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Durch einen MOZ-Artikel erfuhr der Seelower Horst Büchner von seinem Kindheitsfreund Winfrid Altmann

Soziales
Wiedervereint nach 73 Jahren

Josefine Jahn / 12.01.2018, 22:00 Uhr
Seelow (MOZ) In der Weihnachtsausgabe dieser Zeitung liest Horst Büchner die Geschichte eines Mannes, der von seiner Kindheit und Kriegsflucht aus Glogau berichtet. Er erkennt seinen Freund aus Kindheitstagen wieder und stellt über die MOZ den Kontakt wieder her.

Auf der Straße hätten sie sich wohl nicht wieder erkannt, sind sich die beiden Herren einig. Als sie sich das letzte Mal gesehen haben, waren beide neun Jahre alt. Das war im Januar 1945 in Lerchenberg (heute Serby) bei Glogau (Glogów). Dort wuchsen sie auf, gingen in eine Klasse und spielten auf einer Rasenfläche am Waldrand, wo die Wehrmacht Exerzierübungen machte. Ende 1944 wurden am Waldrand Stellplätze für acht Sturzkampfbomber errichtet. "Wir hatten als Kinder wirklich einen herrlichen Spielplatz", sagt Winfrid Altmann. "Aber Mutter hatte immer Angst um uns", erinnert sich Horst Büchner. Als Jungen haben sie das Feld nach Übungen nach Patronenhülsen abgesucht.

Als die Rotarmisten näher kommen, verlässt erst Büchners Familie das Dorf. "Am 21. Januar 1945 haben wir losgemacht, mit einem Treck", berichtet Büchner, der heute in Seelow zu Hause ist. Sein Großvater hatte in Lerchenberg eine Bauernwirtschaft betrieben. Auf einem alten Foto sieht man sie. Vor dem Gebäude steht ein Rappe, der ein Kind auf dem Rücken trägt. Auf anderen Bildern ist Büchner mit seinem jüngeren Bruder zu sehen. Auch Winfrid Altmann hat Aufnahmen von damals mitgebracht. Auf dem Wohnzimmertisch in Büchners Seelower Wohnung liegen sie ausgebreitet, vermischen sich mit den Bildern des alten Schulfreunds, rufen Erinnerungen bei den heute 82-jährigen Männern hervor. "Dort in der Veranda stand mein Schaukelpferd", erinnert sich Altmann und zeigt eine Aufnahme seines einstigen Elternhauses. "Das war so groß wie ein richtiges Pferd, da bin ich als kleiner Bursche alleine nicht drauf gekommen."

Erinnerungen aus den unbescholtenen Kindheitstagen wechseln sich ab mit jenen von der Flucht. Horst Büchners Familie kam ins Vogtland, siedelte später nach Görlsdorf um. "Mein Vater war ´41 gefallen. Mein Großvater und meine Mutter hatten in Görlsdorf wieder eine Wirtschaft", erzählt er. Er hat später eine Schuhmacherlehre gemacht, sich zum Orthopädieschuhmacher weiterbilden lassen. "Es gab ja viele Kriegsversehrte. Da habe ich modelliert, zugeschnitten, alles", beschreibt er. Altmann hört ihm interessiert zu. "Ein schöner Beruf", findet er.

"Am 30. Januar 1945 sind wir die Straße weiter runter gesiedelt", erinnert sich Altmann. "Die wollten nicht, dass wir die geschlagenen Truppen sehen", beurteilt er den befohlenen Umzug aus heutiger Sicht. Sein Vater war Beamter bei der Reichsbahn, noch bis Ende Januar 1945. Im Februar überquerten Altmanns die Oder, fanden in Sachsen ein neues Zuhause. Winfrid Altmann lernte Maschinenbauer, ging dann zur NVA, aus der er als Oberst entlassen wurde.

Seit 1978 wohnt er in Petershagen-Eggersdorf bei Strausberg, hat dort ein Haus gebaut. Mit seiner Frau ist er seit 61 Jahren verheiratet, hat zwei Kinder. Bei dem in Seelow lebenden Horst Büchner ist es ähnlich. "Meine Frau und ich haben auch 1956 geheiratet", sagt er. Das Paar hat auch zwei Kinder.

Die Männer waren beide mittlerweile häufiger zu Besuch in ihrer alten Heimat, die im Krieg stark zerstört wurde. Büchners Haus steht nicht mehr. Das von Altmanns Familie wurde leicht beschädigt. Von 1941 bis 1944 gingen Horst Büchner und Winfrid Altmann gemeinsam in eine Klasse. "Und jetzt wohnen wir wieder um die Ecke voneinander", sagt Büchner erfreut. Den nach 73 Jahren wieder hergestellten Kontakt wollen sie halten. "Wir haben uns viel zu erzählen", sagt Horst Büchner.

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