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Die Akademie der Dorfhelden hat in Podiumsgesprächen über Ehrenamt im ländlichen Raum und Mitbestimmung der Dörfer diskutiert

Dorfhelden
Veto-Recht für Ortsteile vorgeschlagen

Erstes Podium: Ilona Tkocz (v.l.) von den Dorfhelden, mit Moderator Boris Klein vom Kreis-Kinder- und Jugendring und Gesprächsgästen, den Landtagsabgeordneten Kristy Augustin (CDU) und Simona Koß (SPD) im Großen Saal des Schlosses Trebnitz.
Erstes Podium: Ilona Tkocz (v.l.) von den Dorfhelden, mit Moderator Boris Klein vom Kreis-Kinder- und Jugendring und Gesprächsgästen, den Landtagsabgeordneten Kristy Augustin (CDU) und Simona Koß (SPD) im Großen Saal des Schlosses Trebnitz. © Foto: Josefine Jahn
Josefine Jahn / 18.06.2018, 06:45 Uhr
Trebnitz (MOZ) Vor der Sommerpause hat die Akademie der Dorfhelden am Freitag zu einem Stammtisch mit Podiumsdiskussionen ins Schloss Trebnitz eingeladen. Die demokratische Mitbestimmung der Dörfer und die Förderung des Ehrenamts im ländlichen Raum wurden besprochen.

„Unser Ziel ist es, demokratische Handlungskompetenz der Zivilgesellschaft im ländlichen Raum zu stärken“, erklärt eine der Initiatorinnen der Akademie der Dorfhelden, Ilona Tkosz, zu Beginn des Stammtischs. So stehe Akademie für eine Bildungseinrichtung, die aber nicht auf akademische Angebote abziele. Im Wort Dorfhelden finde sich der Bezug zum ländlichen Raum und dessen ehrenamtlichen Akteuren wieder.  Bei der Umsetzung ihrer Vorhaben werden die Dorfhelden von Partnern aus Politik und Bildung unterstützt, auch, so Ilona Tkocz, „weil wir das Rad nicht neu erfinden wollten“.

In einem vorangegangenen Seminar hatten Mitglieder über Themen für das Podium abgestimmt. In der ersten Runde stellen sich die Landtagsabgeordneten Kristy Augustin (CDU) und Simona Koß (SPD) den Fragen. Jens Graf vom Städte- und Gemeindebund Brandenburg kam später dazu.

„Was halten Sie von einem Veto-Recht als Einflussinstrument für Ortsteile gegenüber Gemeinde und Stadt?“ lautet die erste Frage. „Ich finde Mitspracherecht für Ortsteile sehr wichtig und das Veto-Recht ist eine gute Idee“, steigt Kristy Augustin ein. Eventuell könne man über eine Aufsichtspflicht auf Landkreisebene nachdenken. Auf den Vorschlag, Orten ein bestimmtes Budget für Maßnahmen in Eigenverantwortung zuzuteilen, antwortet Simona Koß mit der Idee, Prioritätenlisten zu erstellen, um das zur Verfügung stehende Geld gleichmäßig zu verteilen.

Ralf Rafelt, Ortsvorsteher von Groß Marzehns im Fläming, plädiert dafür, die Demokratieräume im Land nicht noch größer werden zulassen. „Das würde weniger Mitspracherecht für die Orte bedeuten.“ Zuvor hatte Jens Graf am Vergleich Müncheberg erklärt, dass die Stadtverordneten für den gesamten Bereich, also auch für die Dörfer, verantwortlich seien, demnach alles als einen Demokratieraum begreifen würden. Er klärte außerdem darüber auf, dass Ortsvorsteher, entgegen der Annahme des Publikums, sehr wohl Mitspracherecht in Gemeindevertretungen hätten, sich bei sie betreffenden Belangen über Anträge Gehör verschaffen könnten.

Darauf geht die Gruppensprecherin Grit Körmer, Regionalmanagerin der Lokalen Aktionsgruppe (LAG) Märkische Seen, in der zweiten Podiumsrunde zur Förderung des Ehrenamts im ländlichen Raum ein. „Woher beziehen Ortsvorsteher und andere Aktive ihr Wissen?“, fragt sie die Diskussionsgäste. Diese sind die Landtagsabgeordnete Bettina Fortunato (Linke), Seelows Bürgermeister Jörg Schröder und Landtagsabgeordneter Steffen Königer (AfD). Es fehlten Bildungsangebote, um im Gemeindesinn richtige Entscheidungen treffen zu können, führt Grit Körmer weiter aus.

Schröder erinnert sich, wie die Abgeordneten in Seelow vom Städte- und Gemeindebund geschult wurden. „Da besteht ein großer Nachholbedarf“. Bettina Fortunato sieht die Stadtverordneten in der Pflicht, kleinere Gremien über ihre Mittel zu informieren, etwa in kommunal-politischen Foren.

„Wie kann man junge Leute für das Ehrenamt begeistern?“, lautet eine weitere Frage. Jungen Menschen mangele es oft an Zeit und sie hätten Scheu davor, Verantwortung zu übernehmen, denkt Bettina Fortunato. Seelows Bürgermeister sagt, er konzentriere sich beim politischen Nachwuchs auf jene, die geblieben oder zurückgekehrt sind, um das Problem zu umgehen, das Königer aus seiner Erfahrung im Windsurf-Verein schildert. „Sobald die jungen Leute geschult sind, ziehen sie weg zum Studium“, beklagt der Landespolitiker.

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