dieses Jahr ein wirklich gutes für Quappen, bestätigt auch Altmeister Detlef Schneider. Das liege nicht zuletzt am hohen Wasserstand der Oder. Der ist zwar schon wieder ein wenig gefallen. Aber er reicht aus, um es vielen Quappen zu ermöglichen, die weiter nördlich bereits dicht gestellten Fallen und Angeln zu umgehen. Und noch eines kommt hinzu: Das kleine Hochwasser, das die Deichvorländer überspült, trägt auch viele Nährstoffe zu den Quappen, so dass sie sich auf dem Weg zu ihren Laichplätzen stromaufwärts stärken können.

Sommers sei die Quappe ein nahezu unauffälliges Tier. Sie gräbt sich zumeist in küstennahen Gewässern ein und hält Sommerschlaf. Wird das Wasser kälter, macht sie sich auf den Weg, um zu laichen. Kiesigen Untergrund in sauberen Nebenarmen der Oder mag sie dafür am liebsten. Sie kommt natürlich auch die Warthe hinauf. Das Wehr des Küstriner Vorflutkanals allerdings vermag sie nicht zu überwinden. Ob die Quappen bereits über die Fischtreppen in der Alten Oder auch im Oderbruch ihre angestammten Laichplätze wieder aufsuchen, ist noch nicht sicher belegt. Die Möglichkeit bestünde zumindest bis zum Quappendorfer Wehr, das aktuell noch als wichtigstes Wanderhindernis im Gewässernetz steht.

Die Quappen zählten einst zu den "Brotfischen" der Oderbrücher. Belegt ist, dass sie vor der Trockenlegung des unteren Bruchs so zahlreich waren, dass das Fett der Tiere als Lampenöl genutzt wurde. Das Freilichtmuseum Altranft hatte vor Jahren dazu eine Studie angefertigt und auch in dem vom einstigen Deichhauptmann Peter Fritz Mengel herausgegebenen Sammelband "Das Oderbruch" heißt es: "Die fetten Quappen wurden in Streifen geschnitten und als Lichter benutzt. Die Eingeweide wurden gekocht, das Fett abgeschäumt und als Wagenschmiere verwendet", schreibt darin Karl Eckstein, der an der Forsthochschule Eberswalde gelehrt hatte.

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