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Totenstätte Oderbruch

Freiluftausstellung: Studenten und Absolventen der Beuth Hochschule Berlin haben am Freitag eine neue Sonderschau an der Seelower Gedenkstätte aufgebaut. In der Mitte Prof. Susanne Junker, Leiterin des Projektes „Nekropolen“. Die Installationen haben das Thema Krieg zum Inhalt.
Freiluftausstellung: Studenten und Absolventen der Beuth Hochschule Berlin haben am Freitag eine neue Sonderschau an der Seelower Gedenkstätte aufgebaut. In der Mitte Prof. Susanne Junker, Leiterin des Projektes „Nekropolen“. Die Installationen haben das Thema Krieg zum Inhalt. © Foto: Johann Müller
Doris Steinkraus / 06.04.2018, 22:00 Uhr - Aktualisiert 12.04.2018, 18:18
Seelow (MOZ) Mit einer Sonderausstellung wird in diesem Jahr der Schlacht um die Seelower Höhen vor 73 Jahren gedacht. Studenten und Absolventen der Architektur-Fakultät der Beuth Hochschule für Technik Berlin haben sie am Freitag aufgebaut.

„Die quadratischen Bilder bitte am Aufgang zum Denkmal, die schmalen unten, auf den Vorplatz“, dirigiert Prof. Susanne Junker. Sie leitet das Nekropolen-Projekt, das vor einigen Jahren ins Leben gerufen wurde und jährlich erweitert wird. Junge Leute aus 16 Nationen haben seither mitgewirkt. Nekropolen kommt aus dem Griechischen, steht für Totenstätte oder Gräberfeld. Aus einem Seminar zu „Architektur und Totenstätten“ entstand die Idee, sich näher mit dem Thema zu beschäftigen. „Krieg ist Zerstörung, egal wo“, sagt Esma.

Die 30-Jährige hat ihr Studium hinter sich, macht dennoch weiter mit im Projekt, das auch für die Studenten auf freiwilliger Basis beruht. „Tod ist schrecklich, ob in der Türkei, in Deutschland oder einem anderen Land. Und immer müssen Soldaten und Zivilisten für die Politik ihr Leben lassen.“ Auch Amira lässt das Thema nicht mehr los. „Tod ist überall, in der Vergangenheit und in der Gegenwart.“

Unter Leitung ihrer Professorin  und des ehemaligen TV-Kriegsberichterstatters Tim van Beveren sowie mit Unterstützung zahlreicher  Persönlichkeiten und Institutionen aus der ganzen Welt zeigen sie Fotografien, digitale Graphiken, Collagen und Installationen. 2017 wurde die Ausstellung „Schicht um Schicht“ mit großem Erfolg im Rathaus Neukölln gezeigt. Das Herzstück der Ausstellung bildet eine  Mediencollage in Form eines Triptychons, wie ein mittelalterliches Altarbild, nun jedoch digital.

An diesem Freitag ist Schwerstarbeit für die jungen Leute angesagt. Sie hieven die 1,80 mal 1,80 großen Bilder – bedruckte Forex-Kunststofftafeln – über das Gelände, drapieren sie an Bäumen und Wegen. „Wir sind glücklich über diese Sonderschau“, sagt Gedenkstättenleiterin Kerstin Niebsch. Über das Kulturministerium des Landes war der Kontakt zustande gekommen.

„Zur Ausstellung gehört ein Zeitstrahl“, erklärt Prof. Junker. „Der beginnt mit dem 15. April 1945 in Seelow. Hier nahm das Ende des Krieges seinen Anfang. Es lag nahe, hier unsere Arbeiten zu zeigen.“ Auf fast jedem Friedhof zwischen Berlin und dem Oderbruch gebe es Gräber von Kriegsopfern. Die wenigsten würden wahrgenommen, die Opfer blieben meist unsichtbar. „Tragisch-unheimliche Schicht inmitten des täglichen Lebens“, nennen die Akteure diese Stätten. Mit ihrem Projekt wollen sie anstoßen, nachdenklich stimmen, Meinung artikulieren.

Die Ausstellung, die am kommenden Sonnabend um 11 Uhr eröffnet wird – dazu gehören auch im Innenbereich gezeigte Videosequenzen und Bilder von der Seelower Gedenkstätte – will deutlich machen, dass Krieg nicht Vergangenheit ist, sondern leider Gegenwart. Schon an diesem Wochenende können die Besucher die wetterfesten Fototafeln betrachten.

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