Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Schallschutz
Bei Ostwind pfeift es am meisten

Wo hört man die Anlage am meisten? Begehung von WINGAS und Carziger  Anwohnern
Wo hört man die Anlage am meisten? Begehung von WINGAS und Carziger  Anwohnern © Foto: Matthias Lubisch
Ines Weber-Rath / 23.04.2018, 06:15 Uhr
Carzig (MOZ) Die Firma Gascade wird einen Schallschutz-Experten mit Untersuchungen zu den Quellen der Lärm-Immission in der Mallnower Verdichterstation beauftragen. Er soll Maßnahmen vorschlagen, die die Geräusch-Belastung für die Carziger senken können. Das ist das Ergebnis eines Vor-Ort-Termins am Freitag Nachmittag im Fichtenhöher Ortsteil.

Auf dem Hof der Familie Hopf im Ortskern ist an dem Nachmittag das Gezwitscher der Vögel das dominierende Geräusch - unterlegt vom Rauschen des Verkehrs auf der nahegelegenen Bundesstraße 167. Die Carziger haben ihre Gäste, Vertreter der Firma Gascade, zunächst zu Kaffee und selbst gebackenem Streuselkuchen eingeladen. Und zur Information darüber, um was es den Dorfbewohnern geht: Die Ruhe, wegen der vor allem die vielen Neu-Carziger nach der Wende ins Dorf gezogen sind, ist durch die rund 2,4 Kilometer entfernte Erdgas-Verdichterstation beeinträchtigt. „Mancher sagt, hier sei tote Hose. Aber genau das haben wir gewählt“, erklärt Stefan Hellert. Der Psychologe ist der Sprecher der Carziger Bürgerinitiative gegen den Bau weiterer Windräder in Ortsnähe. Er ist auch gegenüber den Gascade-Vertretern der Wortführer.

„Wenn der Wind aus Südosten kommt, ist es am schlimmsten“, sagt Thomas Hopf in der Kaffeerunde in seinem Garten. Und: Die Geräusche aus der Station seien am Abend, wenn der Verkehr nachlässt, alles sonst ruhig wird, am meisten zu hören. Am Freitag allerdings herrscht Westwind. Der treibt eher den Schall der Windräder vorm Dorf herüber.

Es gebe Geräusche, an die man sich gewöhnt. Wie die vom Verkehr auf der B167 vorm Dorf. Oder von den Zügen auf der Regionalbahnstrecke zwischen Frankfurt und Eberswalde, die im Stundentakt an Carzig vorbei fahren. Aber das Pfeifen aus der Verdichterstation sei etwas, an das man sich nicht gewöhnen könne, erklärt Eveline Feldt. Sie ist gebürtige Carzigerin und nach 20 Jahren in Frankfurt ins Dorf zurück gekehrt. Ihr Hof am Ortsrand ist die erste Station auf dem Rundgang, zu dem die etwa 15 gastgebenden Carziger die Vertreter der Firma Gascade und Johannes Dewald dann bitten.

Dewald ist ein externer Schallschutzexperte. Er ist aus dem Hessischen, dem Raum Darmstadt, ins Oderland gekommen. Die Verwunderung ist ihm durchaus anzumerken: Da ist doch nichts zu hören! „Wenn das immer so wäre wie jetzt, hätten wir Sie nicht her gebeten“, sagt Stefan Hellert später, auf seinem Grundstück am Ende des Neuen Weg stehend. Dort haben die Besucher, übers hügelige Feld, den Blick auf die Station, die von vier Windrädern flankiert ist. Daneben sind weitere im Bau.

Doch an diesem Nachmittag weht der Wind die Geräusche weg, von denen Jan Augustyniak sagt: „Das hört sich an, wie das monotone Pfeifen eines Teekessels.“ Das könne man einige Minuten ertragen, aber viel länger nicht. Dann möchte man weglaufen, berichtet der Mitarbeiter des Bundestagsabgeordneten Thomas Nord (Linke) von einem abendlichen Besuch auf der Terrasse von Familie Hellert in Carzig.

Er erlebe das Geräusch wie einen Tinnitus, beschreibt es Stefan Hellert. Und manchmal komme ein Fauchen zum Pfeifton hinzu. Seine Frau Kathi Stoll-Hellert sagt: „Das nervt einfach, macht gereizt und aggressiv.“ Nachbar Martin Lücke ergänzt: „Wenn es windstill ist, ist das am lautesten.“

Die Schilderungen überzeugen die Gascade-Vertreter, darunter der Ressortleiter Netz, Bernd Vogel und der Bereichsleiter Ost, Thomas Uhlenbrok. „Wir beauftragen Herrn Dewald mit Untersuchungen über die Immissionsquellen“, kündigt Vogel an. Der Schallschutzxperte erläutert, was er tun wird: die einzelnen Schallquellen in der Station ermitteln, eine Hitliste der Störquellen erstellen und Berechnungen mit verschiedenen Wettermodellen anstellen. Daraus wird er Handlungsempfehlungen für Schutzmaßnahmen ableiten.

Stefan Hellert hat beim Besuch der Station, zu dem die Carziger im Februar eingeladen waren, eine mögliche Haupt-Lärmquelle entdeckt - die Verbindungsleitung aus dem Verdichter in den Kühler. Die vier Gasverdichter selbst sind dick eingehaust.

Am Ende wird es konkret: Nach der turnusmäßigen Revision der Dampfturbine der Mallnower Station zwischen dem 15. Mai und 15. Juli (Uhlenbrok: „Da ist mit dem Abblasen von Gas zu rechnen.“) soll Johannes Derwald mit seinen Messungen beginnen. Ende August will der Experte seine Ergebnisse vorlegen. Hellert lobt das Vorgehen der Gascade-Vertreter als „sehr transparent und kooperativ.“

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2018 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG