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Familie von Freytag-Loringhoven übergibt Gedenkstein

Gedenken
Findling steht auf Kriegsschauplatz

Zur Erinnerung und Mahnung: Im Mühlental an der Oder bei Lebus wurde dieser Gedenkstein fürs Volkssturm-Bataillon 7/108 Franken eingeweiht.
Zur Erinnerung und Mahnung: Im Mühlental an der Oder bei Lebus wurde dieser Gedenkstein fürs Volkssturm-Bataillon 7/108 Franken eingeweiht. © Foto: Johann Müller
Ines Weber-Rath / 15.04.2018, 08:00 Uhr - Aktualisiert 15.04.2018, 18:15
Lebus (MOZ) Im Lebuser Mühlental ist am Freitag im Beisein zahlreicher Geschichtsinteressierter ein Gedenkstein für das Volkssturm-Bataillon 7/108 Franken eingeweiht worden. 550 zumeist ältere Landwirte aus Franken waren im Februar 1945 als letztes Aufgebot an die Oder geschickt worden, um die Rote Armee aufzuhalten.

„Schön, Sie persönlich kennenzulernen. Wir haben ja viel miteinander telefoniert“, sagt Manfred Hunger, als er Jürgen Gollmick am Freitag Vormittag die Hand gibt. Hunger war als Lebuser Stadtchronist einer der Ansprechpartner für den Franken, von dem Odo Baron von Freytag-Loringhoven später sagt: „Ohne Herrn Gollmicks Einsatz wäre die Einweihung des Gedenksteins nicht möglich gewesen.“

Die Idee dazu hatte der Frankfurter Joachim Schneider. In einem Beitrag in den Frankfurter Historischen Heften beschäftigte sich der Hobby-Historiker 2007 mit dem Geschehen zum Kriegsende im Winter 1945 bei Lebus. Gollmick griff die Idee auf und gewann die Familie von Freytag-Loringhoven für die Finanzierung des Gedenksteins. Denn Odos Vater, Hanns Baron von Freytag-Loringhoven, war ein führender Kopf in dem Volkssturm-Bataillon.

Ihm, dem Bruder eines am Hitler-Attentat beteiligten Offiziers, der aus der Wehrmacht entfernt worden war, der perfekt Russisch sprach und mit dem Feind an der Oder kommunizierte, sei es wesentlich zu verdanken, dass fast 500 der Volkssturm-Männer das Mühlental am 27. Februar 1945 lebend verlassen konnten. Das erklärte Odo Baron von Freytag-Loringhoven zur Einweihung des Steins. Seine Erinnerungen an den Einsatz des Volkssturm-Bataillons, der am 2. Februar 1945 begann, hat Hanns Baron von Freytag-Loringhoven  in seinem 1965 erschienenen Buch „Das letzte Aufgebot des Teufels“ festgehalten.

Das Buch hätten in den Westen reisende Rentner zu DDR-Zeiten heimlich mitgebracht, erinnerte sich Manfred Hunger am Freitag. Sein neuer Mitstreiter im Lebuser Heimatverein, Carsten Breitsprecher, hatte das von Hanns Baron von Freytag-Loringhoven signierte Exemplar aus dem Bestand des Lebuser Museums mit ins Mühlental gebracht. Er bat Sohn Odo um eine weitere Signierung mit Verweis auf das Aufstellen des Gedenkstein.

Odo Baron von Freytag-Loringhoven hatte seine Mutter Gerda und Schwester Gotlind mit aus München an die Oder gebracht. Die 96-jährige Baronin verbindet mit dem Fluss Erinnerungen an ihre Jugend, als sie mit Freunden aus ihrem Ruderverein von Breslau aus bis nach Frankfurt gerudert war. Wie der Gedenkstein aussieht und wo die Oder fließt, mussten ihre Kinder der im Rollstuhl sitzenden Erblindeten beschreiben. „Hitler hat uns belogen und betrogen. Aber heute wissen wir auch nicht genau, woran wir sind“, sagte Gotlind Baronesse von Freytag-Loringhoven nach der Übergabe des Gedenksteins durch die Familie an den Lebuser Bürgermeister Peter Heinl als Vertreter der Stadt.

Heinl hatte sich für den Stein und die daneben stehende Infotafel bedankt. Er hoffe, dass sich viele Besucher durchlesen, was dort unter der Überschrift „Erinnerung und Mahnung“ zu den Ereignissen im Winter 1945 steht. Und: So etwas dürfe sich nie wiederholen, so der Lebuser Bürgermeister. Für Heinl war die Einweihung die erste offizielle Amtshandlung nach seiner Wahl.

Die Unterzeile auf der Tafel ist aus von Freytag-Loringhovens Buch übernommen: „Unseren und den russischen Toten des Oder-Abschnitts“. Die schlichte Inschrift des Steins „Volkssturm-Bataillon 7/108 Franken Februar 1945“ und Gestaltung der Tafel haben anfängliche Befürchtungen einiger Lebuser, das Mühlental könne zum Treffpunkt für Neonazis werden, weitgehend zerstreut. Der Standort sei besser als einer auf dem Friedhof, räumte Heimatvereins-Vorsitzender Günther Fehling am Freitag ein. In den Oderhängen beidseits des Steins, der am Rastplatz an der Oder steht, sind die Laufgänge der Verteidiger noch zu sehen. Medien-Vertreter aus Franken waren angereist, um über die Einweihung des Gedenksteins zu berichten.

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