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Altern auf dem Land: Sorgende Gemeinschaft statt stationäre Pflege

Vor der Debatte: Doris Richter (l) vom Stadtverband der Linken begrüßte Hendrik Nolte und Bettina Fortunato
Vor der Debatte: Doris Richter (l) vom Stadtverband der Linken begrüßte Hendrik Nolte und Bettina Fortunato © Foto: Ulf Grieger
Ulf Grieger / 03.06.2018, 22:00 Uhr
Seelow (MOZ) Für eine  Renaissance der Nachbarschaftshilfe, eine sorgende Gemeinschaft und  vielfältige Möglichkeiten zur altersgerechten Quartiergestaltung hat am Sonnabend Hendrik Nolte von der Landesfachstelle „Alter und Pflege im Quartier“ geworben. Auf Einladung des Seelower Stadtverbandes der Linken war Nolte in die gut gefüllte Begegnungsstätte der Volkssolidarität gekommen, um die drängende Frage der steigenden Pflegeheimkosten, des Pflegekräftsmangels und der demografischen Entwicklung zu diskutieren. Die Linken-Landtagsabgeordnete Bettina Fortunato moderierte die Gesprächsrunde und konnte zudem von  ihren praktischen Erfahrungen berichten, die sie in den vergangenen Wochen bei Arbeitseinsätzen in verschiedenen Pflegeeinrichtungen gesammelt hat.

Fortunato nannte einige der Gründe, warum sich so wenige junge Leute für Pflegeberufe entscheiden und in Brandenburg bleiben. Da ist zum einen der Lohnunterschied von bis zu 500 Euro im Vergleich zu anderen Bundesländern wie Berlin. Zudem gibt es eine hohe Arbeitsbelastung, die dazu führt, dass viele bereits nach vier Jahren trotz des geringen Lohnes darum bitten, nur noch sechs Stunden täglich zu arbeiten. „Daran können wir als Politiker bislang wenig ändern, weil die Bezahlung von den Krankenkassen und den Trägern ausgehandelt werden, so Fortunato.

Hendrik Nolte und Bettina Fortunato sprachen sich dafür aus, die Strukturen so zu verändern und umzubauen, dass die Notwendigkeit von stationärer Pflege, für die  es ohnehin zu geringe Kapazitäten gibt, so lange wie möglich zu vermieden wird. „Die Teilhabe der stationär gepflegten Menschen an der Gemeinschaft ist deutlich schwächer als in ihrer gewohnten Umgebung, im Dorf oder im Stadtquartier, so Nolte. Die 18 Mitarbeiter der 2016 aufgebauten Fachstelle beraten Vereine, Wohnungsbaugesellschaften, Kommunen oder Wohngruppen. Die Fördermöglichkeit sei zwar mit bis zu 5000 Euro recht gering. Aber mitunter sind nur Kleinigkeiten zu ändern, um zu erreichen, dass ein Mensch in seinem Quartier bleiben kann.“ Zur sorgenden Gemeinschaft gehören Treffs, Mehrgenerationenhäuser, und vieles mehr. In Podelzig hat die Fachstelle den Wochenmarkt gefördert, indem dort eine Toilette und Bänke mitfinanziert wurden. In anderen Orten wurden Streuobstwiesen angelegt, Literaturcafés eingerichtet und vieles mehr. „Mit Golzows Bürgermeister Frank Schütz starte ich eine Analyse zum  altersgerechten Wohnen“, so Nolte.

Zu Thema steigende Wohnheimkosten kritisiert Bettina Fortunato das Finanzierungssystem. Derzeit zahlt das Sozialamt/die Pflegekasse einen Sockelbetrag je Platz. Alle weiteren Kosten muss die Familie des Heimbewohners aufbringen. Gerechter wäre, wenn die Familie des Heimbewohners einen Sockelbetrag zahlt und der Staat die ständig steigenden Mehrkosten.

Noch viel zu wenig ausgeprägt sei das Bilden von Wohngemeinschaften auf dem flachen Land. Dafür steht die Fachstelle mit Rat und Tat zur Seite. „Vor allem das Finanzierungskonzept muss stimmen. Diese Wohngemeinschaften, die nicht selten ambulant betreut werden, müssen finanziell auf eigenen Füßen stehen, so Nolte. (ulg)

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