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Netz AG reißt in diesem Jahr fünf Bauwerke ab

Ausbau
Bahnbrücken-Hochburg Werbig

Brückenbau-Marathon: An der Strecke Eberswalde-Frankfurt werden in diesem Jahr vier Eisenbahnbrücken abgerissen und durch Stahlbetonbauten ersetzt, so auch diese in Neuwerbig. Der Weg führt in die Seelower Loose. Die Brücken sind marode.
Brückenbau-Marathon: An der Strecke Eberswalde-Frankfurt werden in diesem Jahr vier Eisenbahnbrücken abgerissen und durch Stahlbetonbauten ersetzt, so auch diese in Neuwerbig. Der Weg führt in die Seelower Loose. Die Brücken sind marode. © Foto: Johann Müller
Doris Steinkraus / 12.04.2018, 06:45 Uhr
Werbig (MOZ) Nirgendwo sonst in Deutschland gibt es auf so kleinem Gebiet so viele Bahnbrücken wie rund um Seelow. Das haben die Vertreter der Bahn AG bei einer Informationsveranstaltung am Dienstagabend in Neulangsow deutlich gemacht. In diesem Jahr werden fünf Bauwerke erneuert. Das bringt Einschränkungen für Reisende und Anwohner.

Im April wird noch nichts losgehen. Das war die erste Botschaft des Abends. Denn auch die Bahn AG bekommt die Knappheit am Baufirmenmarkt zu spüren. Ursprünglich sollten die Aufträge für den Ersatzbau von fünf Brücken in und um Werbig bereits vergeben sein. „Die Angebote lagen jedoch dreimal so hoch wie geschätzt“, erklärte Brückenbauingenier Hartmut Schreiter. Er ist Projektleiter für die Bahn, hat in ganz Deutschland bereits solche Bauwerke errichtet. Jetzt laufe die erneute Ausschreibung, informierte er. Man hoffe, im Mai dann endlich loslegen zu können.

Andreas Gollek von der DB Netz AG erklärt, warum jetzt so viele Brücken erneuert werden. Der Bund habe die Bahn beauftragt, bis 2025 ein Brückenbauprogramm für ganz Deutschland umzusetzen. 23 Brücken müssten in Brandenburg erneuert werden. Über Jahrzehnte sei das Osbrandenburgnetz vernachlässigt worden. Um eine zukunftsfähige intakte Schienen-Infrastruktur zu sichern, seien bautechnisch funktionierende Brücken notwendig. Die vielen Brücken gerade im Oderbruch würden mit den hohen Grundwasserständen zusammen hängen.  Die Gleise liegen nicht zu ebener Erde, sondern eben auf Dämmen. Deshalb sei hier besonders viel zu tun. Nach den fünf Bauwerken würden in einem weiteren Projekt auch noch die Brücken Werbiger Straße (über die L 37) sowie das Kreuzungsbauwerk beider Bahnstrecken und die Brücke in der Oderbruchstraße erneuert.

Mirko Wild vom Planungsbüro SSF Ingenieure Halle stellt die einzelnen Vorhaben vor. Komplett erneuert werden vier Brücken der Strecke Eberswalde-Frankfurt – eine in Neulangsow, zwei über dem Hauptgraben und eine in Neuwerbig. Auf der Ostbahnstrecke wird die an der Eichenallee zwischen Werbig und Gusow durch ein neues Stahlbetonbauwerk ersetzt. Alle Brücken werden die jetzige Größe haben. Denn: Das Gleisbett und die Dämme sind vorgegeben. Zum Teil würden kleine Erweiterungen und Anpassungen erfolgen, um überall die Durchfahrtshöhe von 4,50 m zu sichern. Dies sei eine Forderung der Stadt gewesen, erklärt  Gollek.

Mehrere Besucher wollten wissen, warum die Durchfahrten nicht breiter gebaut werden. „Weil das hieße, dass die Stadt dann die damit entstehenden Kosten tragen müsste“, erklärt Gollek. Das Eisenbahnkreuzungsgesetz schreibe vor, dass derjenige, der Änderungen am Bestand verlange, die Kosten tragen müsse. Ziel sei es gewesen, die vorhandenen Bauwerke lediglich zu ersetzen, womit die Bahn die Finanzierung stemmen muss. Hartmut Schreiter sichert zu, dass es im Vorfeld eine Dokumentation zum Zustand aller Zufahrt- und künftiger Baustraßen geben wird. „Wir bringen sie hinterher in Ordnung, werden in den meisten Bereichen dann bessere Zustände haben“, sagt er.

Karl-Heinz Boßan von der Ostbahn-Gruppe will wissen, warum die Brücke der Strecke Berlin-Küstrin-Kietz nicht gleich für einen zweigleisigen Verkehr hergerichtet wird. Man würde so einer der wichtigsten Bahnstrecken die Zukunftsentwicklung nehmen, moniert Boßan. Andreas Gollek widerspricht dem. „Schon jetzt könnte die Ostbahn ihre Kapazität um 50 Prozent erhöhen“, sagt er. Dafür reiche ein Halbstundentakt. Mit dem zweigleisigen Ausbau der Strecke 2017 im Bereich Rehfelde sei dort Begegnungsverkehr möglich. Auch die Fahrzeit würde sich nicht verlängern, da schon jetzt auf der Strecke zwischen Küstrin-Kietz und Gusow mit 120 km/h gefahren werden kann. Nötig wäre jedoch, dass das Land diesen Verkehr bestellt. Aus Sicht der Bahn dauere es noch Jahrzehnte, ehe ein durchgehender zweigleisiger Ausbau nötig wird.

Die technischen Voraussetzungen seien gegeben, betont Hartmut Schreiter. Das einst abmontierte zweite Gleis könnte jederzeit wieder verlegt werden. Sollte der Bedarf entsprechend steigen – etwa durch erhöhten Güterverkehr – könnte kostengünstig eine zweite Brücke errichtet werden. Das Problem seien die Bahndämme, ergänzt Gollek. Die müssten bei Zweigleisigkeit erneuert und vor allem verbreitert werden. Solch ein Prozedere dauere Jahrzehnte. Jetzt gehe es darum, die vorhandene Infrastruktur zu ertüchtigen und das mit möglichst geringem Aufwand. Dass man die Zweigleisigkeit im Blick habe, zeige der geplante Bau der Eisenbahnbrücke über die Oder.

Läuft alles nach Plan, werden die Arbeiten von Mai/Juni dieses Jahres bis Mitte 2019 andauern. Ehe es richtig los geht, werde noch einmal informiert, versichert der Bauherr. Mit den direkten Anwohnern werde es detalierte Absprachen geben.

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