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Gehbehinderte Petrijünger wollen ihre alten Stipp-Reviere nicht missen

Angler
Barrierefrei zur Angelstelle

Beliebte Angelstelle: An der Uhrbuhne sitzen die Petrijünger der Region besonders gern. Benannt ist die Buhne nach einer Wasseruhr.
Beliebte Angelstelle: An der Uhrbuhne sitzen die Petrijünger der Region besonders gern. Benannt ist die Buhne nach einer Wasseruhr. © Foto: Michael Märker
Ulf Grieger / 09.03.2018, 06:30 Uhr
Neulangsow/Nieschen (MOZ) Von Ulf Grieger

Neulangsow/Nieschen.  Viele ältere Angler sind verärgert. Sie kommen nicht mehr an ihre angestammten Angelreviere. Da sie mit ihrer Ausrüstung weite Wege nicht mehr bewältigen, fordern sie nun Sonderrechte und barrierefreien Zugang zur Angelstelle.

Ralf Schmidt aus Neulangsow ist ein passionierter Angler. Seit er Zwölf war, gehört das Angeln zu seinen liebsten Freizeitbeschäftigungen. Meist fuhr er dazu nach Nieschen zur Uhrbuhne. Dort kennt er sich bestens aus. Inzwischen ist er 72 Jahre alt. Knie und Bandscheiben wollen nicht mehr so. Ein Schwerbehindertenausweis dokumentiert die eingeschränkte Beweglichkeit.

Was ihn nun am meisten grämt, ist der Umstand, dass seine  geliebte Angelstelle an der Uhrbuhne in unerreichbare Ferne gerückt ist. Denn um mit der Ausrüstung dorthin zu kommen, müsste er vom Nieschener Fährweg aus wenigstens 120 Meter auf dem Neuen Deich fahren, um von  dort den Weg zur Buhne zu nehmen.

Doch ein Schild des Landesumweltamtes verbietet Privatpersonen das Befahren des Deiches mit Pkw. Wer dabei erwischt wird, zahlt eine hohe Strafe. Nur ein kleiner, jährlich neu überprüfter Personenkreis bekommt eine gebührenpflichtige Sonderfahrgenehmigung, wenn das aus dienstlichen Gründen erforderlich ist.

Schmidt verweist auf die polnischen Angler am anderen Oder-ufer, die selbstverständlich bis an ihre Angelstellen im Deichvorland heranfahren dürfen. Viele Jahre hat Ralf Schmidt beim Landwirtschaftsbetrieb in Genschmar gearbeitet und erlebt, wie Weidetiere und Technik dort agieren. „Es kann doch nicht schädlich sein, wenn ich mit meinem Auto die 120 Meter dichter heranfahre“, ist er überzeugt. Ralf Schmidt hat zwar eine Angelkarte beim Fischer gekauft. Aber ob er das 90  Euro teure Dokument auch noch jemals nutzen kann, sei fraglich.

Landrat Gernot Schmidt (SPD), er ist zugleich Präsident des Landesfischereiverbandes, würde eine Initiative zur Schaffung von barrierefreien Angelstellen begrüßen. Das Problem sei lange bekannt und wurde auch von viel älteren Anglern an ihn heran getragen. „Sie haben meist mehr als 50 Jahre geangelt und sollen nun, weil sie nicht mehr so mobil sind, davon ausgeschlossen werden. Da brauchen wir eine Lösung“, erklärte er.

Das sieht auch André Schneider so. Als Chef der Oderfischerei Küstrin-Kuhbrücke hat er das Fischereirecht, auf dessen Grundlage die Angelkarten ausgestellt werden: „Es wäre sehr gut, wenn sich da etwas tun würde.“

Es wäre sinnvoll, wenn sich alle damit befassten Stellen, wie Angelvereine, Kreis- und Landesbehörde sowie Fischereirechteinhaber und Touristiker an einen Tisch setzen und über barrierefreie Angelstellen beraten, so der Landrat. Möglich wäre ein Bündel von  Maßnahmen. Eine könnte eine beschränkte Deichfahrgenehmigung für bestimmte Abschnitte sein, die an Angler mit Behindertenausweis ausgegeben werden. Weiterhin könnten die Angelstellen an der Oder, die schon jetzt relativ gut erreichbar sind, als barrierefrei ausgewiesen werden. Und da gibt es einige, angefangen von Neuglietze über Spitz und Zollbrücke bis zur Ruschebuhne in Zelliner Loose oder den Fährwegen in Kienitz, Nieschen und Reitwein. Auch die Küstrin-Kietzer Oderinsel würde sich für barrierfreies Angeln anbieten. Denn die Angelstellen dort stehen nicht unter Naturschutz.

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