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59-Jährige starten ihre einjährige Weltreise im Oderbruch / Unterwegs wollen sie Backöfen bauen

Weltreise
Mit Lehmkühlung in die Welt

Ulf Grieger / 13.06.2018, 06:30 Uhr
Buschdorf (MOZ) Vom Pehle-Hof in Baiersberg in die weite Welt: Für ein Jahr haben sich Eveline und Dieter Kotras von ihren Freunden aus dem Oderbruch verabschiedet. Einen strengen Routenplan haben sie nicht. Drei Jahre lang haben sie sich intensiv darauf vorbereitet.

„Sonnenblumen sind doch freundlich. Und damit fallen wir in der Natur auch nicht so auf!“, kommentieren Eveline und Dieter Kotras die bunte Gestaltung ihres Vehikels, einem Setra-Bus von 1980. Das Fahrzeug ist nicht nur äußerlich ein fahrendes Sonnenblumenfeld. Auch die Innengestaltung folgt dem Motiv. Und wer den Bus auf der Straße vor sich hat, der schaut auf die Porträts der beiden 59-jährigen Weltreisenden. In Buschdorf, wohin die Familie seit Jahren in die Ferien fährt, hatte es mit Freunden ein Abschiedsfest gegeben.

Die Idee für die Reise hatten sie vor fünf Jahren. Da haben sie ihre Enkel in München besucht. Für die Reise vom heimischen Schönhagen bei Trebbin bis nach München brauchten sie zwei Wochen. Denn die Fahrt ging mit einem Traktor und einem Zirkuswagen. Den Wagen hatte Kotras mit Lehm austaffiert, so dass man darin gut wohnen kann. „Es war ein wenig wie bei Peter Lustig“, erzählt Dieter Kotras

Auf Lehm gekommen ist Dieter Kotras, der eigentlich Brückenbauingenieur ist, vor etwa 30 Jahren. Es war der erste radikale Schnitt in seinem Leben, erzählt er. Statt Beton und Stahl wurde der älteste Baustoff sein Element. Er baute an Fachwerkhäusern, errichtete Backöfen und das nicht nur in Berlin-Brandenburg, sondern auch in Zypern, Indien, der Slovakei, England, Kenia, Island und Nepal. Ein Weltreisender in Sachen Lehmbau. „Vielerorts ist das Wissen über die alten Bautechniken verlorengegangen. Vor allem dort, wo einst Kolonialmächte waren. Lehm ist ein Material, das fast überall zu finden ist und das man nicht teuer importieren muss“, erzählt er. In Altranft hat er das alte Fischerhaus mit rekonstruiert.

Der Bus, mit dem sie sich nun auf die Reise machen, hat in Mehrfacher Hinsicht mit Lehm zu tun. So konnte Kotras das gute Stück, das auf Grund seines Alters als Oldtimer und Wohnwagen gilt, mit dem Bau eines Backofens bezahlen. Zum anderen hat der Baufachmann etwa drei Jahre getüftelt, um einen solchen Lehm herzustellen, der die Innenwände wirksam vor Hitze schützt. Anfangs war der gleich nach dem Trocknen abgefallen. Dann, sobald der Motor startete. Nun fällt der Baustoff auf den ersten Blick kaum auf, macht den Bus natürlich auch etwas schwerer. Und das merkt man beim Fahren schon, so Kotras. Denn der Oldtimer hat natürlich noch keine Servolenkung.

In ihrem Bus haben  es die Weltreisenden urgemütlich. Es gibt im Heckbereich ein Schlafzimmer mit Doppelbetten, das noch einmal extra abgeschirmt ist. Zwei Fahrräder sind dabei, eine Badewanne, Dusche, eine Küche mit einem variablen Gas-Elektro-Herd.

Vom Oderbruch aus geht es zunächst südwärts, ans Schwarze Meer, durch Griechenland nach Albanien. Wenn es sich anbietet, will Kotras auch unterwegs Öfen setzen oder die Leute beraten. Werkzeug hat er dabei, den Baustoff gibt es überall. Über Gibraltar wollen sie nach Afrika. Auch, um dort Backöfen zu bauen. Ihre Wohnung haben sie an eine Familie vermietet, um wenigstens die Mieteinnahmen zu haben. Denn ansonsten haben der Lehmbauer und die Buchhalterin ein Jahr lang keinen Verdienst.

Warum begibt man sich mit 59 auf eine so strapaziöse Reise? Für das Paar war es der beste Zeitpunkt, wie sie versichern. „Wir sind bei guter Verfassung“, sagt Eveline Kotras. Wenn wir so etwas überhaupt noch schaffen, dann gerade jetzt“,  sind sich beide einig. Als Patchworkfamilie haben sie fünf Kinder. „Die hatten viel Verständnis für die Reise.  Aber unsere Enkel wären selbst gern mitgekommen!“, sagen sie.

Mehr Informationen im Internet: www.sachverstaendigenbuero-kotras.de

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