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Freiherr von Drais erfand den Vorgänger des Fahrrads / Axel Pötsch verleiht verschiedene Modelle

Wirtschaft
200 Jahre auf zwei Rädern

Josefine Jahn / 11.01.2018, 20:20 Uhr
Groß Neuendorf/Seelow (MOZ) Heute ist es genau 200 Jahre her, dass der Forstbeamte Karl Freiherr von Drais für seine Laufmaschine ein großherzogliches Privileg - zu vergleichen mit einem heutigen Patent - erhielt. Seitdem hat sich das Fahrrad ständig weiterentwickelt und erfreut sich auch im Oderland großer Beliebtheit.

"Das ist wie Radfahren", lautet ein Vergleich für Dinge, die man nicht mehr verlernt, wenn man sie einmal beherrscht. Tatsächlich ist das Radfahren etwas, das viele Menschen in ihrer Kindheit erlernen. "Ganz früh, mit drei oder vier Jahren", erinnert sich Axel Pötsch, habe er die Bewegung auf dem Zweirad erlernt. "Das muss kurz nach dem Laufenlernen gewesen sein", ergänzt er. Bereits damals habe er selbst an dem Rad gewerkelt, es repariert, wenn nötig. Das sparte den Gang in eine Werkstatt.

Die Begeisterung für das Fahrrad und darüber hinaus für den Tourismus war schon frühzeitig ausgeprägt, sagt Pötsch. Seit 2001 betreibt er eine Draisinenbahn in Mittenwalde, drei Jahre später kam eine in Tiefensee bei Werneuchen hinzu. Deutschlandweit bietet er auf sechs Bahnstrecken Ausflüge mit den Fahrzeugen an, die manchem nur noch aus Westernfilmen oder von der Olsenbande bekannt sind. "Bei denen war es eine Handhebeldraisine. So eine verleihen wir auch", sagt der 53-Jährige. Vor zwei Jahren hat Pötsch die Firma Oderlandrad übernommen, die einst aus der Arbeitsinitiative Letschin entstanden war.

Um die 120 Fahrräder hat er im Verleih. "Die gefragtesten sind Standard-Damen- und Herrenräder. Seit vergangenem Sommer haben wir aber auch Mountainbikes", sagt Pötsch. Die kämen bei der Jugend besser an. Auch Dreiräder befinden sich in seiner Leih-Sammlung, sowie Tandems und E-Bikes. Seine "Flotte Lotte" bietet bis zu 20 Personen Platz.

"Grundsätzlich können die Räder das ganze Jahr über geliehen werden", sagt Pötsch. Die Hauptsaison sei allerdings zwischen April und Oktober. Wer im Winter mit dem Rad unterwegs sein möchte, rät der Verleiher, solle besonders auf Nässe und Glätte zu achten. "Am besten eignen sich natürlich Tage mit Plusgraden und ohne Feuchtigkeit. Besonders auf Überführungen muss man aufpassen, nicht auszurutschen", warnt Pötsch vor Glätte. Die Gefahr des Ausrutschens ist bei den Eisenbahn-Draisinen freilich niedriger.

Mit der Draisine, die auf Schienen fährt, verbinden die meisten den Mann, der vor 200 Jahren die Laufmaschine, den Vorgänger des heutigen Fahrrads, erfunden hat. Dabei wurde dieses Gefährt vermutlich in den 1830er Jahren in Wien erfunden. Drais beanspruchte allerdings die Grundidee, die er auf seinen "Wagen ohne Pferde" - ein vierrädriges, mit einer Kurbel betriebenes Gefährt - zurückführte.

Karl Freiherr von Drais (1785 - 1851) war Forstbeamter und erfand 1817 das Zweirad, ließ es im Folgejahr patentieren. Er soll sich dabei von der Funktionsweise der Schlittschuhe inspiriert haben lassen. Trotz des Patents auf seine Laufmaschine, die wie heutige Laufräder für Kinder ohne Pedalen, sondern einzig durch Fußantrieb funktionierte, gab es europaweit Nachahmungen seiner Erfindung. Der zunächst gefeierte Erfinder verfiel dem Alkohol und wurde zum Narren gehalten. Ein Kinderreim über ihn soll gelautet haben "Freiherr von Rutsch / zum Fahre' kei' Kutsch / zum Reite' kein Gaul / zum Laufe' zu faul". In seinem Besitz soll sich ein Modell seiner Laufmaschine befunden haben, als er 66-jährig verstarb. Seine Erfindung lebt bis heute.

"Neben dem Maschinenhaus in Groß Neuendorf gibt es einen Parcours, der oft von Jugendlichen genutzt wird", sagt Axel Pötsch. Mit BMX-Rädern würde die Jugend von weit her kommen und sich hin und wieder bei ihm im Verleih Werkzeug für die Radreparaturen leihen.

Die Entwicklung vom Vier- zum Zweirad


■ 1813: Karl Freiherr von Drais erfindet ein vierrädriges Gefährt, das mit einer Kurbel angetrieben wird und nennt es "Wagen ohne Pferde".
■ 1818: Am 12. Januar erhält Drais ein Großherzogliches Privileg für seine Laufmaschine, ein Zweirad. Es besteht aus einem Holzrahmen, zwei gleich großen, Holzrädern sowie einem Deichsellenker, der gegenüber vorherigen Erfindungen revolutionär ist.
■ 1862/63: Der Franzose Pierre Michaux und sein Sohn erfinden den Tretkurbelantrieb - in Anlehnung an die Funktionsweise eines Schleifsteins mit Tretlager.
■ 1885: Der Engländer John Kemp Starley stellt das sogenannte Sicherheitsniederrad vor. Es löst das durch den Tretkurbelantrieb entworfene, sturzanfällige Hochrad ab.
■ 1887: Der britische Tierarzt John Boyd Dunlop erfindet den Luftreifen und lässt ihn ein Jahr später patentieren. Bereits 40 Jahre zuvor hatte der Schotte Robert William Thomson den Luftreifen patentieren lassen. Die Idee blieb aber erfolglos.

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